45 Prozent ungeregelt

3000 Betriebe in Tirols Tourismus vor der Übergabe

Tirol
02.06.2026 16:00

Wie lässt sich die Betriebsnachfolge in Tirols Tourismus gestalten? Über diese Frage diskutierte eine Expertenrunde im Rahmen des „F.acT Talks“ in der Landeshauptstadt. 

In ganz Tirol gibt es rund 17.400 Familienunternehmen, die mit 128.500 Mitarbeitern eine wesentliche Säule des Wirtschaftsstandortes bilden. Findet sich kein Nachfolger, um den Betrieb fortzuführen, geht auch viel wertvolles Wissen verloren, wie die „Krone“ öfter berichtete.

Wie sich die Betriebsnachfolge im Tourismus gestalten lässt, darüber diskutierte im Rahmen des sogenannten „F.acT Talks“ am MCI Tourismus in Innsbruck eine Runde aus Experten.

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Mit rund 60.000 Beschäftigten sind die Tourismusbetriebe als Arbeitgeber stark in der Region verankert.

Anita Zehrer

Anteil an Familienunternehmen in Tirol bei 92 Prozent
Anita Zehrer, Leiterin des Zentrums Familienunternehmen am MCI, rechnete vor, dass „der Anteil an Familienbetrieben im Tiroler Tourismus bei 92 Prozent liegt. Mit ihren rund 60.000 Beschäftigten sind sie als Arbeitgeber stark in der Region verankert“. In naher Zukunft stehen zwischen 2600 und 3000 Betriebsübergaben an. In circa 45 Prozent der Fälle muss die Übergabe erst noch geregelt werden.

„Die Frage der Nachfolge, die durchschnittlich zwischen fünf und acht Jahre dauert, ist keine rein betriebswirtschaftliche, sondern berührt immer auch Emotionen, Familienrollen und Werte. Besonders daran ist, dass Familienunternehmen nicht in Quartalen denken, sondern in Generationen“, verdeutlichte Zehrer.

„Frühzeitig über Nachfolge sprechen“
Eine saubere Übergabe beginne lange vor der Unterschrift. „Wer frühzeitig in der Familie über Nachfolge spricht, Vertrauen lebt, klare Rollen definiert und eine offene Dialogkultur pflegt, macht aus dem Wechsel keinen Risikofaktor, sondern einen strukturierten Prozess“, so die Leiterin.

Dem pflichtete auch Josef Schwaiger, Geschäftsführer der Eder Hotels GmbH, bei: „Unternehmertum und Familie wird bei uns nicht getrennt, wir leben das. Ich habe früh Verantwortung bekommen und mich im Ort eingebracht. Bei der Betriebsübergabe war es jedoch zentral, klare Verantwortungen zu verteilen.“

Unterdessen meinte Valentina Ultsch, die Personalverantwortliche bei harry’s home & Adler Hotels, dass „man heutzutage eher Werte leben muss, mit denen man sich identifizieren kann. Der Slogan ,we all are family’ war irgendwann nicht mehr zeitgemäß und ist für Mitarbeitende schwer mitzutragen“.

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