Uni-Diskussion

Bei Altersvorsorge warten alle auf den großen Wurf

Oberösterreich
14.04.2026 13:00

Steigende Lebenserwartung, sinkende Geburtenraten und strukturelle Schwächen setzen das Pensionssystem unter Druck. Trotzdem basiert die Altersvorsorge nach wie vor überwiegend auf einer einzigen Säule - der staatlichen Pension. Dieses Modell gerät an seine finanzielle Grenze. Das war Thema einer Diskussion an der Linzer JKU. Ausrichter war das Institut für Versicherungswirtschaft.

Es ist ein Thema, mit dem sich kaum einer freilich beschäftigen will: Das heimische Pensionssystem ist auf Crash-Kurs. Laut einer Vorsorgestudie gehen 60 Prozent der Österreicher davon aus, dass sie in der Pension weiterarbeiten müssen – Tendenz steigend. Gleichzeitig sorgen sich mehr als drei Viertel der Jungen bereits jetzt um ihre Altersvorsorge. „Daher ist es wichtig, dass wir früh beginnen, an unsere Altersvorsorge zu denken. Denn das Vertrauen in das staatliche Pensionssystem sinkt und – Kapital ist Zeit mal Geld“, so Othmar Nagl, Vorsitzender des Instituts für Versicherungswirtschaft und Generaldirektor der Oberösterreichischen Versicherung 

„System fährt gegen die Wand“
„Das österreichische Pensionssystem fährt derzeit sehenden Auges gegen die demografische Wand“, warnt Hanno Lorenz, stellvertretender Direktor der Agenda Austria: „Während die Lebenserwartung steigt, verharren wir in einem System, das fast ausschließlich auf einer Säule, der öffentlichen Pension ruht. Dieses Umlageverfahren stößt aber aufgrund politischer Reformunwilligkeit an seine finanziellen Belastungsgrenzen.“ Immer weniger Erwerbstätige müssen für immer mehr Pensionisten aufkommen.

Höheres Antrittsalter, Selbstbehalte im Gesundheitswesen
„Wenn wir eine gute Altersvorsorge auch in Zukunft erhalten wollen, müssen wir das System jetzt wetterfest machen. Das bedeutet: Wir müssen das gesetzliche Pensionsantrittsalter automatisch an die Lebenserwartung koppeln, Förderungen neu denken, Selbstbehalte im Gesundheitswesen einführen und den Mut für eine echte Strukturreform hin zu einem stabilen Drei-Säulen-Modell aufbringen“, so Lorenz.

So machen´s andere Länder
Als nachhaltige Pensionssysteme nennt Lorenz Länder wie Schweden, Dänemark und die Niederlande. Sie alle setzen frühzeitig auf eine stärkere Kapitaldeckung und automatische Anpassungsmechanismen wie die Kopplung des Pensionsalters an die Lebenserwartung. Auch die Beschäftigungsquote der 55- bis 65-jährigen ist besonders hoch. Diese liegt nach der letzten Erhebung 2023 in Schweden bei 78 Prozent, in Österreich lediglich bei 57,3 Prozent.

Das sagt der Versicherer
Markus Reindl, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für betriebliches Vorsorgewesen, Lebensversicherung und Pensionsversicherung, sagt: „Die Kombination aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge ist ein wackeliges Dreibein. Bei der gesetzlichen Pension sind Anpassungen unabdingbar. In der betrieblichen Vorsorge bedarf es größerer Eingriffe, um die Arbeitnehmerschaft breiter sinnvoll zu erfassen.“

Reindl erklärt: „Ich bin überzeugt, dass gerade die betriebliche Vorsorge für die breite Masse der arbeitenden Bevölkerung eine ideale Zusatzpension darstellen würde. Um hier eine Basis zu schaffen, bedarf es aber gesetzlicher Änderungen.“ 

Das meint der Chef des Fiskalrates
Christoph BadeltPräsident des Fiskalrates, sagt: „Das österreichische Pensionssystem ist grundsätzlich finanzierbar, aber es braucht Reformen. Die vorgeschlagenen Anpassungen sind kein „Wegnehmen“, sondern im Gegenteil eine Absicherung bestehender und zukünftiger Pensionen. Und sie dienen auch dazu, zusätzliche Mittel für die steigenden Pflegekosten zu generieren. Das langfristige Wachstum der Gesundheitsausgaben macht es nötig, durch Strukturreformen die Finanzierbarkeit des Systems sicherzustellen. Daher muss die Effizienz des Systems dringend gesteigert werden, z.B. durch Beseitigung der vielen Doppelzuständigkeiten bei der Finanzierung. Es muss aber auch eine Grundsatzdiskussion darüber geführt werden, welche Leistungen langfristig vom öffentlichen Gesundheitswesen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden können.“

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