Fahler Beigeschmack: Einige Wirte – darunter auch sehr bekannte Namen – kaufen das Fleisch für ihr Schnitzel zum Schleuderpreis aus Holland. Ihren Gästen tischen sie jedoch auf, die Kälber dafür kämen aus Österreich. Die „Krone“ fordert eine Herkunftskennzeichnung in der Gastro.
Es ist das beliebteste Gericht des Landes und kann durchaus als kulinarisches Heiligtum Österreichs bezeichnet werden: das Schnitzel. Goldgelb paniert und knusprig muss es sein – und nach echter Wiener Art aus Kalbfleisch. So mancher Gastronom hat mit diesem panierten Traditionsessen sein Imperium aufgebaut.
Da sollte man als Gast doch eigentlich davon ausgehen – dass ein Produkt, das schon auf der Speisekarte für Heimat und Qualität steht, auch unter den besten Voraussetzungen entsteht. Und das beginnt beim Schnitzel natürlich mit dem Fleisch. Von wegen grüne Wiesen und Freilauf! In vielen Fällen stammt das Fleisch nicht aus Österreich – sondern aus einer hoch industrialisierten Mast in den Niederlanden.
Natürlich ist es jedem Wirt als Unternehmer unbenommen, seinen Einkauf dort zu tätigen, wo er will – aber: Das Fleisch billig aus dem Ausland zu erwerben und seinen Gästen zu vermitteln, es käme aus Österreich, das ist nicht nur dreist, sondern schlichtweg Konsumentenbetrug.
Woher kommt das Fleisch am Teller?
Doch es ist leider die traurige Realität. Die Investigativplattform „The Marker“ aus Vorarlberg hat intensiv recherchiert, den bekanntesten „Schnitzelrestaurants“ Besuche abgestattet und Anfragen per E-Mails geschickt. Die Frage war stets dieselbe: Woher kommt das Kalbfleisch? Tobias Giesinger von ‚The Marker‘: „Es ist wirklich unglaublich, welche Geschichten uns aufgetischt wurden.“
Denn sowohl im Restaurant als auch als Antwort auf diverse Mails wurde zum Beispiel behauptet, dass alles nur aus Österreich stamme oder es sich um Milchkalb aus dem Salzburger Land handle.
Manchmal waren die Antworten sogar widersprüchlich – wurde im Mail noch von Importfleisch geschrieben, erklärte der Kellner vor Ort, dass es natürlich aus Österreich stamme. Unfassbar auch ein Schreiben, indem zu lesen ist: „Uns ist es untersagt, Informationen darüber zu teilen, woher unser Fleisch bezogen wird.“
Was liegt auf meinem Teller?
Die einzige Möglichkeit, um so ein geschmackloses Vorgehen zu verhindern, ist die von der „Krone“ seit Langem geforderte Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie. Es geht nicht darum, dass kein Fleisch importiert werden darf – und gerade beim Kalb ist dies zurzeit noch notwendig – aber der Konsument hat das Recht zu wissen, woher die Zutaten auf seinem Teller kommen.
Bestes heimisches Kalbfleisch gibt es nicht zum Nulltarif. Diese Qualität muss uns etwas wert sein. Jeder hat ein Recht, zu wissen, was am Teller liegt.

Georg Strasser, Bauernbund
Bild: Eva Manhart
Und gerade beim Kalb würde wohl vielen Gästen der Appetit vergehen, wenn sie wissen, wie das Tier gelebt hat. Oder besser gesagt, dahinvegetieren musste. Denn die Recherche inklusive Bilder und Videos von „The Marker“ zeigt Tierqual in Massen. Die Kälber haben, bevor sie ihr Leid in furchtbar engen Metallkäfigen und in Einzelhaft auf Betonspaltenboden antreten, meist schon eine Odyssee hinter sich.
Odyssee der Kälber
Sie werden mit dem Schiff aus Irland über das Meer und vom Osten Europas bis nach Holland gekarrt. Damit ihr Fleisch weiß bleibt, dringt kaum Licht in die riesigen Hallen und sie werden zusätzlich eisenarm ernährt. Auch Heu, das Rinder zum Wiederkäuen dringend brauchen, wird ihnen verwehrt oder in viel zu geringen Mengen angeboten. Eine grausame Haltung, wie sie in Österreich seit 2005 verboten ist.
Alles, was nicht dem entspricht, was von den österreichischen Bauern verlangt wird, hat auf Österreichs Tellern nichts verloren.

Josef Moosbrugger, Landwirtschaftskammer
Bild: Eva Manhart
Ann-Kathrin Freudes Tipp für Restaurantgäste: „Wenn das Fleisch unter der Panade nahezu weiß ist, so ist dies ein Indiz dafür, dass das Kalb aus einer solchen Intensivmast stammt!“ In Supermärkten wird Frischfleisch längst gekennzeichnet. Die von der „Krone“ auch in der Gastronomie geforderte Transparenz und Kennzeichnungspflicht ist kein Angriff! Sie ist ein Schutz für Gäste, für unsere heimischen Bauern und für unschuldige Kälber.
Ich bin es leid. Unzählige Male bin ich im Gasthaus belogen worden, wenn ich nachgefragt habe, woher die Lebensmittel auf der Speisekarte stammen. Transparenz? Fehlanzeige. Im Gegenteil: Die Wahrheit ist unerwünscht. Derzeit besteht keine gesetzliche Verpflichtung, Gäste über die Herkunft von Fleisch, Mehl und Co. zu informieren. So kommt es, dass, wenn im Restaurant das „Wiener Schnitzel“ über den Tellerrand ragt, sehr oft eine wichtige Zutat fehlt: österreichisches Kalbfleisch.
Nur weil „Wien“ im Namen steckt, muss das noch lange nicht bedeuten, dass Österreich drin ist. Woher kommt dann das Fleisch fürs „Wiener Schnitzel“? Dass sich die Gastronomie so vehement gegen eine Herkunftskennzeichnung wehrt, ist für mich vollkommen unverständlich. Stellen wir uns einmal vor, wir gehen in den Lebensmittelhandel und kaufen Käse, Butter und Frischfleisch, können aber nirgendwo in Erfahrung bringen, woher die Lebensmittel stammen. Uns würde eine wichtige Information für unsere Kaufentscheidung fehlen.
Wir haben das Recht auf die Wahrheit. Das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten für abgeschaffte oder zumindest vergünstigte Zollsätze sollte uns einmal mehr zu denken geben. Denn das argentinische Rindfleisch wird uns nicht im Kühlregal im Supermarkt begegnen, sondern oft anonym auf dem Teller im Restaurant. Wir brauchen eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in allen gastronomischen Betrieben: weg von Anonymität, hin zu Entscheidungsfreiheit und Klarheit auf dem Teller. Damit wir als Kundinnen und Kunden ganz bewusst bei jeder Bestellung entscheiden können. Die Frage ist: Wie lange lassen wir uns das noch gefallen?
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