Vor mittlerweile vier Jahren wurden in Tirol die Psychosozialen Zentren als niederschwellige Anlaufstelle bei psychischen Krisen eingerichtet. Im Vorjahr wurden bereits mehr als 10.000 Beratungsgespräche geführt. Was hinter dem Anstieg steckt.
Vier Jahre, acht Standorte, 38 Mitarbeiter – hinter diesen Zahlen steckt ein Beratungsangebot, das laut den Verantwortlichen seinesgleichen in Österreich sucht. Die Psychosozialen Zentren Tirol wurden in der Pandemiezeit eingerichtet und sind mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus der Versorgungslandschaft.
Oft reichen wenige Termine aus, um Entlastung zu schaffen und weitere passende Unterstützung einzuleiten.

Alexandra Steiner- Mangweth, Leiterin IBK
Bild: Claudia Thurner
Bekanntheit nimmt zu, mehr „schwere Themen“
„Im Vorjahr haben wir erstmals mehr als 10.000 Beratungsgespräche geführt“, blickt Geschäftsführer Michael Wolf auf die Statistik (siehe Grafik). Warum die Zahlen steigen, dazu haben Wolf und Alexandra Steiner-Mangweth, Standortleiterin in Innsbruck, mehrere Erklärungen. „Unsere Bekanntheit steigt und vor allem jüngere Menschen sind auch bereit, sich in Krisensituationen Hilfe zu holen. Das ist gut so“, konstatiert Steiner-Mangweth.
Gleichzeitig seien auch zunehmende Belastungen durch ständig neue Krisen weltweit, durch finanziellen Druck und andere Entwicklungen der Zeit zu spüren. „Es geht immer öfter um schwere Themen“, erklärt die Standortleiterin. Dies sei eine große Herausforderung fürs Team. Es brauche deshalb ausreichend Erfahrungswerte. „Oft reichen jedoch wenige Termine aus, um Entlastung zu schaffen und Orientierung rund um weitere Unterstützung zu geben“, führt Steiner-Mangweth aus.
Rund 3500 Frauen und Männer suchten im Vorjahr eine der acht Psychosozialen Zentren zwischen Reutte und Lienz auf. Geschäftsführer Wolf räumt ein, dass durch den wachsenden Zulauf die Wartezeiten auf eine Beratung länger werden: „Innerhalb einer Woche war immer unser Ziel. Derzeit kann es schon bis zu 20 Tage dauern.“ Wolf und Steiner-Mangweth betonen gleichzeitig aber, dass sie durch ihre Vernetzung mit anderen Beratungsstellen im Bedarfsfall Hilfesuchenden auch zeitnah eine andere Anlaufstelle vermitteln können.
Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es die Gewissheit, dass Hilfe zur Verfügung steht.

Eva Pawlata, Sozial-Landesrätin (SPÖ)
Bild: Johanna Birbaumer
Land zahlt 2,4 Mio. Euro, der Bund ist draußen
Anonym, kostenlos, niederschwellig – das Konzept der Psychosozialen Zentren ist dem Land im Jahr 2,4 Millionen Euro wert. „Diese Einrichtungen sind als Erstanlaufstelle unverzichtbare Stützpfeiler der Hilfslandschaft“, betont Sozial-Landesrätin Eva Pawlata (SPÖ). Vom Bund kamen im Vorjahr 137.000 Euro an Krisenfinanzierung. Diese fällt heuer weg. Die Sozialversicherungsträger steuerten zuletzt 480.000 Euro bei. Für heuer laufen noch die Verhandlungen. Wolf ist jedoch zuversichtlich: „Die Sozialversicherungen rechnen genau und wissen, dass die Folgekosten durch fehlende Unterstützung zu einem frühen Zeitpunkt enorm sind.“ Und er weist auf die bestehenden Lücken in der psychosozialen und psychiatrischen Versorgung hin.
Die Bedeutung von Einrichtungen wie den Psychosozialen Zentren dürfte weiter steigen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO werden im Jahr 2030 von den fünf häufigsten Erkrankungen drei psychiatrische Leiden sein.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.