Dreiste Abzocke

Bei dieser Tankstelle kostet Nicht-Tanken 372 Euro

Niederösterreich
30.06.2026 05:00

Wer an dieser Tankstelle in Wöllersdorf-Steinabrückl (Niederösterreich) anhält, durchfährt oder sich auch nur die Spritpreise ansieht, der erhält kurze Zeit später eine Zahlungsaufforderung, die sich gewaschen hat. Die Tankstelle ist mittlerweile geschlossen, durchfahren darf man aber auch weiterhin nicht.

Die kleine Tankstelle in Wöllersdorf-Steinabrückl im Bezirk Wiener Neustadt hat sich nicht nur mit ihren günstigen Preisen einen Namen gemacht. Denn knallhart wird hier jeder sofort zur Kasse gebeten, der die Tankstelle nicht zum Tanken benutzt. Hinweisschilder dazu sind zwar bei der Einfahrt angebracht, aber eher klein und etwas abseits.

Nur für 88 Sekunden angehalten
Darüber weiß auch Jakob P. leidvoll zu berichten – ein kurzer Stopp, um Wasser aus dem Kofferraum zu holen – und zwei Wochen später flatterte er bereits ein Anwaltsbrief herein, in dem 372 Euro gefordert werden. „Ich war exakt eine Minute und 28 Sekunden auf besagtem Gelände“, so Herr P. 

Er habe sich mittlerweile mit der ÖAMTC-Rechtsberatung sowie mit einem Anwalt in Verbindung gesetzt. „Mir wurde ausdrücklich geraten, dieses Schreiben vorerst einfach zu ignorieren und abzuwarten, ob es tatsächlich zu einer Klage kommt“, so Herr P. 

Detailliert wird per Überwachungskameras aufgezeichnet, wer hier tankt und wer etwas anderes ...
Detailliert wird per Überwachungskameras aufgezeichnet, wer hier tankt und wer etwas anderes macht.(Bild: ZVG Privat)

Und auch Anita K. kam hier bereits zum Handkuss, als sie und ihr Mann eine kurze Rast mit ihren Motorrädern einlegten. Beide haben bereits eine zweite Zahlungsaufforderung erhalten – diesmal mit dem Entgegenkommen, sie könnten auch in Raten bezahlen.

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Das Anwaltsschreiben ist auch offensichtlich sehr aggressiv formuliert, damit man auch wirklich schnell zahlt, bevor man sich dies genauer überlegt.

Jakob P., betroffener Autofahrer

„Die Preise sieht man auch von der Straße aus“
Die „Krone“ hat Tankstellenbetreiber Nikoll Bibaj damit konfrontiert: Er rechtfertigt sich damit, dass es ein Privatgrundstück sei. Kurzes Stehenbleiben, Wenden oder Ähnliches sei hier verboten. Nicht mal kurz stehenbleiben, um die Spritpreise zu vergleichen, darf man. „Die Preise sieht man auch von der Straße aus“, so der Betreiber.

Den Vertrag mit der Überwachungsfirma wollte er bereits kündigen. „Doch das geht leider erst mit Ende des Jahres“, so Bibaj.

Im Internet häufen sich ebenfalls die Beschwerden. Kurz anhalten, wenden, Preise vergleichen ...
Im Internet häufen sich ebenfalls die Beschwerden. Kurz anhalten, wenden, Preise vergleichen oder gar ein Fahrerwechsel – alles wird dokumentiert und sofort geahndet.(Bild: Krone KREATIV/ZVG Privat)

In der Wirtschaftskammer weiß man über solche Fälle Bescheid. „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es durchaus Tankstellen gibt, die einen so hohen Leidensdruck haben und sich anders nicht mehr helfen können“, so Michael Steinparzer von der zuständigen Fachgruppe Transport und Verkehr. „Betroffenen kann man empfehlen, sich von VKI, Arbeiterkammer, ÖAMTC oder ARBÖ beraten zu lassen“, heißt es dazu.

(Bild: Doris Seebacher)

Tankstelle ist bereits geschlossen – Durchfahren weiterhin verboten
Bibaj hat die Tankstelle in der Zwischenzeit geschlossen. Warum? „Weil ich nicht mehr will“, erklärt er. Neue Schilder weisen darauf hin. Und auch darauf, dass die Durchfahrt weiterhin verboten ist. Denn der Vertrag mit der Überwachungsfirma, die weiterhin akribisch jeden Einzelnen kontrolliert, läuft jetzt noch bis Ende des Jahres weiter.

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