02.08.2014 15:34 |

Geheimer Ehrenkodex

Roter Postenschacher in Salzburg aufgeflogen

Rund um die Entmachtung des Verkehrsdirektors des Energieversorgers Salzburg AG ist ein politischer Skandal aufgeflogen: Nach dem für die SPÖ schlechten Ausgang der Betriebsratswahl im Jahr 2010 setzte Aufsichtsratschef und damaliger Landesvize David Brenner (Bild) den SPÖ-nahen Vorstand offenbar massiv unter Druck. Er soll der SPÖ angehörende Führungskräfte gebeten haben, einen sogenannten Verhaltenskodex zu unterschreiben. Damit sollte garantiert werden, dass sozialdemokratische Angestellte bevorzugt werden.

Der Inhalt dieses Geheimpapiers kam nun ebenfalls an die Öffentlichkeit: Die Führungskräfte der Salzburg AG verpflichten sich demnach, in ihrem Einflussbereich sozialdemokratische Angestellte zu bevorzugen oder bei Streitthemen um Rat zu fragen. Damit wollte man wohl ein besseres Klima für die SPÖ im Konzern schaffen.

Vorstand August Hirschbichler dürfte gewusst haben, worauf er sich einlassen sollte: Er weigerte sich beharrlich, diese dem Aktiengesetz und der Objektivität widersprechenden Handlungen zu setzen. Nach Informationen aus der Bayerhamerstraße, dem Sitz des Energieriesen, litt Hirschbichler eine Zeit lang sogar an Burn-out, ehe er nachgab.

Verkehrsdirektor wollte bei "Sauerei" nicht mitmachen
Wie die "Krone" erfuhr, haben einige als sogenannte Nachwuchshoffnungen der Salzburg AG gehandelte Personen den Pakt in der Hoffnung auf eine raschere Karriere unterschrieben.
Verkehrsdirektor Gunter Mackinger, der seit Tagen überhaupt jede Stellungnahme und jedes Gespräch zu den Vorgängen um seine Person verweigert, soll den Satz gesagt haben: "Bei dieser Sauerei mache ich nicht mit, das unterschreibe ich nicht."

Aufenthaltsort der Geheimpapiere ist unbekannt
Auch der damalige Vorstandskollege von Hirschbichler, Arno Gasteiger, will keinerlei Kommentar zu dem Fall abgeben. Brisant wird der Fall für die SPÖ insofern, dass hohe Funktionäre in die Aktion eingeweiht waren. Wo sich die Geheimpapiere befinden, ist nicht klar, doch sollen Kopien existieren. Man vermutet die "Knebelungsverträge" in Tresoren der SPÖ-Parteizentrale oder der Salzburg AG. Vor Gericht werden wohl alle Beteiligten unter Wahrheitspflicht aussagen müssen.

Brenner weist Vorwürfe zurück
Brenner selbst wies am Samstag sämtliche Vorwürfe des Postenschachers zurück: "Einen Auftrag für einen sozialdemokratischen Verhaltenskodex oder Ähnliches hat es von mir nie gegeben." Dass er gar selbst ein entsprechendes Papier verfasst oder Mitarbeiter zur Unterschrift genötigt habe, "ist schlichtweg falsch, absurd und weit entfernt von meinem Politverständnis", sagte der frühere Landeshauptmann-Stellvertreter.

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