Dämpfer für die FPÖ

„Wir haben keine Totenstille, wir haben ein Plus!“

Steiermark
28.06.2026 19:59

Neben den Kommunisten haben nur die Freiheitlichen bei der Graz-Wahl zugelegt. Und dennoch war das Ergebnis von zwölf Prozent ein Dämpfer. An Spitzenkandidat René Apfelknab will man festhalten, die FPÖ verspricht einen „kantigen Oppositionskurs“. 

Es dauerte lange Minuten, bis der Live-Einstieg des ORF aus der FPÖ-Parteizentrale starten kann. „Ihr könnt ruhig reden, es braucht keine Totenstille“, muntert die Fernsehredakteurin auf. „Wir haben keine Totenstille, wir haben ein Plus“, ruft jemand zustimmend und lautstark aus dem Hintergrund. 

Damit ist das Motto des blauen Wahltags vorgegeben. Ja, die FPÖ hat als einzige Partei neben der KPÖ an diesem Tag ein Plus eingefahren. Doch die in Umfragen in Aussicht gestellten 15 bis 16 Prozent wurden es nicht, sondern nur zwölf Prozent – ein Zuwachs von 1,4 Prozentpunkten. Der Applaus bei der ersten Hochrechnung war verhalten, die vorbereiteten Danke-Schilder und Steiermark-Flaggen wurden kaum gebraucht.

Stadtparteichef nur im Hintergrund
In der ersten Reihe: die Landesräte Stefan Hermann und Claudia Holzer sowie Landtags-Klubobmann Marco Triller. Stadtparteichef und Nationalrat Axel Kassegger hielt sich eher im Hintergrund – ihm wird intern ja vorgeworfen, sich zu wenig um die Stadtpartei zu kümmern. Parteiausschlüsse, antisemitische Chats und Debatten über Kasseggers Wohnsitz haben die letzten Wahlkampfwochen überschattet. 

Die offiziellen Stellungnahmen kommen von Stefan Hermann: „Es ist nicht das, was wir uns gewünscht haben. Aber die Stadtpartei ist nach fünf Jahren (Finanzskandal, Abspaltung des KFG, Anm.) wieder stabilisiert.“ René Apfelknab sei der richtige Spitzenkandidat gewesen, er wird auch den Stadtratsposten übernehmen, betont Hermann. Ideal wären Ressorts wie Sicherheit, Verkehr, aber auch Finanzen. „Wir werden einen kantigen Oppositionskurs fahren.“ Man werde darauf achten, dass es „kein Autofahrer-Bashing“ gibt, und „wir werden aufs Budget schauen“. 

Zitat Icon

Es ist nicht das, was wir uns gewünscht haben. Aber die Stadtpartei ist nach fünf Jahren wieder stabilisiert.

Landesrat Stefan Herman

Der große Wahlerfolg von Elke Kahr löst Kopfschütteln und Verwunderung aus. Hermann: „Ich bin seit 20 Jahren in der Politik: Jeder würde gerne wissen, warum Graz anders ist.“ Das Phänomen KPÖ sei zu akzeptieren. Die blaue Lehren: „Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen. Wir müssen beispielsweise in die Gemeindebauten gehen.“

Kunasek: „Guter Wahlkampf unter herausfordernden Bedingungen“
Leise Erheiterung löst an diesem Nachmittag nur wenig aus. Etwa, als die Sprache auf die NEOS kommt, wo der Ex-Freiheitliche Finanzskandal-Aufdecker Alexis Pascuttini den Einzug in den Gemeinderat verpasst hat.

Landeshauptmann Mario Kunasek, der bei der Formel 1 in Spielberg war, stößt später zur Wahlfeier in der Gösser Bräu. Sein Statement: „Die Freiheitlichen sind jetzt wieder mit voller Schlagkraft auf stadtpolitischer Ebene aktiv. René Apfelknab hat unter herausfordernden Bedingungen einen guten Wahlkampf hingelegt.“

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