Nach SPÖ-Zwist

Parteitag im Schatten der abgeblasenen Revolution

Niederösterreich
30.05.2026 18:00

Geplatzte Umsturzpläne im Vorfeld sorgten für Nervosität unter Niederösterreichs Sozialdemokraten, doch in Vösendorf wurde rote Geschlossenheit demonstriert. Wie Sven Hergovich mit einem Brief an seine kleine Tochter wieder Landesparteivorsitzender wurde.

Die meiststrapazierten Worte am Landesparteitag der SPÖ waren Geschlossenheit und Zusammenhalt. Kein Wunder, hatte doch Staatssekretärin Königsberger-Ludwig im Vorfeld angekündigt, Sven Hergovich den Chefsessel streitig machen zu wollen. Zwar war der Zwist, wie berichtet, nach wenigen Tagen ausgeräumt, doch die Angst vor einer „Strafaktion“ mittels Streichungen beim parteiinternen Wahlgang war seither spürbar.

Hergovich hatte im Vorfeld seine Ansagen sogar heruntergeschraubt: Er sei froh, über ein Ergebnis von mehr als 70 Prozent. Unbegründet, wie gestern gegen 13.45 Uhr feststand: Hergovich sprachen 86,3 Prozent der 334 Delegierten das Vertrauen aus, alle Stellvertreter – darunter auch Königsberger-Ludwig – erhielten über 80 Prozent.

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Allen, die damit gerechnet haben, dass es uns heute hier zerlegt, sage ich: Mit uns ist wieder zu rechnen!

Sven Hergovich, SPÖ-Landesparteichef

Zuvor hatte Hergovich naturgemäß die schwarz-blaue Landeskoalition ins Visier genommen: „Allen, die damit gerechnet haben, dass es uns heute hier zerlegt, sage ich: Mit uns ist wieder zu rechnen!“ Auffällig war, dass die Kritik an der ÖVP deutlich schaumgebremster ausfiel. Es ist ja kein Geheimnis, dass der SPÖ-Chef nach der nächsten Landtagswahl wieder mitregieren möchte. Einen kleinen Seitenhieb auf Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner brachte Hergovich nur an, als er den Gastpatienten-Streit mit Wien ansprach: „Pröll und Häupl hätten nach fünf Achterln beim Heurigen eine Lösung gefunden.“

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Es ist so ein richtig geiles Gefühl, ein Teil dieser Partei zu sein!

Karin -Baier, Bürgermeisterin in Schwechat und Moderatorin des Parteitags

Mit einem fiktiven Brief an seine fünf Monate alte Tochter brachte Hergovich Emotionen in die Vösendorfer Event-Pyramide. Die Conclusio: Aufgabe der Politik sei es, das Leben der Menschen besser zu machen. Zum Schluss kam der Aufruf zu Einigkeit und Zusammenhalt: „Der Weg der SPÖ ist nicht der Weg eines Einzelnen, das ist unser gemeinsamer Weg!“ Damit holte Hergovich den Landesparteivorstand, Bundesvorsitzenden Babler sowie die Minister Schumann und Marterbauer auf die Bühne.

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