Fr, 20. Juli 2018

Politiker im Visier

05.07.2014 13:16

Kinderschänder-Skandal im britischen Parlament

Ein Kindesmissbrauchsskandal von unfassbarem Ausmaß erschüttert derzeit Großbritannien: Dutzende Politiker sehen sich dort mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Wie der britische "Telegraph" berichtete, handelt es sich bei den Verdächtigen teils um ehemalige, teils um noch aktive Politiker, die entweder selbst Kinder missbraucht haben sollen - oder den Missbrauch durch ihr Schweigen gedeckt haben dürften.

Insgesamt zehn amtierende und ehemalige Politiker stehen als Kinderschänder unter Verdacht, werden laut dem Zeitungsbericht auf der Ermittlungsliste der Polizei geführt. Unter ihnen auch Parlamentsmitglieder aller großen britischen Parteien, sogar ehemalige Minister sollen laut "Telegraph" im Visier der Ermittler sein. Namentlich bekannt sind demnach unter anderem die beiden verstorbenen Parlamentsmitglieder Cyril Smith und Sir Peter Morrison.

Kinderrechtler brachte Fall ins Rollen
Die Ermittlungen von Scotland Yard mit dem Namen "Operation Fernbridge" gründen offenbar auf Informationen des bekannten Kinderrechtlers Peter McKelvie. Über 20 Jahre lang sammelte der Whistleblower Material über Kindesmissbrauch in den höchsten britischen Gesellschaftskreisen, hieß es in dem Bericht.

"Ich glaube, es gibt genügend Anhaltspunkte, Ermittlungen gegen mindestens 20 Mitglieder des Parlaments und Lords anzustellen", sagte McKelvie gegenüber dem "Telegraph". Seinen Angaben zufolge sollen weitere 20 Politiker von den Missbrauchsfällen gewusst und diese gedeckt haben.

Premier David Cameron hatte unlängst das Thema Kindesmissbrauch durch Politiker auf seine politische Agenda gesetzt. Konkret lässt er derzeit einen Fall aus den 80er-Jahren wieder aufrollen. Die Ermittlungen damals waren nicht beendet worden, weil wichtige Dokumente plötzlich verschwunden waren.

Neue Vorwürfe gegen verurteilten Ex-BBC-Moderator
Mit neuen Missbrauchsvorwürfen konfrontiert sieht sich unterdessen auch der frühere BBC-Star-Moderator Rolf Harris. Zwölf Frauen aus Großbritannien, Australien und Neuseeland hätten sich gemeldet und dem 84-Jährigen weitere Taten zur Last gelegt, teilte die Anwaltskanzlei Slater and Gordon vor wenigen Tagen mit. Es handle sich um mutmaßliche Fälle von Kindesmissbrauch.

Der Ex-Moderator ist bereits in zwölf Fällen wegen sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen und zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Harris zwischen 1968 und 1986 mehrere Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen sieben und 19 Jahren vergewaltigt hatte. Noch sei nicht absehbar, ob Harris sich wegen der neuen Vorwürfe erneut vor Gericht verantworten müsse, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Harris selbst war noch 2012 bei einem Konzert zum diamantenen Thronjubiläum von Elizabeth II. aufgetreten. Er malte auch 2005 das Porträt der Queen zu ihrem 80. Geburtstag. Mehr als drei Jahrzehnte lang war der aus Australien stammende Entertainer regelmäßiger Gast im britischen Fernsehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.