Der eine betreibt ein privates Museum mit eindrucksvoller Handwerkskunst, der andere hat eine einzigartige Sammlung österreichischer Nachkriegskunst. Nun machen Hanns Schell und Theodor Poppmeier für die Schau „Schlüssel zur Kunst“ in Graz erstmals gemeinsame Sache.
„Die einzige gesunde Krankheit, die man nie heilen kann, ist das Sammeln“, sagt Hanns Schell. Der heute 88-Jährige hat sich mit rund 12.000 Objekten eine weltweit einzigartige Sammlung an Schlüsseln, Schlössern, Truhen und anderem beeindruckenden Kunsthandwerk angeeignet.
Mit ähnlich großer Leidenschaft hat Theodor Poppmeier, heute 92-jähriger Mitgründer der Spar AG, eine beeindruckende Sammlung moderner Kunst – vor allem des Wiener Aktionismus – zusammengetragen. „Ein Großteil der Sammlung widmet sich den 1960er-Jahren, weil da hat sich in der Kunst was getan“, sagt Poppmeier, der unter anderem die größte Privatsammlung der Werke von Günter Brus besitzt.
Der einzige Unterschied der beiden Sammler: Während Schell seine Sammlung der Öffentlichkeit schon lange in seinem privaten Museum in Graz zugänglich macht, sind viele Werke aus der Sammlung Poppmeier nur selten öffentlich zu sehen. In einer einzigartigen Kollaboration soll sich das nun ändern. Mit der Ausstellung „Schlüssel zur Kunst“ in Schells Schloss- und Schlüsselmuseum treffen die beiden Sammlungen nun nämlich aufeinander.
„Die Idee dieser Ausstellung ist es, Dialoge zwischen diesen unterschiedlichen Werken herzustellen, zwischen klassischem Kunsthandwerk, bei dem oft die Traditionen im Vordergrund stehen, und avantgardistischer Kunst, die eben diese Traditionen ja oft bricht“, sagt Kurator Roman Grabner.
So treffen etwa kunstvoll geschmiedete Grabkreuze auf „Das letzte Abendmahl“ von Hermann Nitsch, eiserne Keuschheitsgürtel auf provokativ-explizite Werke von Günter Brus und eine gusseiserne Büste von Kaiserin Sisi auf das Bild „Freundinnen“ von Maria Lassnig. Grabner findet spannende Brücken zwischen diesen eigentlich sehr unterschiedlichen Privatsammlungen, die sich durch die von ihm inszenierten Dialoge auch gegenseitig bereichern.
Das Resultat ist eine Ausstellung, die nicht nur die große und lebenslange Leidenschaft zweier steirischer Sammler zeigt, sondern auch belegt, wie zeitlos Kunst und Kunsthandwerk letztlich sind. Zu sehen ist „Schlüssel zur Kunst“ bis 3. Oktober in der Schell Collection in Graz.
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