Fr, 22. Juni 2018

Militär stand bereit

14.07.2014 11:16

Streit um Heß-Leiche zwischen Briten und Russen

Bizarrer Streit um die Leiche eines führenden Nazis: Wie geheime Dokumente des britischen Außenministeriums enthüllen, wäre es in der Frage, was mit dem Leichnam von Rudolf Heß nach dessen Tod im Gefängnis passieren soll, beinahe zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den britischen und den russischen Besatzern gekommen. London wollte die Überreste der Familie übergeben und hatte Angst vor einer möglichen Intervention Moskaus, berichtete die britische "Mail Online" am Wochenende.

Heß, einer der wichtigsten Männer an der Seite Adolf Hitlers und dessen "Stellvertreter", wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vor dem Nürnberger Tribunal wegen der Planung eines Angriffskrieges und der Verschwörung gegen den Weltfrieden zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese verbüßte er von 1947 bis zu seinem Tod im Jahr 1987 im Gefängnis von Berlin-Spandau.

Die Haftanstalt stand unter der Leitung der Alliierten, die sich im Monatsabstand bei der Bewachung der Häftlinge abwechselten. Es lief nicht immer alles reibungslos. Aber so zerstritten wie in der Frage, was mit der Leiche von Heß nach dessen Tod passieren soll, waren sie bei keinem anderen Thema. Laut dem "Mail Online" vorliegenden Dokument plante die britische Regierung - entgegen einer Abmachung mit Russland und den anderen Staaten -, die Leiche zu verbrennen und die Asche der Familie Heß zu übergeben.

Britische Truppen sollten Leiche "beschützen"
Weil man aber befürchtete, dass Moskau dies nicht akzeptieren und sich den Plänen widersetzen würde, wurden offenbar Vorbereitungen getroffen. So heißt es in einer Passage des 33 Jahre alten Papiers: "Wenn die Russen versuchen, den Körper aus dem Gefängnis zu entfernen, werden sie mit britischen Truppen daran gehindert."

Für den umgekehrten Fall, also wenn russische Soldaten den Abtransport der Leiche hätten verhindern wollen, wurden ebenso Vorkehrungen getroffen. "Wenn die Russen versuchen, den Abtransport der Leiche zu verhindern (…), wird eine kleine Streitmacht sie in Schranken halten." Hätte sich der Streit länger hingezogen, habe London sogar geplant, die Leiche einzufrieren, berichtete die britische Zeitung.

Grab wurde zu Neonazi-Pilgerstätte
Am Ende kam es ganz anders: Nach dem Selbstmord des damals bereits 93-jährigen Heß - er hatte sich in seiner Zelle erhängt - rissen weder die Russen noch die Briten die Leiche des Kriegsverbrechers an sich. Diese wurde zunächst an einem unbekannten Ort begraben. Mit der Zeit wurde der Bestattungsort im oberfränkischen Wunsiedel jedoch bekannt, woraufhin regelmäßig Mitglieder der Neonazi-Szene dorthin pilgerten - bis im Jahr 2011 die Leiche exhumiert und das Grab stillgelegt wurden. Anschließend wurde der Leichnam verbrannt und die Asche im Meer verstreut.

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