Über die Lautsprecher dröhnte „El Rey“, der König. Auf den immer noch vollen Rängen der mexikanischen WM-Festung „Azteca“ sangen die 80.000 Fans, auf der Prachtstraße Reforma von Mexiko-Stadt feierten rund eine Million Menschen ihre Fußball-Helden nach Mexikos erstem Sieg in einem K.o.-Spiel bei Weltmeisterschaften seit 40 Jahren. „Wir hatten schon große Siege, aber keinen wie diesen“, sagte Trainer Javier Aguirre nach dem 2:0 gegen Ecuador.
Der WM-Mitgastgeber darf nach einem phasenweise berauschenden Auftritt mehr denn je von einem unvergesslichen WM-Sommer träumen. Der vierte Sieg im vierten WM-Spiel und wieder ohne Gegentor: Medienberichten zufolge schlugen sogar Seismografen in der Metropole beim 1:0 von Julian Quinones in der 22. Minute aus. „Wir wollten unsere Familie, unsere Fans und alle Mexikaner, die uns immer unterstützt haben, nicht enttäuschen“, sagte der in Kolumbien geborene Flügelstürmer. Für den Endstand sorgte Raul Jimenez schon nach einer halben Stunde (31.).
Erster K.-o.-Sieg seit 40 Jahren
1986 hatte Mexiko zuletzt ein Alles-oder-Nichts-Spiel gewonnen. Es war am 15. Juni, ebenfalls im Aztekenstadion, Mexiko besiegte Bulgarien 2:0 im Achtelfinale. In der Runde der besten acht war Schluss gegen Deutschland im Elfmeterschießen von Monterrey. Siebenmal in Folge gab es von 1994 bis 2018 danach ein Scheitern im Achtelfinale, vor vier Jahren war schon nach der Gruppenphase Schluss.
Nun wartet im Achtelfinale am Sonntag womöglich mit England ein Schwergewicht des europäischen Fußballs auf die Mexikaner. Die Three Lions treffen im Sechzehntelfinale auf die Demokratische Republik Kongo. Die Erwartungen in Mexiko sind mit dem nächsten Sieg jedenfalls gestiegen. „Y si si?“ – übersetzt „Und was, wenn?“ – hallte es am Dienstag durch das Aztekenstadion. Was, wenn die Reise dieses Mal weiter geht? Womöglich weiter als 1986. Das Viertelfinale müssten die Mexikaner jedenfalls in den USA bestreiten und nicht mehr im Nationalstadion, wo die Auswahl in nun zehn WM-Partien bei acht Siegen noch unbesiegt ist.
„Müssen noch härter arbeiten“
Mexiko ließ sich auch von der einstündigen Verspätung nach einem schweren Gewitter nicht aus dem Konzept bringen. Eine weitere Talentprobe gab der 17-jährige Gilberto Mora im Mittelfeld ab. Bis zum 2:0 war Mexiko klar überlegen, in der zweiten Halbzeit war der Verwaltungsmodus aktiv. Als der Abpfiff ertönte, wollten die Spieler gar nicht vom Platz. Sie genossen jeden Schritt ihrer Ehrenrunde. „Wir müssen noch härter arbeiten, damit die Leute noch glücklicher sind“, meinte Torschütze Quinones. Er fühle sich nun nur glücklich. „Für alles, was wir als Mannschaft erreicht haben. Weil individueller Erfolg ist nebensächlich.“
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