Ein Meilenstein für die heimische Technologiebranche: Der unbemannte Helikopter S-300 des österreichischen Unternehmens Schiebel ist das Herzstück eines neuen, von der EU geförderten Verteidigungsprojekts.
Unter dem Namen SWORD („Stand-off Anti-Submarine Warfare Operations by Remote Deployment“) soll die nächste Generation der U-Boot-Abwehr für europäische Seestreitkräfte entwickelt werden. Der S-300 wurde als fliegende Plattform für diese anspruchsvolle Aufgabe ausgewählt.
Die Dringlichkeit des Vorhabens ist in den letzten Jahren massiv gestiegen. Sowohl Russland als auch China haben ihre U-Boot-Flotten Branchenexperten zufolge umfassend modernisiert. Diese neuen, extrem leisen Boote operieren im Nordatlantik, in der Arktis und im Mittelmeer und stellen die NATO-Marinen vor enorme Herausforderungen.
Sie werden zur Spionage und zur strategischen Positionierung eingesetzt, was die maritime Sicherheit Europas direkt bedroht. Ein modernes U-Boot zu orten, bevor es angreifen kann, ist eine der zentralen Aufgaben von SWORD.
Der S-300 von Schiebel bringt dafür einzigartige Fähigkeiten mit. Mit einer maximalen Nutzlast von 350 kg kann er umfangreiche Sonarausrüstung, mehrere Sonarbojen zur Überwachung großer Seegebiete oder eine Kombination verschiedener Sensoren für eine komplette Mission transportieren. Seine enorme Flugausdauer von bis zu 24 Stunden erlaubt eine ununterbrochene, lückenlose Überwachung eines verdächtigen Kontakts.
Pausen zum Auftanken, in denen ein U-Boot entkommen könnte, werden so minimiert. Da der S-300 ein Senkrechtstarter ist, benötigt er keine Landebahn und kann von jedem Schiff mit einem geeigneten Flugdeck aus operieren. Sein dreiblättriges, faltbares Rotorsystem sorgt zudem dafür, dass er platzsparend in jedem Schiffshangar untergebracht werden kann.
Im Fokus: U-Boot-Bekämpfung soll aus der Entfernung und ohne den Einsatz von menschlichem Leben stattfinden. Anstatt ein teures Kriegsschiff mit seiner Besatzung direkt über eine vermutete U-Boot-Position zu manövrieren und es so dem feindlichen Waffenfeuer auszusetzen, übernimmt die Drohne die riskante Arbeit. Der S-300 kann Sonarsysteme und Bojen aus sicherer Entfernung präzise im Zielgebiet absetzen. Dies verändert die Risikolage fundamental und erweitert die Reichweite, in der eine Marineeinheit operieren kann, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
Schiebel „stolz“ bei EU-Initiative dabei zu sein
Hans Georg Schiebel, Vorstand der Schiebel-Gruppe, betonte die Bedeutung des Projekts: „Wir sind stolz, dass der CAMCOPTER S-300 für diese wichtige europäische Verteidigungsinitiative ausgewählt wurde“, wird der Österreicher von „Defence Blog“ zitiert. SWORD sei ein „großartiges Beispiel“ für die europäische Zusammenarbeit in einem hochrelevanten maritimen Verteidigungsbereich. „Die Wahl des S-300 unterstreicht das Potenzial der Plattform, zukünftige U-Boot-Abwehrkonzepte mit einer flexiblen, unbemannten und operativ effizienten Fähigkeit zu unterstützen.“
Das Verteidigungsprojekt vereint Partner aus ganz Europa, was dem Ziel des Europäischen Verteidigungsfonds entspricht, die gemeinsame Forschung zu stärken und Doppelgleisigkeiten zu vermeiden.
Angesichts der multiplen globalen Krisen erfährt die Rüstungsindustrie derzeit weltweit einen Boom. Doch für Schiebel ist dieser außerhalb der Europäischen Union nur schwer nutzbar. So seien nicht nur Militärgüter, sondern auch Dual-Use-Güter – also etwa unbewaffnete Drohnen – von Exportbeschränkungen betroffen.
Schiebel-Chef Hannes Hecher forderte jüngst in den „Salzburger Nachrichten“ in Richtung Politik eine Anpassung der Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu stärken.
Zweifel an der Auslegung der Neutralität
Ein weiterer Kritikpunkt Hechers ist das heimische Neutralitätsgesetz, das „keinen Unterschied zwischen Angreifer und Angegriffenem“ mache. „Da stellt sich meiner Meinung nach schon die Frage, ob das noch richtig ist“, ergänzte er im Hinblick auf die Ukraine.
Österreich zahle zudem für die Ukraine-Hilfe, nutze aber im Gegensatz zu anderen Ländern nicht die Möglichkeit, dass heimische Firmen davon profitieren, wie etwa durch Aufträge bei der Minenräumung. Schiebel rechnet für heuer mit einem Umsatzplus von zehn bis zwanzig Prozent.
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