SKURRILES ÖKOPATT

Biber-Damm behindert die Bachforellen im Fluss

Niederösterreich
08.08.2026 13:00

Hinter einer alten Hammerschmiede an der Zwettl treffen Wasserrecht, Hochwasser und ein hartnäckiger Biber aufeinander. Bezahlen und bauen musste der Mensch. Ob die Fische davon profitieren, ist eine andere Frage.

Unterhalb des Biberdamms ist die Zwettl derzeit kaum mehr als ein schmales Rinnsal. Zwischen großen Steinen sucht sich das wenige Wasser seinen Weg. Für größere Fische scheint eine Wanderung hier kaum möglich. Nur wenige Dutzend Meter flussaufwärts liegt eine Anlage, die genau das ermöglichen soll: eine Fischwanderhilfe hinter der historischen Hammerschmiede von Friedrich Fürst.

Fischwanderhilfe seit 2023 fertig gebaut
Die Behörde hatte den Betreiber aufgefordert, die Durchgängigkeit des Gewässers herzustellen. Friedrich Fürst ließ planen und bauen. Seit 2023 ist die Fischwanderhilfe fertiggestellt. Behördlich abgenommen wurde sie nach seiner Darstellung bis heute nicht. Der Grund dafür soll Jahrhunderte zurückliegen. Ein Markierungsstein aus dem Jahr 1478 werfe Fragen über den genauen Grenzverlauf auf. Deshalb müsse neu vermessen werden. Ob tatsächlich der alte Stein die ausstehende Überprüfung verzögert, müsste die zuständige Behörde beantworten.

Erst kam das Amt, dann das Hochwasser
Während das Verfahren noch offen war, wurde die Fischwanderhilfe beim Hochwasser 2024 teilweise beschädigt. Herr Friedrich Fürst musste sie reparieren lassen, obwohl ihre ursprüngliche Ausführung noch nicht abschließend bestätigt worden war. Grundsätzlich sind Fischwanderhilfen ein wichtiges Instrument des Gewässerschutzes. Sie sollen menschlich geschaffene Hindernisse wie Wehre oder Abstürze für Fische passierbar machen. Entscheidend ist allerdings nicht nur, dass eine solche Anlage vorhanden ist. Sie muss von den Fischen auch erreicht und genutzt werden können. Genau hier beginnt die Kuriosität an der Zwettl.

(Bild: Attila Molnar)

Der Biber baut ohne Bescheid
Wenige Dutzend Meter unterhalb der Fischwanderhilfe befindet sich ein Biberdamm. Nach Angaben von Herrn Fürst besteht er in wechselnder Form bereits seit 2008. Wird er beschädigt, baut ihn der Biber wieder auf. Damit staut das Tier den Fluss unterhalb jener Anlage, die der Betreiber auf behördliche Anordnung errichten musste.

Flussbett heuer steinig und seicht
Im extrem trockenen Jahr 2026 wird der Widerspruch besonders sichtbar: Unterhalb des Damms ist das Flussbett steinig und seicht. Selbst eine funktionierende Fischwanderhilfe nützt wenig, wenn die Tiere den Abschnitt davor kaum überwinden können.

Biber ist schnell wieder aktiv
Den Biberdamm darf Herr Fürst jedoch nicht einfach vollständig entfernen. Der Biber ist streng geschützt. Für größere Eingriffe oder eine vollständige Beseitigung des Damms ist grundsätzlich eine behördliche Ausnahme oder ein Verfahren nach den niederösterreichischen Biberbestimmungen notwendig. Teilweise Absenkungen oder technische Maßnahmen können unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. Allerdings zeigt die Erfahrung: In einem bestehenden Revier errichtet der Biber einen entfernten Damm häufig rasch wieder.

Zwei Bauwerke, zwei Gesetze, ein Fluss
Auf der einen Seite verlangt das Wasserrecht, ein von Menschen geschaffenes Hindernis für Fische auszugleichen. Auf der anderen Seite schützt das Naturschutzrecht ein Tier, das wenige Meter entfernt selbst ein Hindernis errichtet. Rechtlich hebt der Biberdamm die Verpflichtung zur Fischwanderhilfe nicht automatisch auf. Fachlich stellt sich trotzdem die Frage, welchen ökologischen Nutzen die Anlage unter den tatsächlichen Bedingungen bringt. 
Bis dahin bleibt hinter der Hammerschmiede ein bemerkenswertes Bild: Ein Stein aus dem Jahr 1478 verzögert möglicherweise ein Verfahren. Die Fischwanderhilfe steht seit 2023. Das Hochwasser beschädigte sie 2024. Der Biber baut seit Jahren weiter. Der Mensch wartet auf den Bescheid. Der Biber nicht.

Textvorarbeit: Sonja Molnár

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