Weibliche Flüchtlinge haben es deutlich schwerer als männliche, einen Job in Österreich zu finden. Von jenen Asylsuchenden, die 2015 und 2016 ins Land kamen, waren nach acht bis neun Jahren 75 Prozent der Männer, aber nur 40 Prozent der Frauen in Beschäftigung.
Das zeigt eine Studie des Migrationsforschers Rainer Münz für den Integrationsfonds, die am Dienstag von Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) präsentiert wurde. Bei jenen, die 2019 Österreich erreichten, ging die Integration rascher. Ihre Erwerbsquoten lagen fünf Jahre später bei über 60 Prozent (Männer) bzw. fast 30 Prozent (Frauen).
Frauen aus Somalia nur zu einem Drittel am Arbeitsmarkt vertreten
Besonders niedrig ist die Quote bei weiblichen Flüchtlingen aus Somalia. Nach acht bis neun Jahren waren nur knapp 33 Prozent in „ausreichender Beschäftigung“. Bei Afghaninnen waren es immerhin rund 38 Prozent, bei Syrerinnen 36 Prozent. Ein ähnliches Phänomen gab es bei der entsprechenden Flüchtlingsbewegung auch bei Tschetscheninnen, erläuterte Münz.
Grundsätzlich rascher geht die Integration in den Arbeitsmarkt bei anderen Zuwanderer-Gruppen. Bei EU-Bürgern waren im Jahr nach der Ankunft etwa drei Viertel erwerbstätig. Langfristig stieg der Wert auf 80 Prozent. Bei regulär zugewanderten Drittstaatsangehörigen (von außerhalb der EU) waren im ersten Jahr nach der Zuwanderung etwa zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen beschäftigt. Bei jenen, die länger im Land blieben, stieg der Anteil der Erwerbstätigen bei Männern auf über 85 und bei Frauen auf über 70 Prozent.
Relativ wenige bleiben in Österreich
Jedoch bleiben insgesamt deutlich weniger Menschen in Österreich als wohl allgemein angenommen. Von den zugewanderten EU-Bürgerinnen und -Bürgern hatte nach drei bis vier Jahren bereits die Hälfte das Land wieder verlassen. Nur etwa ein Drittel bleibt längerfristig im Land. Bei den Drittstaatsangehörigen waren vier bis fünf Jahre nach der Zuwanderung immerhin noch zwei Drittel in Österreich. Von jenen Personen, die im Rahmen der großen Fluchtbewegung 2015 und 2016 Asyl beantragten, blieb etwas mehr als die Hälfte im Land. Bei den 2022 außerhalb des Asylverfahrens als Vertriebe aufgenommenen ukrainischen Staatsangehörigen waren nach zwei Jahren noch über 70 Prozent hier.
Integrationsministerin Bauer folgerte aus der Studie, die auf Daten der Sozialversicherung fußt, dass Integration nicht immer für alle gleich schnell gehe. Doch sie funktioniere auch dank der Maßnahmen ihres Ressorts schneller als in der Vergangenheit. Zentral sei, über den Ausbau von Integrationsmaßnahmen schneller aus der Grundversorgung zu kommen.
Dass laut der Studie in Wien eine unterdurchschnittliche Beschäftigung von Zugewanderten vorhanden ist, sieht Bauer im Zusammenhang mit Anreizen, einer Arbeit nachzugehen. Es brauche gute Rahmenbedingungen, damit sich Arbeit auch auszahle im Vergleich zu Sozialleistungen.
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