Im Baumklettern

Marzer Wipfelstürmer will Meisterschaft gewinnen

Burgenland
10.08.2026 09:00

Im Vorjahr holte er Silber, jetzt hat er Gold im Visier: Johannes Scheiber aus dem burgenländischen Marz (Bezirk Mattersburg) möchte bei den Österreichischen Baumklettermeisterschaften 2026, die am 15. August im steirischen Leibnitz stattfinden, hoch hinaus. Die „Krone“ traf ihn beim Trainieren.

Eigentlich ist Johannes Scheiber (41) gelernter Koch und Kellner. Er arbeitete im Neusiedler Stadtgasthaus „Nyikospark“, im „Gut Purbach“ und bei der „Drescher-Line“ in Rust. Außerdem war er Außendienst-Mitarbeiter bei „Metro“ und der Fastfood-Kette „McCain“ sowie Produktentwickler bei „Felix Austria“. Doch in seiner Freizeit zog es ihn seit jeher in den Wald seiner Familie – zum Bäume schneiden. Um sich auf diesem Gebiet weiterzubilden, absolvierte er forstwirtschaftliche Ausbildungen. Vor acht Jahren machte er sich schließlich als professioneller Baumpfleger selbstständig. Seither freut er sich über einen immer größer werdenden Kundenstamm in Wien, Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland.

Weltweite Wettbewerbe
„Unsere Branche ist eine kleine große Familie. Man kennt sich, tauscht sich aus. So erfuhr ich eines Tages von den Österreichischen Baumklettermeisterschaften, die jedes Jahr an einem anderen Ort stattfinden“, sagt Scheiber, als wir ihn bei Baumpflegearbeiten in Eisenstadt treffen: „Bei Baumklettermeisterschaften steht nicht freies Baumklettern im Sinne von Extremsport im Vordergrund, sondern sicheres, effizientes und fachgerechtes Arbeiten in der Baumkrone. Das ist für den Berufsalltag essenziell. Die Wettbewerbe werden weltweit von der International Society of Arboriculture (ISA) und ihren nationalen Verbänden organisiert.“

Auf die Plätze, Seile, los!
Auf die Plätze, Seile, los!(Bild: Reinhard Judt)

Aufstieg am stehenden Seil
Anfangs sah der Vater eines kleinen Sohnes seinen Kollegen beim Kraxeln nur zu. Doch irgendwann packte auch ihn der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. „Bei meiner ersten Teilnahme in Laxenburg hatte ich nur ein Ziel: Bloß nicht Letzter werden! Das ist gelungen, ich landete im Mittelfeld. Bei den Meisterschaften in Seeboden im Vorjahr holte ich im Einzelbewerb ‘Wurfschnur‘ sogar Silber.

Bei dieser Disziplin wirft man Seile auf vier unterschiedlichen Höhen möglichst präzise in die gewünschten Astgabeln. Bewertet werden Zeit und Genauigkeit. Der „Aufstieg am stehenden Seil“ wiederum ist eine reine Geschwindigkeitssache. Man muss effizient auf den Baum gelangen, wobei die Glocke zwischen 15 und 25 Metern hängt. Eine weitere Disziplin ist das „Schnellklettern“. Beim „Arbeitsklettern“ indes sind typische Baumpflege-Aufgaben in der Krone zu absolvieren. Hier muss man – ausgerüstet man mit einer Stangensäge und Handsäge sowie der Wurfstation – auf Ästen balancieren, ohne, dass diese sich durchbiegen.

„Professioneller Baumpfleger ist ein Job mit Zukunft. Wir arbeiten im öffentlichen und privaten ...
„Professioneller Baumpfleger ist ein Job mit Zukunft. Wir arbeiten im öffentlichen und privaten Bereich, weil die Bevölkerung nur selten mit den Geräten umgehen kann. Auch Sturmschädenbeiseitigungen und Extremabtragungen werden mehr“, sagt Scheiber.(Bild: Reinhard Judt)

Er lässt sogar Youngsters alt aussehen
„Und dann gibt es neben einer Rettungsaufgabe noch die Masters Challenge, also das große Finale mit einem komplexen Praxisszenario. Dahin gelangen nur die fünf Besten der Gesamtbewertung – die führenden drei Österreicher sowie die überlegenen zwei Gastkletterer“, sagt Scheiber, der bereits fleißig für die nächste Meisterschaft am 15. August in Leibnitz trainiert. Bis zu 50 Teilnehmer sind zugelassen, 38 haben sich bereits beworben – darunter Kontrahenten aus Ungarn, Deutschland, Frankreich, England, der Schweiz, den Niederlanden und Australien. Die jüngsten Teilnehmer sind 20, die ältesten über 50 Jahre alt.

Scheiber, für den „Selbstüberprüfung und die Aftershowparty“ die größten Anreize sind, ist zuversichtlich, dass er auch heuer gut abschneidet: „Wir Alten matchen uns gerne mit den Jungen und schaffen es immer wieder, dass wir vorne im Spitzenfeld umhergrabeln“, lacht er und verschwindet im nächsten Baumwipfel.

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