Ist das notwendig?

Hitradio Ö3 setzt in Werbespot auf KI-Musik

Unterhaltung
03.08.2026 15:58

Hitradio Ö3 setzt in einer neuen Werbekampagne auf die Menschlichkeit – und verwendet in einem Spot dafür eine komplett von der KI generierte Musik. Was bedeutet das für österreichische Künstler und was sagt Senderchef Michael Pauser dazu? Wir haben nachgefragt.

Laut Ö3-Marketingleiter David Dittrich arbeitete man zehn Monate lang intensiv mit einem Werbepartner an einer Markenkampagne, die als „Ö3 hört euch“ Mitte Juli realisiert wurde. „In einer Welt aus Feeds, FOMO und Algorithmen wird Echtheit zum Statussymbol – und Ö3 zum menschlichen Korrektiv“, schrieb er auf seinem LinkedIn-Profil online. Im Interview mit dem Branchenmagazin „Horizont“ legte er nach: „Vom Start weg machte Ö3 ein Programm von Menschen für Menschen“.

Nicht viel zu spüren ist von dieser Menschlichkeit in einem Werbespot, der auf Social Media und in Kinos läuft und – gekennzeichnet – mit KI-Musik hinterlegt wird. Uns stellten sich daraufhin Fragen. Ist es für einen öffentlich-rechtlichen Musiksender, der von Gebührenzahlern finanziert wird, erstrebenswert, KI-Musik anstatt menschengemachter Musik zu verwenden? Wie passt die praktische Umsetzung zu den „menschelnden“ Aussagen des Marketingchefs? Wie geht man mit Kritik von Musikern, Hörern und Usern um, die sich vom größten Sender des Landes auch menschengemachte Musik erwarten?

Ein Screenshot aus der aktuellen Werbekampagne von Ö3, wo die KI-Musik gekennzeichnet verwendet ...
Ein Screenshot aus der aktuellen Werbekampagne von Ö3, wo die KI-Musik gekennzeichnet verwendet wird.(Bild: Instagram/HitradioÖ3)

Die Replik von Ö3-Chef Michael Pauser: „Ö3 spielt in der laufenden Musikrotation keine KI-generierte Musik. Der Spot zur neuen Kampagne ,Ö3 hört euch‘ ist auch kein KI-generiertes Video: Es gab ein echtes Shooting mit echten Menschen. Ausschließlich der kurze Werbejingle zur musikalischen Untermalung wurde durch die Ö3-Produktion in vielen Einzelschritten KI-unterstützt entwickelt. Ziel war ein stilisierter Ö3-Sound, der ein Lebensgefühl transportiert, ohne dabei auf einzelne Künstlerinnen zu reduzieren.“

Die restlichen Fragen bleiben seitens des Senders unbeantwortet. Fraglich bleibt freilich, ob sich ein gebührenfinanzierter Sender mit einer Strahlkraft für rund 2,5 Millionen Hörer täglich und einer deutlich auf die Menschlichkeit zugeschnittenen Werbekampagne einen Gefallen damit tut, KI-Musik in seine Spots zu senden. Schockiert zeigen sich in Kommentarspalten auch heimische Musiker, für die Airplay und eine Einnahmequelle ohnehin immer schwieriger werden, da Ö3 auch nur 13,3 Prozent seines Musikprogramms mit österreichischen Liedern bespielt (Stand 2025). 

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