Fr, 22. Juni 2018

Black Box übergeben

22.07.2014 07:17

MH17: Propagandakrieg zwischen USA und Russland

Für Washington und Kiew ist der Fall klar: Prorussische Separatisten haben die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 am Donnerstag im Osten der Ukraine abgeschossen. Moskau widerspricht und legte am Montag Dokumente vor, die belegen sollen, dass ein ukrainischer Kampfjet die Maschine abgeschossen habe. Nun soll der Flugschreiber Licht ins Dunkel bringen: Er wurde in der Nacht auf Dienstag von den Rebellen ausgehändigt.

Ein Abfangjäger vom Typ Suchoi-25 sei auf die Boeing 777 zugeflogen, sagte Generalleutnant Andrej Kartopolow vom russischen Generalstab. Die Entfernung der Su-25 zur Boeing habe zwischen drei und fünf Kilometern betragen, ergebe sich aus Aufzeichnungen der russischen Flugüberwachung. Ein solcher Kampfjet sei mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet, die auf diese Entfernung ein Ziel hundertprozentig zerstören könnten. Die Ukraine solle Auskunft über dieses Flugzeug geben, forderte Kartopolow.

Zudem legte Russland am Montagabend als erster Staat Satellitenaufnahmen vom Absturztag vor. Auf den Satellitenbildern war nach Angaben des Generalstabs auch die Stationierung von ukrainischen Flugabwehrsystemen des Typs "Buk" (Buche) im Separatistengebiet zu sehen. Moskau verlangte von Kiew eine Erklärung dafür, weshalb dort solche Waffen aufgestellt würden, obwohl die Aufständischen keine Flugzeuge hätten.

Poroschenko vergleicht Abschuss mit 9/11
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko wies die russischen Anschuldigungen umgehend zurück: Alle im Umfeld des Absturzortes befindlichen ukrainischen Jets seien zum Unglückszeitpunkt am Boden gewesen, sagte er in einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN. Zugleich ließ er mit einem dramatischen Vergleich aufhorchen: Er sehe keinen Unterschied zwischen den Terroranschlägen am 11. September 2001, dem Lockerbie-Anschlag und dem Absturz von MH17, sagte Poroschenko.

US-Präsident Barack Obama beschuldigte am Montag zudem die Separatisten, Beweise vom Absturzort der Boeing entfernt zu haben. "Was haben sie zu verbergen?", fragte Obama in seiner Rede im Weißen Haus und erhöhte den Druck auf Russland, bei der Untersuchung des Absturzes zu kooperieren.

Obama: "Putin muss Worten Taten folgen lassen"
Obama nahm seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in die Pflicht, dieser müsse nun seinen Bekundungen zur Kooperationsbereitschaft auch Taten folgen lassen. Russland müsse dafür sorgen, dass die Separatisten die Untersuchungen zur Absturzursache nicht länger behinderten.

Die Ermittlerteams müssten freien Zugang zur Absturzstelle und den Leichen erhalten. Sollte Russland seinen Kurs nicht ändern, würde es sich nur weiter isolieren und einen immer höheren Preis dafür zahlen müssen, so der US-Präsident.

Flugschreiber übergeben, Waffenruhe an Absturzstelle
Nach der massiven internationalen Kritik haben die Rebellen die Kooperation mit den Ermittlern tatsächlich verbessert. In der Nacht auf Dienstag wurde der Flugschreiber von Flug MH17, der zuvor in den Händen der Separatisten gewesen war, an eine malaysische Delegation in der Ukraine übergeben. Malaysias Ministerpräsident Najib Razak hatte am Montag angekündigt, er habe eine entsprechende Übereinkunft mit dem Separatistenführer Alexander Borodaj erreicht.

Eine Delegation von zwölf Experten aus Malaysia hatte nach Angaben der russischen Agentur Interfax den Tag über in Donezk mit den Separatisten verhandelt. Borodaj sagte bei der Übergabe der Black Box, diese würde "die Wahrheit enthüllen". Außerdem verkündete Borodaj Dienstag früh eine Waffenruhe im Umkreis von zehn Kilometern um die Absturzstelle.

Suche nach Opfern offiziell beendet
Laut der ukrainischen Regierung ist die Suche nach den Opfern des Absturzes nun offiziell beendet. Die Helfer hätten 282 Leichen sowie 87 Leichenteile der übrigen 16 Todesopfer gefunden. Die sterblichen Überreste von etwa 280 Opfern werden derzeit in Eisenbahn-Kühlwaggons von der Ortschaft Tores in die rund 300 Kilometer entfernte Stadt Charkiw transportiert.

Dort warte bereits eine internationale Expertengruppe unter anderem aus den Niederlanden und Deutschland, sagte der Vizeregierungschef. In einem letzten Schritt sollen die Leichen dann in die Niederlande zur Identifizierung geflogen werden.

Sicherheitsrat fordert unabhängige Untersuchung
In einer kurzfristig einberufenen Sitzung des UNO-Sicherheitsrats stimmten alle 15 Mitglieder einer Resolution zu, in der eine unabhängige Untersuchung des Abschusses gefordert wird. Russland hatte zunächst einen eigenen Resolutionsentwurf eingebracht, nickte dann aber eine gemeinsam überarbeitete Version des australischen Vorschlags ab.

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