Badezentrum droht Aus

Gefahr im Verzug: Becken muss gesperrt werden

Oberösterreich
18.06.2026 13:00

Vor wenigen Tagen war das Badezentrum am Oedtersee noch Bühne für das Landesfinale des Pinguin Cups, dem größten Schwimmbewerb für Volksschulen in Oberösterreich. Hunderte Kinder kämpften um Medaillen, Schulen feierten Erfolge im Wasser. Jetzt folgt die ernüchternde Nachricht: Das Lehrschwimmbecken muss mit sofortiger Wirkung gesperrt werden. 

Die Nachricht trifft Schulen, Vereine und Familien in der Region hart. Mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche nutzen das Badezentrum jährlich für den Schwimmunterricht. Allein 243 Volksschulklassen sind auf die Infrastruktur angewiesen. Fällt das Angebot weg, drohen massive Engpässe beim Schwimmenlernen.

Statik litt stärker als erwartet
Grund für die sofortige Sperre des Lehrschwimmbeckens sind massive Schäden an der Tragstruktur. Laut Gutachten haben Wasser- und Chloreinlagerungen den Beton über Jahrzehnte angegriffen. Die Statik des mehr als 50 Jahre alten Gebäudes hat sich zuletzt deutlich schneller verschlechtert als erwartet. „Sicherheit ist nicht verhandelbar. Es geht um die Menschen in unserer Stadt und ich werde kein Risiko eingehen“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Koll. Das Lehrschwimmbecken werde deshalb mit sofortiger Wirkung außer Betrieb genommen.

Seit 2014 flossen 6,3 Millionen Euro
Das Badezentrum wurde 1975 eröffnet und zuletzt rund um die Jahrtausendwende generalsaniert. Seit 2014 flossen weitere 6,3 Millionen Euro in Erhaltungs- und Instandhaltungsmaßnahmen. Allein in Kolls Amtszeit wurden rund 1,6 Millionen Euro investiert. Dennoch verschlechterte sich der bauliche Zustand zuletzt rasant.

VP-Stadtchef Karl-Heinz Koll (o.) will für den Juli einen Sonder-Gemeinderat einberufen.
VP-Stadtchef Karl-Heinz Koll (o.) will für den Juli einen Sonder-Gemeinderat einberufen.(Bild: elephants5)

Schäden haben sich zuletzt dramatisch verschärft
Die technischen Ursachen sind vielschichtig: Fehlende Abdichtungen gegen aufsteigende Feuchtigkeit sowie über Jahrzehnte in den Beton eingedrungenes Chlorwasser haben die Stahlbewehrung angegriffen. Durch Korrosion dehnt sich der Stahl aus, der Beton reißt und bricht in größeren Stücken ab. „Das hat sich in den vergangenen Monaten exponentiell verschlechtert“, erklärte ein beteiligter Statiker bei der Präsentation des Gutachtens. Die Kontrollen wurden deshalb bereits von monatlichen auf wöchentliche Überprüfungen ausgeweitet.

„Auch beim Hauptbecken kann es jederzeit soweit sein“
Noch kann das große Sportbecken weiterbetrieben werden – allerdings nur unter strengen Auflagen und laufenden Kontrollen. Wie lange genau, kann derzeit niemand garantieren. „Es könnte jederzeit sein, dass auch das Hauptbecken aus statischen Gründen gesperrt werden muss“, räumte Koll ein. Für den Bürgermeister ist klar: Eine weitere Sanierung komme nicht mehr infrage. „Eine Sanierung wäre in diesem Fall nur ein Aufschub, aber keine Antwort für die Zukunft“, sagt Koll. „Ich will nicht zuschauen, wie wir am Ende wieder nur einen teuren Fleckerlteppich haben. Wir brauchen eine langfristige Lösung.“

Eine erste Vision für ein neues Familien-, Freizeit- und Gesundheitszentrum am Oedtersee hat ...
Eine erste Vision für ein neues Familien-, Freizeit- und Gesundheitszentrum am Oedtersee hat Trauns Bürgermeister bereits ausgearbeitet und dieses soll nun gemeinsam mit allen Beteiligten weiterentwickelt werden.(Bild: Singer ZT GmbH)

Familien-, Sport- und Gesundheitszentrum geplant
Die Stadt arbeitet deshalb bereits seit 2025 an Plänen für ein neues Familien-, Sport- und Gesundheitszentrum am Oedtersee. Das Projekt soll neben einem Hallenbad auch Angebote wie Physiotherapie, Sportmedizin, Sauna und ärztliche Versorgung umfassen. Geplant ist ausdrücklich kein Erlebnisbad, sondern ein regionales Zentrum für Schwimmausbildung, Sport und Gesundheitsvorsorge.

Kosten liegen bei rund 25 Millionen Euro
Die geschätzten Kosten liegen laut Koll bei rund 25 Millionen Euro. Die Stadt hofft auf eine Förderquote des Landes Oberösterreich von bis zu 70 Prozent. Gespräche mit umliegenden Gemeinden über eine Beteiligung laufen bereits. Das neue Bad soll als Bezirksprojekt für rund 150.000 Menschen konzipiert werden.

Vereine und Schulen brauchen rasch Klarheit
Besonders groß ist die Unsicherheit bei Schulen und Vereinen. Alternative Wasserflächen in der Region sind rar, freie Kapazitäten in umliegenden Bädern kaum vorhanden. Auch mögliche Übergangslösungen – etwa eine temporäre Überdachung des Freibads – werden geprüft, gelten aber als teuer und technisch aufwendig. Noch im Juli soll der Gemeinderat über das weitere Vorgehen beraten. Über den Sommer sind zusätzliche Sondersitzungen und Informationsveranstaltungen geplant. Ziel ist es, die Planungen für den Neubau zu beschleunigen und gleichzeitig Lösungen für die Übergangszeit zu finden.

„Es darf nicht passieren, dass Kindern am Ende die Möglichkeit fehlt, ordentlich schwimmen zu lernen“, betont Koll. „Genau deshalb braucht Traun eine Perspektive, die über die nächste Saison hinausgeht.“

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