Ungeklärte Verbrechen

Personalnot: Steirische Gerichtsmediziner am Limit

Steiermark
05.05.2026 05:00

Immer mehr Gewaltdelikte drohen, ungeklärt zu bleiben. Der Grund: Die Gerichtsmedizin leidet unter Personalmangel. Eine Pensionierungswelle trifft auf fehlenden Nachwuchs – in Graz sind aktuell nur fünf Fachärzte tätig.

Die Gerichtsmedizin ist am Limit. Österreichweit sind gerade einmal 18 Ärzte an universitären Standorten tätig – ihr Durchschnittsalter liegt bei 62 Jahren. Und das Fachgebiet ist riesig: Neben der klassischen Obduktion gehören unter anderem Tatortbesichtigungen, Tatrekonstruktionen oder die Untersuchung von Gewaltopfern zum Berufsbild.

„In den vergangenen Jahren wurden vergleichsweise wenige Fachärztinnen und Fachärzte für die Gerichtsmedizin ausgebildet. Entsprechend besteht derzeit ein deutlicher Bedarf an Nachwuchs“, sagt Sarah Heinze, Leiterin der Grazer Gerichtsmedizin. An dem Institut der Med Uni Graz sind aktuell fünf Fach- und zwei Assistenzärzte tätig.

Sarah Heinze leitet die Gerichtsmedizin an der Med Uni Graz.
Sarah Heinze leitet die Gerichtsmedizin an der Med Uni Graz.(Bild: MedUni Graz/Helmut Lunghammer)

Heinze appelliert: „Neben polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen leisten gerichtsmedizinische Untersuchungen einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung von Gewaltdelikten. Viele Tötungsdelikte sind gerichtsmedizinisch durch eine rein äußere Totenbeschau nicht eindeutig erkennbar, weshalb Obduktionen und spezialisierte Untersuchungen eine wichtige Rolle spielen.“

Dunkelziffer bei Gewaltdelikten steigt
Experten gehen davon aus, dass der aktuelle Personalmangel für eine höhere Dunkelziffer bei Verbrechen sorgt. Auch für unsere Rechtssicherheit sind entsprechend ausgebildete Ärzte entscheidend – auf Basis ihrer Gutachten von Gewaltopfern werden Gerichtsurteile gefällt.

Unter dem Nachwuchsmangel leidet auch die Grazer Gewaltambulanz. Opfer jeglicher Form von körperlicher oder sexueller Gewalt können hier kostenlos untersucht – und somit Beweise dokumentiert werden. Im Jahr 2025 wurden in Graz 292 klinisch-forensische Analysen von Verletzungen durchgeführt, Tendenz steigend.

In diesen Bereich wurde zuletzt aber auch investiert: Das Pilotprojekt „Modellregion Süd“ und das Gewaltambulanzenförderungs-Gesetz sollen die Einrichtungen stärken. In diesem Zusammenhang wurden auch neue Räumlichkeiten für die Gewaltambulanz am Campus der Med Uni eröffnet. 

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