„Erst angefangen“

Vom Buhmann zum Helden: Tuchel hat nicht genug

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Von krone Sport

Zwischen Thomas Tuchels Wandlung vom Buhmann zum Helden lagen nicht einmal zwei Stunden. Es waren allerdings spektakuläre, ja historische 100 Minuten Fußball in Miami, die Englands Nationaltrainer wieder eine Perspektive und vor allem das Wohlwollen der Öffentlichkeit verschafften. Tuchel will sich aber „fast nicht zufrieden geben“.

Mit 6:4 besiegte das in der ersten Halbzeit entfesselt spielende England die Franzosen im Match um Platz drei. Es ist die größte WM-Leistung einer englischen Mannschaft seit dem Titelgewinn 1966.

Doch nicht unverzeihlich?
„Das ist die erste Medaille seit 60 Jahren, die erste Medaille im Ausland. Ich hoffe, die Spieler sehen das“, sagte Tuchel. Vor dem Anpfiff waren noch Buhrufe durch das Stadion gehallt, als das Foto des 52-Jährigen am Ende der Mannschaftsaufstellung auf der Anzeigetafel gezeigt worden war. Unverzeihlich schien die Niederlage im Halbfinale gegen Argentinien, als man nach Ansicht von Experten und Fans feige eine Führung verteidigte und diese ab der 85. Minute noch aus der Hand gab.

  Eine Halbzeit später stand es bereits 4:0. Und am Ende schrieb der „Daily Star“, dass die ganze Welt von dem Spiel gefesselt worden sei. Tuchel entschied, „den Anker zu lichten, und England überrollte ein lustloses Frankreich.“ Der „Guardian“ urteilte, das Spiel „zählte zu den Höhepunkten des Turniers“ und es sei „wirklich fantastisch“ gewesen.

Tuchel schmerzt verpasstes Finale
Doch so wenig sich Tuchel nach dem Argentinien-Spiel auf die Schwarzmalerei einlassen wollte, so sehr verweigerte er sich nun den Lobeshymnen. „Wir erlauben es uns fast nicht, damit zufrieden zu sein, weil wir so ehrgeizig sind. Wir wollten ins Finale kommen, deshalb schmerzt es“, sagte Tuchel. „Es gibt vieles, auf das man stolz sein kann, aber dennoch werden viele von uns nicht glücklich sein.“ Das Beste, das man tun könne, sei auf dem Platz zu reagieren und den nächsten Sieg holen, meinte er zur Kritik nach dem Halbfinale. „Alles andere ist nur reden und das bringt dir keine Punkte. Ich bin froh über die Reaktion und wie wir gespielt haben.“

Bei der Ehrung für den dritten Platz wurde noch einmal deutlich, wie richtig Tuchel mit seiner Nominierung lag. Kopfschütteln hatte er im besten Fall geerntet, als er den hochbegabten Phil Foden und Cole Palmer kein WM-Ticket gegeben hatte. Stattdessen schaffte es der 36 Jahre alte Jordan Henderson in den Kader, der beim Mittelklasseclub Brentford spielt. An diesem schwülen Sommerabend in Miami war es dann Henderson, der den nur zu Trainingszwecken mit in die USA gereisten Tormann Jason Steele zum Podest rief und ihm seine Medaille umhängte. Die englischen Fans hinter dem Tor grölten begeistert. Es war kein Zufall, dass Jude Bellingham nach seinem Tor zum Endstand direkt zu Henderson gelaufen war und ihm einen Kuss auf die Stirn gegeben hatte.

„Großartige Rede“ von Henderson
Auch vor dem Anpfiff spielte der erfahrene Ex-Liverpooler eine Schlüsselrolle. „Jordan Henderson hat eine großartige Rede im Hotel gehalten, um uns in die richtige Stimmung zu bringen“, berichtete Tuchel. „Es gibt noch eine Lücke zu den Top drei der Welt und die wollen wir schließen. Damit haben wir heute angefangen.“

  Verteidiger Djed Spence, der auf seiner Position zu den Entdeckungen des Turniers zählt, sieht in dem dritten Platz den Beginn von etwas Großem. „Es ist das beste Ergebnis seit 1966. Ich denke, das kann ein Sprungbrett für uns sein. Und im nächsten Turnier bringen wir hoffentlich etwas nach Hause.“

Das nächste Turnier ist die EM 2028 in Großbritannien und Irland. Bis dahin dürfte Tuchel Ruhe haben, wenn die Ergebnisse stimmen. „Es wäre komplette Zeitverschwendung, wenn wir ihn nicht behalten würden. Ich denke, wir sollten ihn unterstützen“, sagte nun BBC-Experte und Ex-Nationalspieler Martin Keown.

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