Belgien blieb auch im zweiten WM-Gruppenspiel sieglos und muss nun sogar um den Aufstieg in die K.o.-Runde zittern. Die „Roten Teufel“, die über 25 Minuten in Unterzahl agieren mussten, kamen in Los Angeles trotz langer Feldüberlegenheit nicht über ein 0:0 gegen den Iran hinaus.
Der Iran (Team Melli“) brachte damit erstmals die ersten beiden WM-Partien ohne Niederlage hinter sich. Das erste Gruppenspiel hatten beide Teams jeweils schon mit einem Remis beendet.
Pfiffe bei Iran-Hymne und politische Botschaften
Aufregung gab es bereits vor dem Anpfiff: Während des Abspielens der Iran-Nationalhymne gab es Pfiffe von den Rängen. Ob von Amerikanern oder oppositionellen Exil-Iranern, konnte nicht festgestellt werden. Auch ein politisches Transparent war auf den Rängen zu sehen. Der Iran hatte sich vor Turnierstart vorbehalten, seine Spiele bei politischen Botschaften auf den Rängen abzubrechen.
Rot-Alarm um Lukaku
Im Spiel selbst gab es bereits in der dritten Minute den ersten großen Aufreger. Belgiens Stürmertank Romelu Lukaku rauschte mit seinen rund 100 Kilogramm in den Fünfmeter-Raum, Irans Goalie Alireza Beirandvand kam aus seinem Tor und bekam das ausgestreckte Bein des Belgiers zu spüren. Mit voller Wucht erwischte ihn Lukaku an der Brust. Irans Keeper sank zu Boden und wand sich vor Schmerzen. Doch Lukaku sah von Schiedsrichter Dario Herrera aus Argentinien nur die Gelbe Karte.
Ungeachtet dessen kam Belgien gut in die Partie und setzte die iranische Fünferkette mit flüssigen Kombinationen, Geschwindigkeit und Flanken unter Druck. Kevin De Bruyne, Maxim De Cuyper und Lukaku hatten bei den ersten Abschlüssen kein Glück. Kapitän Youri Tielemans (22.) scheiterte mit einem Schuss auf das kurze Eck an Beiranvand. Kurz darauf traf Iran-Goalgetter Taremi mittels Freistoßtrick zum vermeintlichen 1:0 für den Außenseiter, stand dabei jedoch knapp im Abseits.
Brotlose Kunst aus Belgien
Die Belgier beschlagnahmten weiter den Ball, waren aber in der gefährlichen Zone vor dem Tor nicht zwingend. Auch De Cuyper (44.) fand aus spitzem Winkel in Beiranvand seinen Meister, Alexis Saelemaekers (50.) traf nur das Außennetz. Die bis dahin beste Chance versemmelte De Cuyper in der 59. Minute kurz vor der Torlinie. Der Iran kam fast nicht zum Atmen und hielt mit zunehmender Härte dagegen. Bei ihren seltenen Gegenstößen war die Nummer 22 des FIFA-Rankings jedoch hellwach, so wie etwa in der 53. Minute: Thibaut Courtois wehrte spektakulär einen Taremi-Volley ab.
Belgien ab Minute 66 in Unterzahl
In der 66. Minute wurde Belgiens Innenverteidiger Nathan Ngoy wegen einer Notbremse gegen Mehdi Taremi vom Platz gestellt. Mit einem Mann mehr brachten die Iraner das Ergebnis anschließend über die Zeit.
Courtois hielt einen Ezatolahi-Distanzschuss (81.) im Nachfassen fest, De Cuyper (86.) fand erneut in Beiranvand seinen Meister. Schließlich flog noch ein Schlenzer des eingewechselten Dodi Lukebakio in der Nachspielzeit knapp daneben.

Für Belgien, das nun bereits 15 Spiele in Serie ungeschlagen ist, geht es am letzten Spieltag der Gruppenphase am kommenden Freitag (Samstag, 5 MESZ) gegen Neuseeland. Der Iran muss zeitgleich gegen Ägypten bestehen.
Iran-Elf schrieb WM-Geschichte
Bei dieser Partie handelte es sich übrigens um eine Premiere. Noch nie zuvor hatte es ein Länderspiel zwischen den „Roten Teufeln“ und „Team Melli“ gegeben, weder ein offizielles Pflichtspiel noch ein Testspiel. Und: Gegen Belgien setzte der Iran auf die älteste Startformation, die es seit Beginn der Aufzeichnung von 1966 bei einer WM gegeben hatte. Die erste Elf von Trainer Amir Ghalenoei kam auf ein Durchschnittsalter von 32 Jahren und 181 Tagen.
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