Von Angelobung bis Benefizkonzert: Mit rund 250 Auftritten jährlich bringt die Kapelle das Heer zu den Menschen. Doch ihre Wurzeln reichen weit in die Monarchie zurück...
Montagvormittag in der Hesser-Kaserne in St. Pölten. Normal stellt man sich die Atmosphäre beim Bundesheer etwas anders vor: Zackige Kommandos, Exerzierübungen und den typischen militärischen Alltag. Doch schon beim Wachposten dringen helle Trompetentöne aus den historischen Gebäuden. Hinter den Türen der kleinen Proberäume wird konzentriert geübt. 60 Musiker, darunter 15 fixe Kaderkräfte, zählt die Militärmusik Niederösterreich derzeit. Etwa ein Viertel davon sind Frauen – deutlich mehr als in anderen Bereichen des Bundesheeres.
14 Stunden pro Woche
Mit 250 Auftritten pro Jahr absolvieren die Niederösterreicher österreichweit mehr Einsätze als jede andere Militärkapelle. Wöchentlich kommen die Jungmusiker auf rund 14 Stunden Probezeit. Viele von ihnen studieren parallel an Musikuniversitäten in Wien, Linz oder Eisenstadt. Für sie ist die Militärmusik wichtige Praxiserfahrung und oft auch ein Sprungbrett für die weitere musikalische Laufbahn. Gespielt wird dabei längst nicht nur Marschmusik: Das Repertoire reicht von Angelobungen und offiziellen Feiern über Benefizkonzerte bis hin zu Big-Band-, Jazz- oder Tanzlmusi-Auftritten.
Für Landesmilitärkommandant Georg Härtinger erfüllt die Militärmusik jedoch eine weitreichendere Rolle als nur musikalische Einsätze. Das Vertrauen der Bevölkerung ins Bundesheer sei weiterhin hoch. Gehe es jedoch um die Bereitschaft, das Land im Ernstfall auch zu verteidigen, sinke die Zustimmung deutlich. Gerade deshalb sei die Militärmusik für das Bundesheer so wichtig, erklärt Härtinger: „Sie schafft Nähe zur Bevölkerung und bringt das Heer direkt zu den Menschen.“ Besonders berührend seien für ihn dabei die Benefizkonzerte. Im vergangenen Jahr spielte die Militärmusik rund 100.000 Euro für karitative Einrichtungen ein.
Dass hinter den vielen Auftritten intensive Probenarbeit steckt, zeigt sich nur wenige Meter weiter in den Proberäumen der Militärmusik. Während im Trompetenregister konzentriert an einzelnen Passagen gefeilt wird, probt nebenan bereits das Holzregister. Wenige Türen weiter sind Posaunen, Tuben, Tenorhörner und Schlagwerker zu hören.
Weniger Stunden für Studenten
Neben den täglichen Gesamt- und Registerproben stehen Unterricht in Dirigieren, Gehörbildung und Stabführung auf dem Programm. Wer an einer Musikuniversität studiert oder sich auf eine Aufnahmeprüfung vorbereitet, erhält zusätzliche Freiräume im Dienstplan. Viele nutzen die Zeit auch zum Komponieren, Arrangieren oder zum Erlernen weiterer Instrumente. „Wir sind ein Ausbildungsorchester“, sagt Militärkapellmeister Adolf Obendrauf. Da jedes Jahr ein großer Teil der Musiker abrüstet, rücken laufend neue Talente nach. Für sie ist die Militärmusik Niederösterreich eine wichtige Ausbildungsstation: „Ein Jahr lang sammeln sie hier wertvolle Erfahrungen und nehmen das Gelernte anschließend in ihre Heimatkapellen oder ihre weitere musikalische Ausbildung mit“, so Obendrauf.
Zur täglichen Gesamtprobe treffen sich die Musiker im großen Probesaal in der Kaserne. Erst vor Kurzem spielte dort die Militärmusik NÖ auch die Landeshymne neu ein. „Es gibt wahrscheinlich keine Musikgruppe, die die Landeshymne öfter spielt als wir“, sagt Militärkapellmeister Adolf Obendrauf. Für die Musiker sei die Aufnahme dennoch etwas Besonderes gewesen: Die neue Version wird künftig bei offiziellen Anlässen in ganz Niederösterreich zu hören sein.
von Bernhard Matouschek
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