Mi, 15. August 2018

Umsturz-Gerüchte

06.10.2014 10:14

Kim verschwunden: Nord- und Südkorea reden wieder

Es ist schon eine merkwürdige Fügung des Schicksals: Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ist seit Wochen verschwunden - und plötzlich nähern sich das kommunistische Land und Nachbar Südkorea nach Monaten der Eiszeit und der Drohgebärden wieder an. Ob Kim tatsächlich erkrankt ist, wie vor Kurzem bekannt gegeben worden war, ist unklar - das Regime hat dies nun offenbar zurückgewiesen. Derweil machen Gerüchte über einen Umsturz die Runde.

Nach wochenlanger Abwesenheit von Kim Jong Un hatte Nordkorea vor zwei Wochen erstmals gesundheitliche Probleme des jungen Machthabers eingeräumt. Trotz der Beschwerden führe er sein Volk weiter mit großem Enthusiasmus an, hieß es im nordkoreanischen Staatsfernsehen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. In Südkorea wurde vermutet, der beleibte Kim leide an erblich bedingter Gicht.

Doch am Sonntag erklärte Südkoreas Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae im Fernsehen, das treffe nicht zu. Der Sekretär der nordkoreanischen Arbeiterpartei, Kim Yang Gon, habe ihm erzählt, dass Kim "keine Probleme mit der Gesundheit" habe, so Ryoo. Weiterführende Erklärungen, wo der zuletzt am 3. September in der Öffentlichkeit gesehene Diktator ist, gab er allerdings nicht ab.

Überraschende Annäherung des Nordens
So kocht die Gerüchteküche weiter - schließlich fällt das Verschwinden Kim Jong Uns mit einer unerwarteten Annäherung Nord- und Südkoreas zusammen. Ryoo hatte sich am Samstag mit Kim Yang Gon und anderen Mitgliedern einer hochrangigen Delegation aus Nordkorea am Rande der Asien-Spiele im südkoreanischen Inchon getroffen. Dabei wurde vereinbart, die seit Februar ausgesetzten Spitzengespräche zwischen den beiden Ländern Ende Oktober, Anfang November wieder aufzunehmen.

Die Nordkoreaner waren überraschend zur Teilnahme an der Abschlussfeier der Asien-Spiele nach Südkorea gereist. Zur Delegation gehörte auch der Leiter des politischen Büros der Volksarmee, Hwang Pyong So, der als inoffizielle Nummer Zwei hinter Kim gesehen wird. Die Reise sei als Zeichen zu werten, dass Hwang seine Machtposition so gestärkt sehe, dass er sich traue, das Land für einen Tag zu verlassen, erklärte "The Daily Beast".

Hochkarätige Reise als Ablenkungsmanöver?
Dass Kim abgesetzt wurde, ist Experten zufolge aber unwahrscheinlich. So sagte etwa John Delury von der nordkoreanischen Yonsei-Universität gegenüber der "Washington Post", so eine hochkarätige Reisegruppe sei viel zu auffällig, wenn in Nordkorea tatsächlich gerade ein Umsturz im Gange sei. Kim sei wohl tatsächlich krank. Andererseits rufe die Reise automatisch Spekulationen hervor, daher könne man "nicht ausschließen, dass dies Teil einer Kampagne ist, die zeigen soll, wie normal dort in Nordkorea alles ist".

Andrei Lankov von der südkoreanischen Universität Kookmin erklärte, es handle sich bei der unerwarteten Annäherung um eine "Charmoffensive": Nordkorea wolle "wegkommen vom exzessiven chinesischen Einfluss". Der Außenminister des Landes habe deshalb vor Kurzem vor der UN-Hauptversammlung gesprochen und besuche nun Russland, hohe Beamte würden mit der japanischen Regierung verhandeln.

Überläufer: Kim Jong Un seit 2013 nur "Marionette"
Der ehemalige hohe nordkoreanische Beamte Jang Jin Sung erklärte dagegen vor wenigen Tagen gegenüber "Vice", Kim Jong Un sei schon 2013 abgesetzt worden und nur noch eine "Marionette" für das Zentralkomittee der Arbeiterpartei. Während einige Experten diese Aussagen anzweifeln, könnte ein Gerücht für einen Umsturz sprechen: Am 27. September sollen neue Reisepässe für die Ein- und Ausreise aus der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang verboten worden sein, was auf einen Militärcoup hindeuten könnte. Nur einen Tag zuvor hatte das nordkoreanische Fernsehen von den Gesundheitsproblemen Kim Jong Uns berichtet.

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