Tradition trifft auf Hightech: Die St. Pöltner Traditionsbäckerei Hager setzt auf künstliche Intelligenz – für bessere Planung, höchste Qualität und weniger Verschwendung, ohne dabei das ehrliche Bäckerhandwerk aus den Augen zu verlieren.
Seit fast 110 Jahren steht die Bäckerei Hager im Norden von St. Pölten für echtes Handwerk. In vierter Generation geführt, versorgt das Unternehmen mit seinen zwölf Filialen täglich die Menschen im Zentralraum Niederösterreich – und das an sieben Tagen die Woche.
Trotz dieser langen Tradition blickt man in dem Familienbetrieb klar in Richtung Zukunft. Digitalisierung und künstliche Intelligenz halten zunehmend Einzug – jedoch mit klaren Grenzen.
„Ich kann mit Fugen und Recht sagen, dass wir sehr stolze Bäcker sind. Es gibt bei uns ein Grundprinzip: ohne Einflussnahme auf die Qualität wird die Technologien nicht eingesetzt“, betont Inhaber Wolfgang Hager.
KI plant – der Mensch backt
Auch wenn moderne Technologien Einzug halten, bleibt eines klar: Die eigentliche Herstellung bleibt Handarbeit. „Die Herstellung hat mit KI bis jetzt noch relativ wenig, bis nichts zu tun“, stellt Hager klar.
Stattdessen unterstützt die künstliche Intelligenz vor allem bei der Planung – ein entscheidender Faktor im Bäckereigeschäft:
„Wir müssen genau wissen, welche Mengen wann gebraucht werden. Früher hat das der Mensch alleine entschieden, heute unterstützt uns dabei die KI.“

Wolfgang Hager, Inhaber der Bäckerei Hager
Bild: Bäckerei Hager
Noch steckt das System in den Kinderschuhen, doch die Richtung ist klar: „Wir glauben, dass das mittelfristig noch stärker involviert wird – bis hin zu wann soll eigentlich in der Filiale was gebacken werden.“
Wenn Temperatur zum Faktor wird
Ein besonders spannender Einsatzbereich für KI könnte künftig in der Produktion liegen – etwa beim Ausgleich von Umwelteinflüssen. Gerade bei aufwendig hergestellten Broten ist Konstanz eine Herausforderung.
„Es ist doch recht kompliziert das manche Brote, die in der Langzeitführung hergestellt werden, dass die konstant jeden Tag gleich sind. Wir haben jetzt andere Temperaturen wie noch vor zwei Monaten – und genau da soll uns die Technologie helfen“, so Hager. Das Ziel: gleichbleibende Qualität – ganz ohne Zusatzstoffe.
Digitalisierung gegen Verschwendung
Das Projekt „Digitale Transformation der Bäckerei Hager“ setzt genau hier an. Mithilfe der BBN-Software und KI-gestützter Prognosemodelle werden Bestellprozesse automatisiert und Produktionsabläufe optimiert.
Das bringt gleich mehrere Vorteile: bessere Datenqualität, effizientere Lagerhaltung und vor allem weniger Lebensmittelverschwendung. Durch präzisere Vorhersagen soll genau jene Menge produziert werden, die auch tatsächlich gebraucht wird.
Wachstum mit Gefühl und Technik
Für die Zukunft hat man in St. Pölten große Pläne. Wachstum, mehr Planung und gleichzeitig mehr Emotion im Produkt – etwa durch Trends wie Sauerteig.
„Wir sehen jetzt schon bei den letzten Entwicklungen, dass wir den emotionalen Punkt unserer Kunden voll getroffen haben.“

Wolfgang Hager, Inhaber der Bäckerei Hager
Bild: Bäckerei Hager
Gleichzeitig wird die Produktion stärker technisiert: „Das Thema Planung ist aus der Produktion nicht mehr wegzudenken. Das ist ein ganz entscheidender Faktor. Dafür brauchen wir natürlich auch Technologie“, so Hager weiter.
Ein Prozess ohne Ende
Für Hager ist klar: Digitalisierung ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein laufender Prozess. „Das Ganze ist kein Projekt im klassischen Sinne, wo das Ganze ein Ende hat, sondern es ist ein Prozess. Und diesen Prozess sind wir stolz, gestartet zu haben“, betont er abschließend.
Mit smarter Planung, weniger Verschwendung und unverändert hoher Handwerkskunst will die Bäckerei Hager auch künftig eines garantieren: Frisches, hochwertiges Gebäck – und das bis kurz vor Ladenschluss. Das Ziel bleibt dabei immer gleich: bessere Produkte für die Kunden – zu jeder Tageszeit.