Just am „Tag des Notrufs“ gingen Tirols Sanitäter selbst mit einem Notruf an die Öffentlichkeit. Im Zentrum der Kritik: Veraltetes Gerät, schlechte Arbeitszeiten und das derzeitige Ausbildungsmodell.
Wer in einen Unfall verwickelt ist, der wählt die 144, damit die Rettung zu Hilfe eilt. Wenn die Rettung selbst einen Notfall hat, dann wählt sie – den Gang an die Öffentlichkeit. „Gespräche in den vergangenen Jahren haben zu nichts geführt“, erklären Stefan Wehinger, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender vom Roten Kreuz Innsbruck, und Horst Maier, Betriebsratsvorsitzender beim Samariterbund Tirol, warum sie zusammen mit Sonja Föger-Kalchschmied, der Landesvorsitzenden des ÖGB in Tirol, nun Alarm schlagen.
Arbeitnehmerschutzgesetz im Visier
Der Grund: „Steigende Einsatzzahlen, Personalmangel und fehlende strukturelle Verbesserungen gefährden die Versorgungssicherheit in Tirol.“ Viele neue Sanitäter würden mit großer Motivation ihren Dienst am Mitmenschen beginnen. „Nach wenigen Jahren verlassen sie aber den Beruf wieder, weil die Belastung zu hoch ist.“
Im Fokus der Kritik steht erstens das Arbeitnehmerschutzgesetz. „Es fehlen moderne Tragen und Tragestühle, die mittels Hydraulik den Transport von Patienten deutlich erleichtern könnten.“ Die Betriebsräte fordern daher die Anschaffung von 200 modernen Liege- und Tragestühlen.
Wenn du dauerhaft überlastet bist, gehst du irgendwann selbst kaputt. Es braucht dringend bessere Bedingungen und Reformen.

Horst Maier, Samariterbund Tirol
Bild: Manuel Schwaiger
Bessere Arbeitszeiten und Ausbildung gefordert
Der zweite Kritikpunkt betrifft die Arbeitszeiten. „Umkleide- und Rüstzeiten werden nicht in die Arbeitszeit eingerechnet. Pausen, die uns eigentlich zustehen würden, können entweder gar nicht eingehalten oder nicht so gestaltet werden, wie wir das gerne hätten. Und wir spüren den Personalnotstand bei Hausärztinnen und in den Krankenhäusern. Oft werden wir wegen Dingen gerufen, für die wir nicht zuständig sind. Nicht zuletzt bedeuten Zwölf-Stunden-Dienste ein Durchfahren, für Verschnaufpausen bleibt kaum noch Zeit.“
Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit Jahren am Limit und oft darüber hinaus. Einsätze werden mehr, die Pausen weniger.

Stefan Wehinger, Rotes Kreuz Innsbruck
Bild: Schwaiger Manuel
Wehinger und Maier fordern flächendeckende Primärversorgungszentren sowie eine funktionierende Patientenhotline 1450. Nicht zuletzt fordern sie eine bessere Ausbildung, „die auch einen Wechsel in andere Gesundheitsberufe zulässt“.
Was sagt Thomas Wegmayr, Geschäftsführer der Rotes Kreuz Tirol gemeinnützige Rettungsdienst GmbH, zum Notruf der beiden Betriebsräte? „Wir sind gerade dabei, die geforderten hydraulischen Liegen nach und nach in den neuen Fahrzeugen zu implementieren. Derzeit sind zwei im Einsatz. Der Pilotbetrieb läuft.“
Bezüglich der Tragestühle sei man derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Modell. „Hier steckt die Technologie leider noch in den Kinderschuhen.“
Verweis auf Positionspapier
Hinsichtlich der Forderung nach besseren Arbeitszeitbedingungen und der Anrechnung der Umkleide- und Rüstzeiten meint der GF, dass „es in den vergangenen Jahren schon wesentliche Verbesserungen gab und fortlaufend Gespräche stattfinden“. Und er verweist auf eine laufende Feststellungsklage, deren Ausgang man noch abwarten würde. Zur Forderung nach einer besseren Ausbildung, die auch einen Wechsel in andere Gesundheitsberufe zulässt, beruft er sich auf ein entsprechendes Positionspapier des Roten Kreuzes. In diesem ist nachzulesen, dass „das bestehende Ausbildungssystem als bedarfsgerecht erachtet wird“.
Beim Patiententransport setzen wir auf eine schrittweise Umrüstung der Fahrzeuge.

LR Cornelia Hagele
Bild: Christof Birbaumer
„Reform wird auf Bundesebene entschieden“
Auf „Krone“-Nachfrage bezieht auch Tirols Gesundheits-LR Cornelia Hagele (ÖVP) Stellung: „Die Reform des Sanitätergesetzes ist ein notwendiger Schritt, der wird allerdings auf Bundesebene entschieden. Beim Patiententransport setzen wir auf eine schrittweise Umrüstung der Fahrzeuge, um die körperliche Belastung der Sanitäter zu verringern. Die zunehmende Belastung ist uns bewusst. Wir arbeiten kontinuierlich an Lösungen.“
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