Zwei positive Tests auf Kokain! Eine Mama und ihr sechs Wochen alter Bub wurden vom Jugendamt in ein Mutter-Kind-Heim gesteckt. Die „Krone“ sprach mit dem Papa.
Kathi ist 23 Jahre alt, sie hat fünf Fehlgeburten hinter sich und am 22. Mai schlussendlich ihr großes Glück in den Händen: James, 51 Zentimeter groß, 4,39 Kilo schwer. „Wir waren überglücklich. Die Welt war plötzlich in Ordnung“, sagt Kathis Lebensgefährte Matthias. Bis Montag, dem 22. Juni!
Wie berichtet, rief die Familie an diesem Tag die Rettung, weil der Kleine nicht trinken wollte, erbrach. Wieder einmal (siehe Stellungnahme unten). In einem Harntest des Babys in der Klinik Mistelbach (NÖ) wurde Kokain nachgewiesen – der zweite Test, zwei Stunden später, war negativ. Jener der Mutter war vorerst negativ, dann positiv. Somit kam freilich das Jugendamt ins Spiel. Ebenso die Polizei und am Ende die Staatsanwaltschaft.
„Habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt“
Freitagfrüh, 7.15 Uhr, drei Stunden nachdem Kathi und James vom Jugendamt aus dem Familienhaus in Gänserndorf „abgeführt“ (Zitat Oma des Kleinen) wurden, konnten wir mit dem Kindesvater und der Oma sprechen. Matthias ist Buschauffeur und schwört „auf alles, was mir heilig ist, auf das Leben meines Kindes. Ich habe nie etwas mit Drogen zu tun gehabt.“
Seine Mama, selbst Sozialarbeiterin in einem Obdachlosenheim in Wien, kann nicht fassen, was da gerade passiert. Sie weint immer wieder, wenn sie über die vergangenen zwei Wochen spricht. „Ich bin handlungsunfähig, einfach nur machtlos.“ Die zweifache Mutter (die Söhne sind 41 und 27 Jahre alt) legt für ihre Schwiegertochter Kathi die Hand ins Feuer: „Sie raucht nicht, trinkt nicht. Der Kleine ist ihr Ein und Alles. Sogar die Hebamme hat nach dem Kaiserschnitt gesagt, dass sie alles perfekt macht.“
Plötzlich stand das Jugendamt vor der Tür
Doch dann war dieser eine Montag, an dem die 23-jährige Mama mit James nach Wien fuhr. Sie wollte laut Familie eine Babywaage kaufen und „sie wollte üben, mit ihm alleine unterwegs zu sein“, sagt Matthias, „weil ich ja nicht immer dabei sein kann“. Es hatte 38 Grad an diesem Tag.
Wir wurden hier hingestellt wie Schwerverbrecher. Ich bin einfach nur noch handlungsunfähig und komplett machtlos. Und das bin nicht ich als Sozialarbeiterin.
Oma von James
Wieder im Weinviertel angekommen, nahm das Schicksal seinen Lauf, sie fuhren in die Klinik. Und wenige Tage später stand das Jugendamt vor der Tür. „Wir wurden behandelt wie die größten Schwerverbrecher“, so Matthias. „Wir haben alles gemacht, was sie gefordert haben. Ich bin sofort vom alljährlichen Pensionistenausflug nach Hause gefahren“, so die Oma des Babys. Sie, ihr Ehemann, der Papa des Kleinen haben (freiwillig) Drogentests machen lassen. Alle waren negativ.
Die Mutter wurde mit dem Säugling, der von ihr gestillt wird, bereits Mitte Juni aufgrund von Erbrechen und Trinkverweigerung im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf vorstellig. Diese konnte gut behandelt und beide wieder entlassen werden. Wenige Tage später kam die Mutter dann erneut mit dem Säugling mit denselben Symptomen in die Ambulanz der Kinder- und Jugendabteilung. Das Baby wirkte dieses Mal jedoch sehr auffällig müde und schwer erweckbar. Zur weiteren Abklärung wurde daher ein Drogen-Schnelltest beim Kind veranlasst, der positiv auf Kokain ausfiel. Daraufhin wurde einerseits eine Meldung an die Behörde und andererseits ein Schnelltest bei der Mutter gemacht. Dieser fiel negativ aus.
Auf Wunsch der Behörde wurden dann beide asservierten Harnproben – von Mutter und Kind – an ein Referenz-Labor geschickt, wo dann beide zweifelsfrei positiv auf Kokain getestet wurden. Diese Diskrepanz zwischen Schnelltest und einem Test in einem Referenz-Labor kann entstehen. Die genaueren Testmethoden im spezialisierten Labor lassen einen Nachweis jedoch zu. Mittlerweile wurden Mutter und Kind nach behördlicher Zustimmung entlassen. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine solche Vorgangsweise mit Testung und Meldung an die Behörde der Sorge um das Kindeswohl entspringt, zu der wir nicht nur gesetzlich verpflichtet sind. Das Wohl der uns anvertrauten Patientinnen und Patienten steht immer an erster Stelle unserer Bemühungen.
Anwalt Manfred Arbacher-Stöger: „Die Behörde war trotzdem gnadenlos.“ Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes soll gesagt haben: „Wenn Sie Ihren Anwalt nicht zurückpfeifen, nehmen wir Ihnen das Kind weg und Sie sehen es nie wieder.“ Arbacher-Stöger: „Und ja, das hab ich live gehört.“
Fakt ist: Es gibt zwei Labortests, die nachweisen, dass in Kathis und James’ Körper Kokain festgestellt wurde.
Selber Haare ausgerissen
Die beiden sind derzeit in einem Mutter-Kind-Heim in Oberösterreich „untergebracht“. Kathi selbst hat sich am Tag vor dem großen „Showdown“ Haare ausgerissen (siehe Foto) und ihre Familie darum gebeten, einen Drogentest machen zu lassen. Was am Ende dieses Tages bleibt, sind viele offene Fragen und ein Versprechen der Familie: „Wir holen euch wieder nach Hause.“
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