Stiftswald Rein

So geht es nach dem großen Waldbrand weiter

Steiermark
05.06.2026 05:00

In Eisbach-Rein wird nach dem verheerenden Waldbrand das volle Schadensausmaß deutlich. Das Aufforsten wird zu einer Herkulesaufgabe. Ein „Krone“-Lokalaugenschein. 

Am verbrannten, schwarzen Waldboden zeugen erste zarte Pflänzchen vom Neuanfang. Gut drei Wochen nach dem riesigen Waldbrand im Bereich des Mühlbachkogels in Eisbach-Rein nördlich von Graz liegt noch immer Brandgeruch in der Luft. Von angekohlten Bäumen schält sich die Rinde, von anderen sind nur noch schwarze Stipfel übrig. „Die werden wohl nicht überleben“, sagt Florian Soritz, Förster des Stifts Rein, und zeigt auf vom Feuer gezeichnete Buchen.

Nächster Rückschlag nach Sturm „Paula“
17 Tage lang hat das Feuer im Stiftswald gewütet, rund 70 Hektar wurden zerstört. Besonders bitter: „Zwei Drittel davon waren fünf bis zehn Meter hohe Jungbestände, die nach dem Windwurf durch Sturm ,Paula’ im Jahr 2008 aufgeforstet wurden“, sagt Soritz. Ein herber Rückschlag, sowohl für die Natur als auch für den Forstbetrieb des Zisterzienserstifts.

Diese Buchen sind vom Feuer stark gezeichnet und werden wohl auch nicht mehr verwertbar sein.
Diese Buchen sind vom Feuer stark gezeichnet und werden wohl auch nicht mehr verwertbar sein.(Bild: Jürgen Radspieler)

Für Förster Florian Soritz und Wirtschaftsdirektor Prior Martin Höfler bedeutet das eine Menge Arbeit: Nach einer intensiven Bestandsaufnahme gilt es nun, Schadholz abzutransportieren und die Wiederaufforstung zu planen. „Das ist der erste Bestand, wo wir jetzt anfangen, das Schadholz herauszunehmen. Hier stehen sehr viele Fichten, da ist das Borkenkäfer-Risiko groß“, erklärt der Förster und zeigt auf einen extrem steilen Abhang. Der Abtransport ist hier nur mittels Seilkran durch Spezialfirmen möglich.

Aufforstung mit der Kraft der Natur – und Drohnen
Derzeit klärt man mit der Sägeindustrie, inwieweit das geschädigte Holz noch verwertbar ist. „Bei den dickborkigeren Bäumen, wie Lärche oder Kiefer, stehen die Chancen besser, da ist der Baum an sich oft noch nicht verkohlt“, sagt Soritz. Insgesamt ist der Schaden allerdings enorm. „Wir können es noch nicht genau sagen und es hängt davon ab, wie viel Holz noch verwertet werden kann, aber in den unteren siebenstelligen Bereich werden wir auf jeden kommen“, sagt Prior Martin Höfler.

Bei vielen Bäumen wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, ob sie die Brandschäden ...
Bei vielen Bäumen wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen, ob sie die Brandschäden überstehen werden.(Bild: Jürgen Radspieler)

Im Herbst steht dann die Aufforstung an. „Wo noch Mutterbäume stehen und die Bedingungen passen, werden wir auf Naturverjüngung (natürlicher Aufwuchs ohne menschliches Zutun, Anm.) setzen“, erklärt Soritz. Brandflächen eignen sich durch die hohe Nährstofffreisetzung gut dafür. Wo das nicht möglich ist, wird aufgeforstet – auch mithilfe von Drohnen. „Unser Ziel sind klimafitte Mischbestände. Die Fichte ist zwar wirtschaftlich nach wie vor wichtig, wird sich in unserem Bestand aber weiter reduzieren“, so der Förster. Bis zu 100.000 neue Bäume werden gesetzt. Bis die Verjüngung gesichert ist, vergehen fünf bis zehn Jahre.

INTERVIEW
„Es brennt quasi jeden zweiten Tag im Wald“

Der steirische Forstdirektor, Michael Luidold, im „Krone“-Gespräch über die angespannte Lage in den Wäldern.

Michael Luidold, Landesforstdirektor Steiermark
Michael Luidold, Landesforstdirektor Steiermark(Bild: Christian Jauschowetz)

„Krone“: Wir haben das trockenste Frühjahr der Messgeschichte hinter uns. Was macht das mit dem Wald?
Michael Luidold: Wir haben schon vom Winter ausgehend ein extremes Niederschlagsdefizit, aktuell liegen wir bei bis zu minus 80 Prozent. Hinzu kommt, dass wir heuer ständig relativ starken Wind haben. Vor allem flachwurzelnde Baumarten, wie die Fichte, kommen zusehends in Trockenstress. Und natürlich erhöht das die Brandgefahr stark. Wir hatten heuer schon über 50 Waldbrände, normal sind es im ganzen Jahr zwischen 30 und 50. Es brennt ja quasi jeden zweiten Tag irgendwo im Wald.

Wie sieht es heuer mit dem Borkenkäfer aus?
Wir haben vor allem im Süden und Osten des Landes noch sehr viel Bruchholz vom Schneedruckereignis im Februar liegen. Die Aufarbeitung wird stark vorangetrieben. Hier spielt aber auch die geopolitische Situation rein, weil ein nicht unbeträchtlicher Teil des Schnittholzes Richtung Naher Osten geht. Jetzt haben wir viel aufgearbeitetes Holz draußen liegen, das schon vom Borkenkäfer befallen ist. Die Käfer werden in den nächsten Wochen ausfliegen. Wenn dann die Fichten im Trockenstress stehen, bereitet uns das natürlich Sorgen.

Wie wird sich der steirische Wald langfristig verändern?
Die Baumartenzusammensetzung verändert sich, wir forcieren den klimafitten Waldumbau in der Beratung und durch Förderungen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Die Fichte wird in niederen Lagen zurückgehen, in Mischbeständen aber weiter vorkommen.

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