Psyche in Not

Mehr als 10.000 Gespräche mit Menschen in Krisen

Tirol
06.05.2026 20:00

Vor mittlerweile vier Jahren wurden in Tirol die Psychosozialen Zentren als niederschwellige Anlaufstelle bei psychischen Krisen eingerichtet. Im Vorjahr wurden bereits mehr als 10.000 Beratungsgespräche geführt. Was hinter dem Anstieg steckt. 

Vier Jahre, acht Standorte, 38 Mitarbeiter – hinter diesen Zahlen steckt ein Beratungsangebot, das laut den Verantwortlichen seinesgleichen in Österreich sucht. Die Psychosozialen Zentren Tirol wurden in der Pandemiezeit eingerichtet und sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus der Versorgungslandschaft.

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Oft reichen wenige Termine aus, um Entlastung zu schaffen und weitere passende Unterstützung einzuleiten.

Alexandra Steiner- Mangweth, Leiterin IBK

Bekanntheit nimmt zu, mehr „schwere Themen“
„Im Vorjahr haben wir erstmals mehr als 10.000 Beratungsgespräche geführt“, blickt Geschäftsführer Michael Wolf auf die Statistik (siehe Grafik). Warum die Zahlen steigen, dazu haben Wolf und Alexandra Steiner-Mangweth, Standortleiterin in Innsbruck, mehrere Erklärungen. „Unsere Bekanntheit steigt und vor allem jüngere Menschen sind auch bereit, sich in Krisensituationen Hilfe zu holen. Das ist gut so“, konstatiert Steiner-Mangweth.

Gleichzeitig seien auch zunehmende Belastungen durch ständig neue Krisen weltweit, durch finanziellen Druck und andere Entwicklungen der Zeit zu spüren. „Es geht immer öfter um schwere Themen“, erklärt die Standortleiterin. Dies sei eine große Herausforderung fürs Team. Es brauche deshalb ausreichend Erfahrungswerte. „Oft reichen jedoch wenige Termine aus, um Entlastung zu schaffen und Orientierung rund um weitere Unterstützung zu geben“, führt Steiner-Mangweth aus.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Rund 3500 Frauen und Männer suchten im Vorjahr eine der acht Psychosozialen Zentren zwischen Reutte und Lienz auf. Geschäftsführer Wolf räumt ein, dass durch den wachsenden Zulauf die Wartezeiten auf eine Beratung länger werden: „Innerhalb einer Woche war immer unser Ziel. Derzeit kann es schon bis zu 20 Tage dauern.“ Wolf und Steiner-Mangweth betonen gleichzeitig aber, dass sie durch ihre Vernetzung mit anderen Beratungsstellen im Bedarfsfall Hilfesuchenden auch zeitnah eine andere Anlaufstelle vermitteln können.

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Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es die Gewissheit, dass Hilfe zur Verfügung steht.

Eva Pawlata, Sozial-Landesrätin (SPÖ)

Land zahlt 2,4 Mio. Euro, der Bund ist draußen
Anonym, kostenlos, niederschwellig – das Konzept der Psychosozialen Zentren ist dem Land im Jahr 2,4 Millionen Euro wert. „Diese Einrichtungen sind als Erstanlaufstelle unverzichtbare Stützpfeiler der Hilfslandschaft“, betont Sozial-Landesrätin Eva Pawlata (SPÖ). Vom Bund kamen im Vorjahr 137.000 Euro an Krisenfinanzierung. Diese fällt heuer weg. Die Sozialversicherungsträger steuerten zuletzt 480.000 Euro bei. Für heuer laufen noch die Verhandlungen. Wolf ist jedoch zuversichtlich: „Die Sozialversicherungen rechnen genau und wissen, dass die Folgekosten durch fehlende Unterstützung zu einem frühen Zeitpunkt enorm sind.“ Und er weist auf die bestehenden Lücken in der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung hin.

Die Bedeutung von Einrichtungen wie den Psychosozialen Zentren dürfte weiter steigen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO werden im Jahr 2030 von den fünf häufigsten Erkrankungen drei psychiatrische Leiden sein.

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