43 Länder hat Otto Petrovic per Rad erkundet – aber um Rekorde geht es dem Grazer nicht. Nur um die Menschen. Der „Krone“ erzählt er von seinen eindrucksvollen Begegnungen.
Gesten wie diese rühren den Grazer tief: Nachdem er zwölf Stunden geradelt war, 4000 Höhenmeter in den Anden überwunden hatte, müde, hungrig und völlig fertig war, gaben ihm Einheimische zu essen. Einen Hühnerflügel und drei Pommes. Es war alles, was sie hatten.
Es ist eine der wertvollen Erkenntnisse, die Otto Petrovic bislang von seinen vielen Reisen mit nach Hause genommen hat: Je ärmer die Menschen sind, desto herzlicher sind sie auch.
Sag’, hast du kein Mitleid mit den Leuten? Wenn die so arm sind? In Slums leben? Diese Fragen hört Otto Petrovic oft, wenn er von seinen Reisen erzählt. Und er hat eine Antwort darauf: Nein. Mitleid hilft keinem weiter. Aber Begegnungen auf Augenhöhe. Mit Respekt. Ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie gesehen, gehört, ernst genommen werden. Und das kann Professor Petrovic. Denn er nimmt jede Mühseligkeit radelnd in Kauf, um zu ihnen zu gelangen. In tiefste Wälder, auf höchste Berge. Dorthin, wo kein Auto mehr fährt. Nur, um die Menschen zu treffen. Um ihre Welt mit ihren Augen zu sehen. Nicht mit seinen eigenen. Nicht als Tourist.
Berechtigung für Klosterbesuch „erstrampelt“
„Staunen“ heißt der prächtige Bildband, die der Grazer Uni-Professor von seinen Fahrten in fünf Kontinenten gerade auf den Markt gebracht hat. Es gibt kein besseres Wort dafür. Man staunt als Leser einfach. Über die gewaltigen Fotos, die viel mehr sagen als Worte und den Betrachter tief „hineinziehen“. Über die Begegnungen des Autors. Seine Geschichten. Seine Geschichte.
Der Grazer Wissenschafter mit der Expertise für Digitalisierung hat viel zu erzählen. Er fuhr mit dem Rad durch Japan – und ihm wurde gedankt, weil er sich bemühte, gut mit Stäbchen zu essen. Er durfte in ein Kloster für Zen-Buddhismus, in das Mönche nur jene einlassen, die sich dafür anstrengen; die viele Kilometer lange, höchst kräftezehrende Anfahrt mit dem Rennrad war ihnen Beweis genug.
Otto Petrovic wohnte bei Einheimischen in den Slums von Kapstadt, dort, wo kein Taxi mehr hinfährt, weil es zu gefährlich ist – er fand Freunde. Der heute 61-Jährige erradelte die höchsten Pässe des Himalaja, war aber auch bei minus 50 Grad am Baikalsee. Er schaute in Palästina in die Läufe entsicherter Maschinengewehre. Traf im Iran die „gastfreundlichsten Menschen, die mir je begegnet sind“ und bekam Schoko von einem Volk am Skutarisee, das als das grausamste der Welt berüchtigt ist.
200 Kilometer täglich bei jedem Wetter
Erschöpft war der frühere, hochdekorierte Leistungssportler (7-mal österreichischer Meister, Rekordhalter in diversen Disziplinen) oft, bis zum völligen Umfallen. Aufgegeben hat er auf seinen Reisen im Ausland nie, auch nicht, wenn er bei ärgsten Wetterumständen täglich 200 Kilometer abspult. Mit acht Kilo Gepäck am Rad, nur einem Extra-Trikot, das er täglich wäscht.
Angst hat er selbst in den wildesten Gegenden nie, nur „vor streunenden Hunden, die ganz schöne Kaliber sein können“ und vor Autofahrern. Die ärgsten seien übrigens in Deutschland – und Österreich. Noch etwas, das uns zu denken gibt.
Er, der früher auf Rekorde aus war, macht es nicht dafür, nicht für den Kick. Ihn treibt die Neugier. Staunen.
Und vielleicht denken wir an seine Geschichte(n), wenn wir das nächste Mal achtlos übrig gebliebene Pommes wegschmeißen.
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