Anlässlich des Jubiläums „40 Jahre Landeshauptstadt“ teilen Landeschefin Johanna Mikl-Leitner und Bürgermeister Matthias Stadler ihre ganz persönlichen Erinnerungen.
Am 10. Juli 1986 wurde beschlossen, dass St. Pölten Landeshauptstadt wird. Wo waren Sie an diesem Tag, was haben Sie gemacht? Gibt es spezielle Erinnerungen daran?
Matthias Stadler: Ich war in St. Pölten und beim ersten Hauptstadtfest mit dabei, weil das für alle St. Pöltner gleich das Highlight war – zwar improvisiert und aus dem Boden gestampft, aber wenn man was möchte, dann geht das sofort. Mittlerweile hat es sich über viele Jahre zu einer tollen Einrichtung entwickelt, heute feiern wir zwei Tage lang mit dem Bravissimo. Aber ich war damals natürlich in St. Pölten und habe mitgefeiert, muss ich ganz offen sagen.
Johanna Mikl-Leitner: Ich war damals Studentin, habe in Wien an der WU studiert und habe dieses Thema natürlich intensiv mitverfolgt, auch in den Medien. Ich habe von damals noch die Erinnerung, dass wir in Niederösterreich eigentlich ein sehr geringes Selbstwertgefühl oder Selbstbewusstsein hatten. Das hat sich mit einer eigenen Landeshauptstadt weg von Wien, wo wir einen neuen eigenen Mittelpunkt gefunden haben, geändert. Das hat schon das Selbstbewusstsein der niederösterreichischen Landsleute gestärkt. 1995 war ich erstmals bewusst in St. Pölten. Ich habe heute noch diesen Geruch von der Glanzstoff im Gedächtnis.
War dieser Tag der wichtigste Wendepunkt für St. Pölten in den 40 Jahren?
Mikl-Leitner: Man kann sicherlich sagen, dass diese Landeshauptstadt in der Geschichte Niederösterreichs ein Gamechanger war – vor allem für das Selbstbewusstsein. Es hat sich da unglaublich viel getan, wie das Regierungsviertel gebaut worden ist und dann die Übersiedlung stattgefunden hat.
Denn was ist denn passiert? Wir haben da mit dem Regierungsviertel auf einmal ein neues Zuhause für die Landesregierung, für den Landtag, aber natürlich auch für die gesamte Verwaltung bekommen. Das war damals nämlich eine riesige Diskussion. Dann natürlich auch mit inkludiert im Regierungsviertel der neue Kulturbezirk mit dem Festspielhaus und dem Landesmuseum und zuletzt die Erweiterung mit dem Kinderkunstlabor. Aber auch das Universitätsklinikum in St. Pölten, das Fachhochschulwesen mit über 5000 Studierenden, das hat schon etwas gemacht. Da ist es dann auch dank der ganzen Landesinvestitionen bergauf gegangen.
Ich habe die Erinnerung, dass wir in Niederösterreich eigentlich ein geringes Selbstwertgefühl hatten. Mit einer eigenen Landeshauptstadt hat sich das geändert.
Johanna Mikl-Leitner
Stadler: Also für mich so in der Erinnerung einer der nächsten Schritte war natürlich zuerst der Wettbewerb rund ums Regierungsviertel, weil das ein spannender Prozess war, selbst als Außenstehender. Ich habe am 1. September 1992 bei der Stadt St. Pölten begonnen, kurz darauf war Spatenstich. Also das war ja da drüben auf der Trabrennbahn das Ereignis, am nächsten Tag waren 14.000 Blasmusiker in der Stadt, das ist ja riesig zelebriert worden.
Und es war wirklich eine Aufbruchstimmung da. Geredet wurde ja viele Jahrzehnte lang darüber. Als man dann gleich begonnen hat und 1996 dann die Landesregierung da war oder 1997 als das Festspielhaus eröffnet hat, das war noch einmal ein beachtlicher Quantensprung. Da wurde neben der Verwaltung mit dem Kulturbezirk ein Akzent gesetzt, um die Stadt jenseits der Landesverwaltung anders zu positionieren. Es war nicht nur zur Eröffnung ein Highlight, sondern man hat eine kontinuierliche Entwicklung eingeleitet. Mittlerweile ist die Landeshauptstadt in allen Facetten Realität.
Ist St. Pölten heute dort, wo man es sich damals erhofft hat?
Mikl-Leitner: Diese Vision, diese Pläne von damals, hat man umgesetzt. Und darauf sind wir natürlich stolz, aber es muss auch mit dem Anspruch verbunden sein, all das auch weiterzuentwickeln. Mit Investitionen in Wissenschaft und Forschung.
Stadler: Das war der Grund, warum ich von verschiedenen Phasen der Hauptstadtentwicklung gesprochen habe. Manchmal ist es einigen zu langsam gegangen, aber jetzt sieht man, wir wachsen einwohnermäßig, wir haben mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze, wir haben mehr als eine Verdreifachung der Betriebe. Die Stadt ist gut positioniert, jetzt geht es an die Hauptstadtregion.
Gab es Entscheidungen in den 40 Jahren, die heute anders getroffen würden?
Mikl-Leitner: Ja, zuletzt die Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt, da haben wir dann das Beste daraus gemacht. Aber ich glaube, dass auch einiges gelungen ist – etwa die Verbindung zwischen dem Zentrum und dem Regierungsviertel, das Kinderkunstlabor oder auch in puncto Verkehrsverbindungen.
Stadler: Da war auch das Thema mit den Wieselbussen, da hat man die Leute erst überzeugen müssen, nach St. Pölten zu kommen. Heute wird zwischen Wien und St. Pölten kräftig gependelt. Wir haben heute viel mehr Einpendler als Auspendler. Ich kann mich noch erinnern, wie die Diskussion war, wie man drei Theater füllen soll. Heute ist das gar kein Thema, wir haben gute Auslastungen.
Wir wachsen einwohnermäßig, wir haben mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze und wir haben mehr als eine Verdreifachung der Betriebe.
Bürgermeister Matthias Stadler
Wenn St. Pölten eine Person wäre – wie würden Sie sie beschreiben?
Stadler: Nachdem es die Stadt ist – also weiblich – als eine flotte junge Dame, die sehr unternehmungslustig ist und sich was traut.
Mikl-Leitner: Als eine starke Pflanze nach unten verwurzelt, schnell wachsend nach oben, die immer offen ist für neue Entwicklungen und Herausforderungen. Auch wenn das jetzt keine Person ist.
Was würden Sie einem Freund in St. Pölten zeigen?
Mikl-Leitner: Ich würde den Kulturbezirk mit Stolz herzeigen, oder den Innenhof des Landesmuseums und auch die Seedose für eine Auszeit empfehlen. St. Pölten ist auf jeden Fall eine Reise wert.
Stadler: Im Sommer den Viehofner See oder auch das Kinderkunstlabor.
Wie oft haben Landeshauptfrau und Bürgermeister Kontakt? Wie verbunden ist man?
Stadler:Es gibt ein sehr entspanntes Verhältnis. Ich glaube, das ist auch unbedingt notwendig. Und das unterscheidet uns von anderen Städten und Bundesländern, weil es nicht überall diese Gesprächsbasis gibt.
Mikl-Leitner:Dieses Miteinander zwischen Land und Stadt ist sehr wichtig. Die Zusammenarbeit hat Wirkung gezeigt.
Was sind die künftigen Herausforderungen?
Stadler:Neben Hauptstadtregion, Arbeitsplätzen und weiterem Wachstum wollen wir uns im Technologie- und Forschungsbereich positionieren.
Mikl-Leitner: Ich wünsche mir, dass St. Pölten als kleine Metropole wahrgenommen wird, die exzellent ist im Bereich Wirtschaft, Wissenschaft und vor allem Gesundheit.
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