„Krone“-Kommentar

Neues „Wunder von Córdoba“?

Kolumnen
03.06.2026 05:00

Seit dem Fußballsieg über Deutschland bei der WM in Argentinien 1978 („I werd narrisch“) teilt Österreich seine Zeitrechnung zum Nachbarn in vor und nach Córdoba. Ein Hauch dieser Erinnerung liegt heute über der UNO-Abstimmung für die zehn zweijährigen Sitze (ohne Vetorecht) im UNO-Sicherheitsrat. Beide Staaten rittern in einer Kampfabstimmung um den Sieg.

Es geht um die zwei Sitze für Westeuropa. Portugal und Österreich hatten sich frühzeitig angemeldet. Deutschland grätschte 2024 hinein.

 Einer wird also leer ausgehen müssen. Portugal gilt als gesetzt. Lateinamerika und Afrika stehen dahinter.

Deutschland als einer der größten Geldgeber der UNO pocht auf sein angebliches Gewohnheitsrecht, alle acht Jahre Mitglied des Sicherheitsrates zu sein. Österreich pocht auf seine Nicht-Mitgliedschaft in einem Militärbündnis (im Gegensatz zu Deutschland).

Die UNO-Generalversammlung sieht sich vor einem Dilemma: Zwei deutschsprachige Nachbarstaaten, und beide stehen hinter Israel.

Für den Sitz ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Gewählt wird in geheimer Abstimmung so lange, bis zwei Staaten die notwendige Mehrheit haben oder einer verzichtet. Bisheriger Rekord: 115 Wahlgänge.

Eines möchte ich vorausschicken: Dieser Sitz im UNO-Sicherheitsrat wäre keine Belastung des „deutsch-österreichischen Feingefühls“ wert.

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