Rothwangl in Krieglach

Junge Bäckerei-Chefin setzt auf echtes Handwerk

Steiermark
27.06.2026 15:00

Die Bäckerei Rothwangl in Krieglach ist 90 Jahre alt. Vor zwei Jahren hat Katharina Prattes das Geschäft von ihrem Vater übernommen und setzt nach wie vor auf traditionelles Handwerk – im wahrsten Sinne des Worts. 

Bäckerei-Unternehmerin in fünfter Generation – das hört sich nach geradliniger Familienabfolge an. Das war bei Katharina Prattes aber nicht ganz der Fall. Die dynamische Anfangsvierzigerin hat 22 Jahre in anderen Berufssparten verbracht: Automobil, IT, Soziales. „Mein Weg war eine Suche. Ich habe viele spannende Dinge gesehen, war privat auf jedem Kontinent. Schließlich war ich unglücklich in der Arbeit, und der Papa hat gesagt: ,Jetzt geht er fix in Pension.‘ Da habe ich mir gedacht: ,Ich probier‘s!‘“, so die Bäckerei-Chefin.

Vor Kurzem organisierte Prattes das Grätzelfest in Krieglach mit – zum „Krone“-Gespräch kann sie sich nur einen Termin ganz in der Früh freischaufeln, denn sehr viel Arbeitet wartet. Um 7.30 Uhr kommt ein Kunde nach dem anderen in die Bäckerei. Kaffees, kühle Getränke, Mehlspeisen und Gebäck werden mitgenommen oder im Lokal bestellt.

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 Schließlich war ich unglücklich in der Arbeit, und der Papa hat gesagt: Jetzt geht er fix in Pension. Da habe ich mir gedacht: Ich probier‘s!“

Katharina Prattes

Keine Semmelstraße, sondern noch echtes Handwerk
Prattes: „Die Familie hat über Generationen drei verschiedene, alte Gebäude zusammengeschlossen und zu dieser Bäckerei gemacht.“ Auch sonst schätzt die Chefin die „wirklich sehr guten Entscheidungen“ von Großvater und Vater. Viele ältere Maschinen bewähren sich nach wie vor, das trägt wesentlich dazu bei, „das Handwerk aufrechtzuhalten. Heutzutage hat jeder, der modernisiert, eine Semmelstraße – und die bedeutet, dass die Semmel im Produktionsprozess kaum mehr oder gar keine Hand mehr mitbekommt.“

In der Bäckerei Rothwangl arbeitet man „nach wie vor mit den Rezepten vom Opa: wenig Zutaten, viel Geschmack! Salz, Wasser, Mehl und die richtige Teigführung, dazu Erfahrung beim Ausbacken und bei der Teigreife. Das ist ganz viel Gefühlssache und daher jeden Tag anders: Je nach Wetter und Luftdruck, je nachdem, welcher Kollege Dienst hat. Erfahrung ist das Wesentliche, deswegen ist es Handwerk!“

Aktuell hat Prattes 22 Mitarbeiter, damit deutlich mehr als zum Zeitpunkt der Übernahme im August 2024. Auch Vater Michael arbeitet noch geringfügig mit, die Verkaufsfahrer wurden auf vier verdoppelt. „Wir beliefern die Schulen, die Kinderkrippe, das Pflegeheim, wir machen privaten Verkauf und beliefern Gastronomie, Hotellerie, Industrie sowie die Nahversorger.“

„Unsere Bäckerei ist ein solidarischer Ort“
Sieht sich Prattes auch als Gastronomin? „Mir ist wichtig, dass wir ein sozialer Ort sind, wo viele verschiedene Menschen kommen können und eine gute Zeit miteinander haben. Es ist ein schöner Ort, um unter und mit Menschen zu sein.“

Typisch für Backstuben sind die frühen Arbeitszeiten: „Einmal stehe ich um 1.20 Uhr auf, an einem anderen Tag um 4.20 Uhr. Meine Tage sind lang. Als Ausgleich mache ich intensiv und regelmäßig Meditation.“ Extra-Sport ist nicht notwendig, „durch die Backstube spart man sich das Fitness-Studio“. Wenn das Team im Sommer drei Wochen auf Urlaub ist, wird sich Prattes lediglich fünf Tage Wandern am Ötscher gönnen. Der Rest-„Urlaub“ wird für Sanierungen und Wartungen draufgehen.

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