Mi, 20. Juni 2018

Gewalt geht weiter

27.07.2014 20:33

Nach Waffenruhe wieder Kämpfe im Gazastreifen

Nach einer humanitären Feuerpause haben sich Israel und die radikalislamische Hamas am Sonntag wieder heftige Gefechte geliefert, die auch am Abend anhielten. Zuvor hatte es ein Verwirrspiel um die Waffenruhe gegeben: Die Hamas erklärte überraschend, nun doch einer 24-stündigen Feuerpause zustimmen zu wollen, nachdem sie diese anfangs abgelehnt hatte. Israels Premier Benjamin Netanyahu lehnte das Angebot der "Terroristen" jedoch ab, zumal sich die Hamas selbst nicht an ihre Angaben hielt.

"Als Reaktion auf eine Intervention der Vereinten Nationen und in Anbetracht der Lage unserer Bevölkerung sowie aus Anlass des Endes des Fastenmonats sind alle Fraktionen des Widerstands übereingekommen, ab 13 Uhr eine 24-stündige Feuerpause zu unterstützen", hatte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri am Sonntag erklärt.

Netanyahu wirft Hamas Bruch eigener Waffenruhe vor
Doch Israel will vorerst keine neue Waffenruhe ausrufen. Die Hamas verletze die von ihr angekündigte Feuerpause selbst, sagte Regierungschef Benjamin Netanyahu am Sonntagnachmittag in einem Interview mit dem US-Sender CNN. Netanyahu zufolge gab es nämlich auch nach 13 Uhr zahlreiche Attacken auf Israel. "Wir werden alles Notwendige tun, um unser Volk zu schützen", meinte der Premier. Und dem Sender CBS sagte er, Israel werde es nicht zulassen, dass "eine skrupellose Terrororganisation entscheidet, wann es ihr genehm ist, einen Moment Pause zu machen, sich wieder zu bewaffnen und dann erneut auf unsere Bürger zu schießen".

Hamas-Führer Khaled Maschaal sagte dem US-Fernsehsender PBS, Israel müsse die Blockade des Gazastreifens aufheben. "Wir bekämpfen nicht die Juden, weil sie Juden sind, wir bekämpfen keine anderen Rassen, wir bekämpfen die Besatzer", sagte er. Ein Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sei möglich, nicht aber ein Zusammenleben mit "Besatzern".

Am Vorabend hatte Israel eine zwölfstündige humanitäre Waffenruhe zunächst um vier Stunden und danach auf Wunsch der UNO um weitere 24 Stunden bis Sonntagmitternacht Ortszeit (23 Uhr MESZ) verlängert. Die Hamas hatte dies jedoch unter Verweis auf die weiter im Gazastreifen präsenten israelischen Panzer sowie die fortgesetzten Angriffe Israels auf das Tunnelsystem der Hamas im Grenzgebiet abgelehnt.

Hamas plant laut Israel verheerenden Anschlag
Überdies soll die Hamas nach israelischen Angaben einen verheerenden Anschlag auf israelische Zivilisten geplant haben. Geheimdienstminister Yuval Steinitz bestätigte am Sonntag entsprechende Medienberichte. Demnach hätte die radikale Palästinenserorganisation am jüdischen Neujahrsfest Rosh Hashana im September Hunderte bewaffnete Kämpfer durch mehrere Tunnel gleichzeitig auf israelisches Gebiet schicken wollen. Sie sollten dort so viele Menschen wie möglich töten oder in den Gazastreifen verschleppen, hieß es. Die Informationen, die sich nicht unabhängig überprüfen ließen, basierten auf den Aussagen von Hamas-Mitgliedern, die die israelische Armee während der Offensive im Gazastreifen festgenommen habe.

Indes nahmen israelische Panzer und Artillerie am Sonntagvormittag wieder mehrere Ziele in dem Küstenstreifen am Mittelmeer unter Beschuss, Bewohner des Gazastreifens berichteten von schwerem Gefechtslärm aus Richtung Gaza-Stadt. Bei den Kämpfen wurden nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte drei Menschen getötet.

Bereits über 1.000 Tote und rund 6.000 Verletzte
Die Kampfhandlungen zwischen Israel und der Hamas gingen am Sonntag in den 20. Tag. Dabei wurden bisher nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte 1.060 Palästinenser getötet und rund 6.000 verletzt. Auf israelischer Seite starben 43 Soldaten sowie drei Zivilisten.

Die Feuerpause am Samstag hatten zahlreiche Menschen in Gaza dazu genutzt, um ihre Vorräte aufzustocken, zugleich wurde das ganze Ausmaß der Zerstörung in dem dicht besiedelten Küstengebiet sichtbar: Wie die palästinensischen Rettungskräfte mitteilten, wurden etwa 150 Leichen aus den Trümmern der bei den israelischen Angriffen zerstörten Häuser geborgen, die allermeisten davon Zivilisten. Vielerorts bot sich ein Bild der Zerstörung, ganze Wohnblöcke lagen in Schutt und Asche.

Angesichts des Ausmaßes der Gewalt forderten die Außenminister der USA, Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Italiens, Katars und der Türkei bei einer Konferenz in Paris gemeinsam ein Ende des Blutvergießens. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, die Teilnehmer wollten so schnell wie möglich einen dauerhaften Waffenstillstand erreichen, der Israels Bedürfnis nach Sicherheit und dem Bedürfnis der Palästinenser nach sozioökonomischer Entwicklung entspricht. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte eindringlich nochmals alle Beteiligten auf, eine siebentägige Waffenruhe auszurufen.

Israel lehnt US-Plan für längeren Waffenstillstand ab
Hoffnungen auf eine mehrtägige Feuerpause hatten sich jedoch bereits am Freitagabend zerschlagen. Das israelische Sicherheitskabinett unter Regierungschef Benjamin Netanyahu lehnte einen entsprechenden Vorschlag von US-Außenminister John Kerry ab.

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