Der Besuch in der Bank endete für eine 85-jährige Wienerin im Krankenhaus – und für einen 18-Jährigen nun vor Gericht. Warum? Der Junge Mann hat die betagte Dame ausgeraubt, sie erlitt einen Bruch des Schultergelenks. Am Freitag fiel im Wiener Landl das Urteil: fünf Jahre Haft, davon 20 Monate unbedingt. Rechtskräftig.
Dabei hatte der Angeklagte an jenem 2. April 2026 ursprünglich ganz andere Pläne. Laut seinen Angaben wollte er lediglich eine Kontobestätigung für einen Bekannten besorgen, der ihm einen Kredit versprochen hatte. Doch dann beobachtete er in der Bank eine ältere Dame, die sich gerade 4000 Euro auszahlen ließ. „Da hat es bei ihm den Schalter umgelegt“, erklärte sein Verteidiger Lukas Hruby vor Gericht.
Videos aus der S-Bahn zeigen Raub
Was dann folgte, zeigen Überwachungsvideos: Der 18-Jährige heftete sich an die Fersen der Pensionistin, verfolgte sie bis zu einer S-Bahn-Station – und schlug dort zu. Vor Gericht versuchte der Angeklagte zunächst, die Tat herunterzuspielen. Er habe der Frau die Tasche nur „von der Schulter zupfen“ wollen. Die Aufnahmen erzählen jedoch eine andere Geschichte: Der junge Mann reißt mit voller Wucht am Taschenriemen, zerrt die 85-Jährige mit und schleudert sie schließlich zu Boden.
Für die Seniorin hatte der Überfall dramatische Folgen: Sie brach sich die Schulter. Die Frau schildert im Zeugenstand den Angriff: „Er ist von hinten gekommen, hat brutal am Riemen gerissen und mich mitgezogen.“ Nur dank zwei couragierten Passanten bekam sie sofort Hilfe, die Männer alarmierten die Einsatzkräfte. Noch heute habe sie Schmerzen in Händen und Gelenken. Aber eine Operation sei ihr Gott sei Dank erspart geblieben.
500 Euro für Opfer gesammelt
Der Angeklagte bekannte sich umfassend schuldig – stellte sich noch am selben Tag der Polizei. Vor Gericht zeigt er sich reumütig. „Es tut mir wirklich sehr leid. Ich möchte mich beim Opfer entschuldigen“, sagte der 18-Jährige. Weil die Pensionistin keinen direkten Kontakt mit ihm wollte, ließ er ihr über seinen Verteidiger einen Entschuldigungsbrief überreichen. Seine Familie hatte außerdem 500 Euro gesammelt, um der Frau zumindest einen Teil des Schadens sofort zu ersetzen.
Was soll der junge Bursch schon haben? Ich möchte nicht unverschämt sein.
Fragt die Zeugin (85) Frau Rat
Besonders bewegend: Als die Richterin fragte, ob sie zusätzlich Schmerzensgeld wolle, zeigte sich die 85-Jährige erstaunlich milde. „Was soll der junge Bursch schon haben? Ich möchte nicht unverschämt sein“, meinte sie. Am Ende entschied sie sich dennoch für einen Betrag von 4000 Euro, der ihr auch zugesprochen wurde. Das gestohlene Bargeld hatte die Versicherung bereits ersetzt.
18-Jähriger muss zurück in Haft
Trotz der brutalen Tat sprach sich selbst die Staatsanwaltschaft wegen des jungen Alters, des Geständnisses und seines bisher ordentlichen Lebenswandels für eine mildere Strafe aus. Die Schöffen und die Richterin entschieden schließlich auf fünf Jahre Haft, davon 20 Monate unbedingt. Die restlichen 40 Monate wurden für eine Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen, zudem wurde Bewährungshilfe angeordnet. Das Gericht orientierte sich am untersten Strafrahmen beim schweren Raub.
Als das Urteil fiel, brach die Mutter des 18-Jährigen in Tränen aus.
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