Stadtpolitik mit KI

Zwei Studenten haben den Gemeinderat „geknackt“

Oberösterreich
22.04.2026 11:57

Was wird im Gemeinderat eigentlich beschlossen – und wer treibt welche Themen voran? Zwei Linzer Studenten wollten sich nicht länger durch unübersichtliche Protokolle kämpfen und entwickelten ein digitales Dashboard, das Anträge, Debatten und Abstimmungen erstmals einfach zugänglich macht. Sogar ein Chat beantwortet Fragen dazu. Wie die Idee entstand und was das Tool kann.

Wer wissen will, was im Linzer Gemeinderat tatsächlich passiert, braucht bisher vor allem eines: Zeit. Protokolle mit hunderten Seiten, lange Videoaufzeichnungen und kaum brauchbare Suchfunktionen machen den Zugang mühsam. „Ohne Vorwissen und Zeit hat man hier keine Chance durchzublicken“, sagt Emre Kaya.

Gemeinderats-Dashboard mit KI
Gemeinsam mit Studienkollege Martin Gatzweiler hat er deshalb eine eigene Lösung entwickelt. Unter linz.politikdashboard.at haben die beiden Studenten eine Plattform aufgebaut, die politische Arbeit erstmals übersichtlich darstellt. Mehr als 1200 Anträge, 287 Anfragen und rund 3400 Wortmeldungen aus der laufenden Funktionsperiode sind dort strukturiert erfasst und frei durchsuchbar. Die Grundlage bildet ein KI-System, das die offiziellen Protokolle automatisch analysiert, Inhalte erkennt und miteinander verknüpft. Dadurch lassen sich nicht nur einzelne Themen schnell finden, sondern auch Zusammenhänge sichtbar machen.

Zwei Studenten bringen Ordnung in Protokolle und machen auf ihrer neuen Plattform sichtbar, was ...
Zwei Studenten bringen Ordnung in Protokolle und machen auf ihrer neuen Plattform sichtbar, was hinter Beschlüssen, Wortmeldungen und Anträgen im Gemeinderat im Alten Rathaus steckt.(Bild: Pressefoto Scharinger/Daniel Scharinger)

„Wir wollen die Politik greifbar machen“
Nutzer können etwa nachvollziehen, wer welche Anträge eingebracht hat, wie abgestimmt wurde oder welche Themen besonders häufig diskutiert werden. Ein zentrales Element ist ein Chat, der Fragen in Alltagssprache beantwortet und direkt auf die jeweiligen Quellen verweist. „Wir wollen die Politik greifbar machen“, sagt Kaya. „Viele würden sich mehr dafür interessieren, wenn die Informationen verständlich aufbereitet wären.“ Das Projekt ist kostenlos zugänglich und richtet sich an alle, die sich einen Überblick über die lokale Politik verschaffen wollen. Für die Entwickler ist Linz dabei nur der Anfang. So soll das System auch auf andere Gemeinden ausgeweitet werden.

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