WM-Zwischenbilanz

Arnautovic, Iran & Messi: Tops, Flops und Aufreger

Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Die Gruppenphase der WM ist mit dem dramatischen 3:3 des ÖFB-Teams gegen Algerien am Sonntag zu Ende gegangen. Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Was hat für Gesprächsstoff gesorgt? Was waren bisher die Tops und was die Flops?

Tops:

  • Top-Stürmer: Die Superstars mit Torauftrag kannten in der Vorrunde des XXL-Turniers keine Ladehemmung. Überstrahlt von Lionel Messi (6 Tore) polierten auch Kylian Mbappe, Erling Haaland, Harry Kane, Ousmane Dembele und Vinicius Junior (alle 4) ihr WM-Torkonto auf. Cristiano Ronaldo hat mittlerweile ebenfalls – mit einem Doppelpack gegen Usbekistan – angeschrieben.
  • Lionel Messi: Der argentinische Superstar ist und bleibt auch im stolzen Fußballeralter ein Phänomen. „Er ist der beste Spieler, den es jemals gegeben hat. Das hat er wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt“, sagte Österreichs Teamchef Ralf Rangnick nach der Gala des 39-Jährigen gegen das ÖFB-Team.
  • WM-Gastgeber: Die Gastgebernationen nutzen ihren Heimvorteil. Die USA, Mexiko und Kanada schafften allesamt den Sprung in die K.o.-Phase. Der weitere Turnier-Weg lässt die Ausrichternationen von einem längeren WM-Aufenthalt träumen.
  • Die Fans: Rudernde Norweger, biertrinkende Schotten, die ganz Boston verzückten und Südamerikaner, die die Stadien füllen: Aller Kritik zum Trotz ist auch diese WM ein Event des kulturellen Austauschs. Die Stimmung passt auch auf den Rängen: Trotz Kritik an der Ticket-Politik der FIFA waren die Stadien in der Vorrunde gut ausgelastet. Auch das Rundherum ging friedlich vonstatten.
  • ÖFB-Legende: Marko Arnautovic hat seinen Rekord-Status im österreichischen Fußball zementiert. Mit seinen 37 Jahren wurde er der älteste ÖFB-Spieler, der jemals bei einer WM auflief. Viel wichtiger aber: Österreichs Rekordschütze ist nun auch der älteste ÖFB-Torschütze bei einer WM. Mit dem gegen Jordanien versenkten Elfer zum 3:1 löste er Toni Polster ab, gegen Algerien gelang ihm das wichtige 1:0.
  • Afrika: Als größter Gewinner der WM-Aufstockung von 32 auf 48 Nationen kristallisierte sich Afrika heraus. Ihre zehn statt vormals fünf Startplätze wussten die Teams zu nutzen – gleich neun erreichten die K.o.-Phase. Debütant Kap Verde sorgte für mehr als eine Überraschung.
  • Underdogs: Kap Verdes 40-jähriger Schlussmann Vozinha wurde beim 0:0 gegen Spanien zum Gesicht für Underdogs, die Paroli bieten konnten – und im Falle der Kapverden sogar sensationell die Gruppenphase überstanden. Vozinhas Tormann-Kollege Eloy Room aus Curacao stellte beim historischen ersten WM-Punktgewinn des Landes – ein 0:0 gegen Ecuador – sogar einen Paraden-Rekord auf.
Christoph Baumgartner ist in vorübergehend neuer Funktion Teil des ÖFB-Teams.
Christoph Baumgartner ist in vorübergehend neuer Funktion Teil des ÖFB-Teams.(Bild: Sepp Pail)
  • Christoph Baumgartner: Obwohl der große WM-Traum für den ÖFB-Schlüsselspieler wegen einer Oberschenkelverletzung jäh platzte, ließ sich Baumgartner den WM-Trip nicht entgehen. Als „Motivator“ und „Bindeglied“ zwischen Trainerteam und Spielern ist der 26-Jährige nun beim Turnier dabei – und drückt seinen Kollegen als „größter Fan“ die Daumen.

Flops:

  • Modus ohne Konsequenzen: Einige Top-Nationen gerieten in der Vorrunde ins Straucheln, um letztlich doch alle ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Nur 16 der insgesamt 48 Teilnehmer schieden aus. Der neue Modus ging wie erwartet zulasten der Spannung.
  • Umgang mit Irans Team: Wenig überraschend, dass die Nationalmannschaft des Iran angesichts der politischen Lage mit erschwerten Bedingungen klarkommen musste. Der Umgang mit der Auswahl war aber kein Ruhmesblatt für sportliche Fairness. Das Team musste wegen Einreisebeschränkungen für jedes Spiel aus dem WM-Quartier im mexikanischen Tijuana in die USA einreisen und durfte nur für kurze Zeit vor und nach den Spielen in den USA bleiben. Irans Kapitän Mehdi Taremi sprach von einer „Katastrophen-Weltmeisterschaft“.
  • Türkei: Mit großen Ambitionen waren die Türken zu ihrer ersten WM seit 2002 gereist. Es wurde ein Fiasko. Nach zwei Niederlagen gegen Australien und Paraguay nahm das Turnier für Arda Güler, Hakan Calhanoglu und Kollegen ein jähes Ende.
  • Asien: Von den neun Teams des größten Kontinents schafften es nur Japan und Australien aus der Gruppenphase.

Gesprächsstoff:

  • Hydration Break: Könnte das Unwort der WM werden. Unter Pfiffen und Buhrufen der Fans gibt es für die Spieler zwei zusätzliche Pausen pro Partie. Die offizielle Begründung: Es soll für das Wohlbefinden der Spieler während der WM gesorgt werden. Hinter der Pause stehen aber wohl auch kommerzielle Interessen. Schließlich werden während jeder Spielunterbrechung im TV Werbungen geschaltet. Die Meinungen der Protagonisten über die Kunstpause sind gespalten.
  • VAR: Es mag einer gewissen österreichischen Perspektive geschuldet sein: Nicht zuletzt Ralf Rangnick kritisierte den Video-Assistenten (VAR) für einen uneinheitlichen Einsatz, weil sich Österreich bei der 0:2-Niederlage gegen Argentinien benachteiligt sah. Rangnick äußerte den „unguten Verdacht“, dass sich der VAR gegen größere Nationen weniger einzuschreiten traue.
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