Franz Markart, scheidender Ausbildungsleiter der Tiroler Alpinpolizei und jahrelanger Flugretter, schlägt Alarm: Viele Wanderer und Bergsteiger würden ohne „Plan B“ für Notfälle in die Berge aufbrechen nach dem Motto: „Wenn ich nicht weiter komme, werden sie mich schon holen.“
Der heute 61-Jährige erinnert sich im „Krone“-Gespräch noch gut an den 20. Mai 1985: „Da habe ich bei der Gendarmerie begonnen.“ Schon damals hatte er mittelfristig den Alpindienst im Hinterkopf.
Seit 2018 Landesausbildungsleiter
Der Seefelder durchlief die diversen Ausbildungen, machte Dienst am Posten in Axams und in Seefeld. Er wurde Polizei- und Zivilbergführer. Der Aufstieg verlief nicht nur auf den Bergen rasant. 2006 übernahm Markart die Leitung der Alpinen Einsatzgruppe Innsbruck, seit 2018 war er Landesausbildungsleiter der Alpinpolizei.
Einmal saß einer in einem Schneefeld und kam nicht weiter. Wir holten ihn mit dem Hubschrauber. Er beklagte sich, dass das Schneefeld in keinem Führer stand ...
Franz Markart
„Wir haben im Land rund 150 Alpinpolizisten, jedes Jahr werden etwa 25 neue ausgebildet“, schildert der Seefelder. Unfallerhebungen zählen zu den Hauptaufgaben der „Truppe“. „Herauszufinden, wie sich etwa ein tödliches Unglück ereignet hat, stellt eine sehr spannende Aufgabe dar“, so Markart.
Tote Kletterer in der Wand
Er erinnert sich dabei an einen ganz außergewöhnlichen Fall im Wettersteingebirge. „Wir hatten zwei tote Kletterer. Einer hing oben in der Wand, einer war tot unten am Stand.“ Wie die Ermittlungen ergaben, war ein Stein ausgebrochen – mit fatalen Folgen.
Sehr prägender Einsatz
Es handelte sich dabei auch um einen der ersten Einsätze des Seefelders als „Flight Operator“ am Polizeihubschrauber Libelle Tirol, deren Crew er seit 1998 angehörte. Er musste die Leichen bergen – ein sehr prägender Einsatz.
Ich habe im Laufe der Jahre sehr viele Tote geborgen. Ein Psychologe würde da wohl Aufarbeitungsbedarf sehen.
Franz Markart
Mit der Libelle Tirol hat er in den vergangenen fast 30 Jahren unzählige Unverletzte geborgen, die – oft aus Selbstüberschätzung – nicht mehr weiter kamen. „Leider nimmt die Vollkaskomentalität am Berg stark zu. Die Leute denken sich: Wenn ich nicht mehr weiterkomme, rufe ich halt den Hubschrauber.“ Einen „Plan B“ hätten viele nicht, „dieser muss aber sein“.
Grobe Fahrlässigkeit durch Fahrlässigkeit ersetzen
Eine Rechnung für den teuren Flugeinsatz gibt es nur bei grober Fahrlässigkeit. Markart meint, schon reine Fahrlässigkeit sollte reichen, um die Geborgenen zur Kasse bitten zu können. Die privaten Hubschrauber würden das ja auch tun. Das Gesetz sieht es aber nicht vor.
Ab 1. Juli ist er als Pensionist nur noch in Zivil auf den Bergen anzutreffen – und mehr daheim. Denn rund 140 Kurstage im Jahr fallen weg.
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