Haus & Garten erzählen

Habsburger-Tochter, Napoleons Soldaten, Bischöfe

Kärnten
26.04.2026 16:01

Kaum bekannt ist vielen die Geschichte des Palais in der Mariannengasse in Klagenfurt. Spannendes über Errichtung und Veränderungen erforschte Historiker Robert Kluger. Lesen Sie von der Erzherzogin mit dem Buckel, vom Wunsch des Kaisers, den Bau loszuwerden, von Napoleons Soldaten und den Hirschen, von Bischöfen.

Eine Erzherzogin und 15 Bischöfe zählen zu den bisherigen Bewohnern eines Palais, dessen Geschichte nun erzählt wird. Das Palais in der Mariannengasse in Klagenfurt zählt neben Schloss Rosegg und Schloss Pöckstein zu den drei einzigen barocken Neubauten Kärntens. „Das Schloss in Klagenfurt ist zudem das einzige Gebäude, das die Habsburger in Kärnten errichten ließen“, so Robert Kluger. Dennoch war es bisher kaum erforscht. Der Historiker stöberte jahrelang in Archiven und erzählt nun in einem Buch Spannendes und Überraschendes über den wichtigen Schauplatz der Geschichte, vom Wunsch des Kaisers, den Bau loszuwerden, von Napoleons Soldaten und den Damhirschen, von Bischöfen und der Erzherzogin.

Maria Anna, eine Tochter von Franz Stephan und Maria Theresia, hatte eine verwachsene Wirbelsäule, einen Buckel; eine Heirat war unmöglich. In Wien hätte ihr Bruder Joseph II. sie nicht ständig haben wollen, ins Damenstift nach Prag, dessen Äbtissin sie war, wollte die Erzherzogin nicht gehen. Sie bat um ein Palais in Klagenfurt. Mit Nikolaus Pacassi wurde der bedeutendste österreichische Architekt dieser Zeit beauftragt. 1769 wurde mit dem Bau begonnen, der damals außerhalb der Stadt stand. Nur wenige Jahre – von 1781 bis 1789 – sollte Maria Anna, die in der Krypta im direkt anschließenden Elisabethinen-Kloster bestattet wurde, darin wohnen.

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In der Architekturgeschichte nimmt die Epoche Maria Theresias eine herausragende Stellung ein. Der einzige Habsburger-Bau Kärntens fand bisher wenig Beachtung.

Robert Kluger, Historiker und Buchautor

Ein Garten durfte nie langweilig werden 
„Es entstand ein Gartenpalais. Von einem Wasserturm an der Glan führte eine hölzerne Leitung über etwa einen Kilometer durch die Pischeldorfer Straße in den Garten, um die drei Springbrunnen zu speisen“, weiß Robert Kluger. An der Straßenseite befindet sich ein kleiner Ehrenhof, in dem früher keine Pflanzen wuchsen. Durch das Vestibül, einen Empfangsraum, gelangte man in die Sala Terrena. „Dieser Gartenraum war schon in Grün gestaltet und schuf die Verbindung zum Großen Parterre, zum flachen Garten, der an beiden Seiten von Alleen, vom Boskett, begrenzt wurde.“ Ein paar Schritte weiter wurde auch ein kleiner Hügel angelegt, dann Edelobst wie Birnen, Pfirsiche und Weintrauben gepflanzt, was es damals nur in Kloster- und Adelsgärten gab. Direkt unter Maria Annas Fenstern befand sich der Kammergarten. „Wie ein Teppich vor der Wohnung. Ein Barockgarten war so aufgebaut, wie ein Haus mit mehreren Zimmern; jeder Bereich sah anders aus und war für was anderes gedacht. Wichtig war: Der Garten durfte nie langweilig werden. Denn die Adeligen bewegten sich dort, und nur dort; ihre Welt hörte bei den Mauern auf, draußen war die als bedrohlich empfundene Natur“, weiß Kluger, der seit 22 Jahren im Nebengebäude des Palais arbeitet: als Archivar der Diözese Gurk.

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Das Mariannen-Palais war nie protzig, schon beim Bau wurde Wert auf bequemes Wohnen gelegt. 

Robert Kluger erforschte die Geschichte des Palais und des Gartens

Im Palais hatte Maria Anna im ersten Stock eine Wohnung – Richtung Elisabethinen-Kloster. Eine zweite Wohnung war für den Obersthofmeister vorgesehen. Dazwischen gab es natürlich Repräsentationszimmer wie das Paradezimmer mit 36 Familienportraits.

Schloss & Garten...

... Erzherzogin Maria Annas in Klagenfurt: Jahrelange Recherearbeit führten nun zum Buch, das auf 303 Seiten und mit 241 Abbildungen den bisher kaum erforschten und gewürdigten, einzigen Habsburger-Bau in Kärnten und dessen Entwicklung beschreiben.

Erhältlich ist Robert Klugers Buch „Schloss & Garten Erzherzogin Maria Annas in Klagenfurt“, das im Verlag des Geschichtsvereines erschienen ist, unter anderem beim Geschichtsverein um 39 Euro.

Infos: https://geschichtsverein.ktn.gv.at/publikationen/details?did=54&type=newrelease

„Als die Diözesangrenzen verschoben wurden, wollte der Kaiser den Bischof in der Landeshauptstadt wissen und wies Franz Xaver Salm-Reifferscheidt den Viktringer Hof am Neuen Platz in Klagenfurt zu. Dann starb Maria Anna, ihr Palais wurde leergeräumt: Die benachbarten Nonnen hatten die Möbel, Gemälde, Kleider und Ziergegenstände geerbt. Das Gebäude stand leer, denn kein Habsburger wollte in der Peripherie leben. 1791 bietet der Kaiser dem Bischof das Palais zum Tausch an. Mit Salm-Reifferscheidt zieht der letzte aristokratische Bischof Kärntens dort ein“, erzählt Kluger.

Pietà erinnert an Gurk
In der Kapelle im ersten Stock stellt ein Kunstwerk die Verbindung zum Bischofssitz in Gurk her: Die Pietà erinnert stark an jene im Dom im Gurktal, ist aber nicht aus Blei, sondern aus Lindenholz, hat weitere Figuren dabei und Johannes trägt die Gesichtszüge von Bischof Salm, der sofort bei seinem Einzug den Garten für die Allgemeinheit öffnete, zu Konzerten und Feuerwerken lud.

In den napoleonischen Kriegen schossen die Soldaten die Damhirsche im Garten beim Palais, soffen den Wein und nahmen einiges mit. Dann kam es zum Konkurs Salms, er musste seine privaten Habseligkeiten versteigern – das Palais war zum zweiten Mal völlig leer. Danach zogen bürgerliche Bischöfe ein, der Garten verlor an Bedeutung, das Gebäude wurde zu einem Verwaltungshaus, das einige Büros der Diözese beherbergt.

Und obwohl (derzeit) kein Bild an seine Erbauerin Maria Anna erinnert, erzählt das Palais von spannender Geschichte und überraschenden Geschichten.

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