Glücklicherweise sind die Familienjuwelen im Tresor so gut gesichert, dass der Pavian sich daran die Zähne ausbeißt und uns dadurch ein wenig mehr Zeit verschafft. Zeit, um ein perfektes Team für den perfekten Coup zusammenzustellen. Auf der Suche nach den Einbruchs-Spezialisten geht es dann – wie bei Danny Ocean – rund um die Welt. Bereits an unserer Seite: Bentley, eine gehbehinderte Schildkröte mit High-Tech-Rollstuhl.
Auf der Suche nach ihrem alten Bekannten Murray, einem Nilpferd, verschlägt es Sly und Bentley nach Venedig. In einer speziellen Trainingskammer kann der Spieler sich mit den Fähigkeiten der beiden Figuren vertraut machen. Sly entpuppt sich dabei als echter Artist, der nicht nur hüpfen, an Trapezen schwingen oder auf Seilen balancieren kann, auch Kletterwände, schmale Felsvorsprünge oder niedrige Durchgänge stellen für ihn kein Problem dar. Zudem kann Sly auch zuschlagen, Gegner mit einem Fernglas observieren, fotografieren oder um ihre Brieftasche erleichtern. Kurzum: ein pelziger Sam Fisher.
Doch auch Bentley ist nicht ohne. Mit seinem Rollstuhl kann er zwar nur begrenzt springen, dafür verschießt die Schildkröte Betäubungspfeile und legt kleine Bomben, um Gegner aus dem Weg zu räumen. Taschendiebstahl beherrscht Bentley ebenso. Mit dem ergaunerten Geld lassen sich dann praktische Extras, wie z.B. Rauchbomben, und neue Moves kaufen, die dann mit Sly oder Bentley eingesetzt werden können. Der Spieler spielt nämlich, und das ist das spannende an "Sly3", sowohl mit dem Waschbären als auch der Kröte. Da nach der Rekrutierung noch weitere spielbare Diebe hinzukommen, gestaltet sich das Spiel erfrischend abwechslungsreich.
Bevor die Diebe ihren Murray jedoch zurückgewinnen können, müssen sie sich erst einmal um den Don kümmern. Dieser hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Phantom dem Oper und hat mit seinen fiesen Machenschaften Venedig fest im Griff. Sly macht sich also auf den Weg, um ein paar Beweisfotos gegen den Don zu machen. Der Waschbär muss dem Gangster dabei immer dicht auf den Fersen bleiben, ohne jedoch von den umherstreifenden Wachen erwischt zu werden. Gott sei Dank gibt es noch den Weg über die Dächer. Ist das erledigt, dann geht es in einer rasanten Verfolgungsjagd zu Wasser über die Kanäle Venedigs.
Doch auch Köpfchen ist in den weitläufigen und offenen Leveln gefragt. Beispielsweise dann, wenn Bentley mit einer Lupe in einem Gemälde einen versteckten Zahlen-Code ausfindig machen muss oder wenn Sly sich als gegnerische Wache tarnt und im entscheidenden Moment per Tastendruck das richtige Passwort wissen muss, um an den Feinden vorbeizukommen. Diese Mini-Spiele sind nicht immer beim ersten Versuch lösbar, gestalten sich aber nie unfair und sorgen so für eine entsprechende Langezeitmotivation.
In punkto Grafik weiß "Sly3" absolut zu überzeugen, was in erster Linie auf den tollen Comic-Stil zurückzuführen ist. Ebenso der Sound, der auf die Bewegungen der Figuren maßgeschneidert wurde und daher das Geschehen, zum Beispiel das Anschleichen auf Fußspitzen, perfekt untermalt. Auch bei der Steuerung wurde nichts falsch gemacht. Denn trotz der vielfältigen Bewegungsarten bleibt die Steuerung erstaunlich einfach. Fur zusätzlichen Spaß sorgt eine dem Spiel beigelegte 3D-Brille, welche in bestimmten Spiel-Sequenzen zum Einsatz kommt.
Fazit: Liebevolle und witzige Charaktere, anspruchsvolle Anschleich-Action, feinste Jump'n'Run-Kost und auflockernde Mini-Games sorgen sowohl bei Einsteigern als auch Profis für viele fesselnde Stunden vor der Playstation.
Plattform: PS2
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 87%
von Sebastian Räuchle
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