Betrugsprozess in Graz

Steirer fielen auf „betuchte Schmuckhändler“ rein

Steiermark
29.06.2026 20:30

US-Amerikaner traten als steinreiche Händler von exklusivem Luxus-Schmuck auf und machten mithilfe von Steirern auch hierzulande Geschäfte. Die Ware entpuppte sich allerdings als deutlich unter Wert. Nach einem langwierigen Prozess fielen am Montag die Urteile. 

Er wäre Milliardär, Juwelier in zehnter Generation und vertreibe exklusiven Luxus-Schmuck, den auch Promis wie Schauspielerin Sharon Stone tragen würden – so die Selbstdarstellung eines US-Amerikaners, der mit seinem angeblich ebenfalls steinreichen Geschäftspartner wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs in Graz vor Gericht sitzt. Mit auf der Anklagebank: Ein steirisches Mutter-Sohn-Unternehmer-Gespann, das den Händlern hierzulande Kontakte hergestellt haben bzw. Verkäufe angebahnt haben soll.

Die feilgebotene Ware – angeblich exklusiv designt und produziert – war laut Gutachtern aber nur einen Bruchteil des Preises wert. In Wahrheit oft Ramsch statt Luxus, teils laut Staatsanwaltschaft mit gefälschten Wertgutachten. Es soll verkauft worden sein wie am Basar, ohne Etuis und ohne Rechnungen. 

Fahren Milliardäre Zug?
Beim nunmehrig zehnten Verhandlungstermin stellte Richter Andreas Lenz anhand einer persönlichen Beobachtung erneut den finanziellen Status der Angeklagten infrage: „Ich habe sie kürzlich am Grazer Hauptbahnhof gesehen. Da frage ich mich schon, warum warten angebliche Milliardäre auf vollgestopfte, 40 Grad heiße Züge?“

Darauf kommen ähnlich wenig aufschlussreiche Antworten wie auf Fragen nach ihren Schmuckgeschäften. Der „US-Milliardär“ wird zwischendurch ungehalten: „Ich habe noch nie jemandem was getan, sie sperren uns ein (die beiden saßen in U-Haft, Anm.), erniedrigen uns und schützen diese Kriminellen“. Damit meint er unter anderem steirische Kunden, von denen er das Geld für einen Schmuckverkauf nie bekommen haben will. 

Floss Schwarzgeld in Schmuck?
Auch die Ex-Freundin des mitangeklagten Steirers und Vermittlers bringt als Zeugin wenig Licht ins Dunkel. Sie habe die Männer zwar einige Male bei Partys getroffen und sie hätten versucht, auch ihr Schmuck aufzudrängen, aber ihr damaliger Freund habe Geschäftliches und Privates immer getrennt. Fast: Den Verlobungsring für seine nunmehrige Verflossene bestellte er auch bei den Amerikanern. „Wir haben das Gefühl, dass Sie mehr wissen“, sagt der Richter im Namen des Schöffensenats. Doch die junge Frau im Zeugenstand bleibt zurückhaltend. 

Das langwierige Verfahren nahm am Montagabend nach einem letzten Verhandlungsmarathon ein Ende. Für den Schöffensenat war es äußerst schwierig, mangels Rechnungen und Zeugen die tatsächlichen Geldflüsse nachzuvollziehen. Zudem sei auch den Geschädigten massive Sorglosigkeit zu unterstellen bzw. liegt die Vermutung nahe, dass hier viel Schwarzgeld in Schmuck geflossen ist.

Urteile: Je fünf Monate unbedingte und 25 Monate bedingte Haft für die Amerikaner, sechs Monate Haft und 18 Monate bedingt für den Steirer sowie 15 Monate bedingt für seine Mutter (nicht rechtskräftig).

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