Die Volkspartei erreicht in Graz zwar den zweiten Platz, liegt aber weit hinter der KPÖ und schafft keinen Zugewinn. Dass Elke Kahr Koalitionsgespräche mit der ÖVP sucht, würde Ex-Bürgermeister Siegfried Nagl „wundern“.
„Was?“ Entsetzte Mienen in der ÖVP-Landeszentrale am Grazer Karmeliterplatz, als die KPÖ mit klarem Abstand nach der ersten Hochrechnung als Sieger dieser Wahl feststeht. „Das war im Besonderen eine Persönlichkeitswahl in Graz“, sagt Altbürgermeister Siegfried Nagl zur „Krone“. Nagl musste sich 2021 selbst Elke Kahr und ihren Kommunisten nach 18 Jahren an der Macht geschlagen geben.
Was ihn besonders erschreckt: „Die unglaublich niedrige Wahlbeteiligung.“ Immerhin habe die ÖVP aber viel besser abgeschnitten als prognostiziert, meint er. „Parteien in der Mitte haben es zurzeit sehr schwer. Ich gratuliere Kurt Hohensinner.“ Dass Elke Kahr an Koalitionsgesprächen mit der ÖVP interessiert ist, glaubt er weniger: „Es würde mich sehr wundern.“
Geschäftsführer spricht von „hervorragendem Ergebnis“
Die Stimmung am Karmeliterplatz wird nach dem ersten Schock etwas ausgelassener, der zweite Platz scheint akzeptiert zu sein. „Wir können stolz sein, wir haben es in einem urbanen Umfeld als Volkspartei geschafft, auf 25 Prozent zu kommen“, sagt Stadtpartei-Geschäftsführer Markus Huber. Er spricht gar von einem „hervorragenden Ergebnis“. Der Wahltag sei natürlich „strategisch“ von Elke Kahr gewählt worden.
Als Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) später mit Landesrat Karlheinz Kornhäusl und Landesgeschäftsführer Georg Preßler eintrifft, zeigt auch sie sich optimistisch: „Wir haben ganz klar den zweiten Platz erreicht, was uns viele in den Umfragen davor nicht zugetraut haben. Wir haben große Abstände zu allen anderen hinter uns.“ Der Abstand vor der ÖVP, nämlich zur KPÖ, ist nicht Thema. Auch Kornhäusl und Preßler finden, dass Hohensinner auf die richtigen Themen gesetzt habe. „Das ist die Wirtschaft, der Verkehr und die Sicherheit. Kurt Hohensinner hat trotz schwierigen Trends das Ergebnis toll gehalten“, sagt Kornhäusl.
Das mittel- und langfristige Ziel muss das Bürgermeisteramt sein!
Kurt Hohensinner
Tobender Applaus für Hohensinner
Als der Spitzenkandidat selbst gegen 19.15 Uhr am Karmeliterplatz eintrifft, wird er unter tobendem Applaus empfangen wie ein Sieger. Kornhäusl und Khom herzen ihn, dort wird eine Hand eingeschlagen, da ein Bussi links und Bussi rechts gegeben, hier ein Parteifreund umarmt. Hohensinner selbst bedankt sich – und bleibt weiter im Wahlkampfmodus: „Das mittel- und langfristige Ziel muss das Bürgermeisteramt sein! Wer mich kennt, weiß, dass ich noch einen Marathon laufen möchte. Die Hälfte habe ich schon geschaffen“, zieht er Parallelen zu diesem Wahlkampf.
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