Eine neue Studie der TU Graz, für die Verkehrsunfälle der Jahre 2012 bis 2024 analysiert wurden, zeigt: Frauen wurden deutlich häufiger verletzt als männliche Insassen. Die „Krone“ hat nachgefragt, woran das liegt.
Autos sind über die Jahre immer sicherer geworden, allerdings nicht für alle. Das belegt eine neue Studie der TU Graz, finanziert vom Verkehrssicherheitsfonds. „Wir haben Unfälle von 2012 bis 2024 analysiert und rekonstruiert. Wenn Männer und Frauen im Auto saßen, war das Verletzungsrisiko für Frauen immer höher, egal ob Fahrerin oder Beifahrerin“, sagt Studienleiterin Corina Klug vom Institut für Fahrzeugsicherheit zur „Krone“.
Oft würde es heißen, na ja, Frauen fahren halt in kleineren Autos, die weniger sicher sind, oder es liege an ihren Fahrkünsten. „Die Ausgangslage ist in unserer Studie aber die gleiche“, stellt Klug klar.
Zwei männliche Dummys, ein verfälschter weiblicher
Doch wieso sind die Unterschiede dann so krass? „Es wurde vor Jahrzehnten die Entscheidung getroffen, bei Crashtests nur drei Dummygrößen zu verwenden“, sagt Klug. Der große Mann, der mittlere Mann und die kleine Frau. „Die kleine Frau ist so zierlich, dass sie wenig weibliche Proportionen hat. Frauen sind aber keine kleinen Männer.“ 95 Prozent der Frauen sind größer und schwerer als die Referenz.
Frauen wurden in den Unfällen vor allem im Bereich des Brustkorbs und der Wirbelsäule, sowie an Armen und Beinen verletzt. Spezifische anatomische Merkmale von durchschnittlichen Frauen wie Brustumfang oder Beckenbreite bildet aktuell kein Dummy realitätsgetreu ab.
Frauen sind keine kleinen Männer! Das wird mit den Dummys nicht richtig wiedergegeben.

Corina Klug, TU Graz
Bild: Lunghammer/TU Graz
Doppelte Gefahr schon bei geringer Kollisionsgeschwindigkeit
Auffällig sei, dass Frauen bereits bei geringen Kollisionsgeschwindigkeiten schwerere Verletzungen davontragen als männliche Insassen. Ein hohes Verletzungsrisiko besteht zudem für Frauen ab 50 Jahren. Das liege auch daran, dass unsere Knochendichte mit dem Alter abnimmt, so Klug.
Ein Problem, das alle betrifft, sind falsche Sitzeinstellungen. Der Beifahrersitz wird oft zu weit nach hinten gefahren, die Lehne zu weit zurückgelehnt. Airbags und Gurte sind dafür nicht ausgelegt. Auch dicke Winterjacken sind nicht ideal. Der Körper kann beim Aufprall unter dem Gurt durchrutschen.
Was die TU emfiehlt
Aufgrund der Studie empfiehlt die TU realistischere Tests. Durch digitale Computersimulationen könne man heutzutage die starren Testsysteme bereits erweitern. Außerdem müssten Sicherheitssysteme (Gurte, Airbags) intelligenter werden. Klug ärgert es, dass Frauen in vielen Bereichen auf ihre biologischen Merkmale reduziert werden, während es hier, wo es tatsächlich notwendig wäre, nicht passiert.
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