Während sich österreichweit nach drei Rekord-Pleitejahren die Situation ein wenig entspannt, ist die Entwicklung in der Steiermark dramatisch, so der AKV: Im ersten Quartal gab es ein deutliches Plus bei Firmeninsolvenzen, alleine bei Wollsdorf Leder und ADA waren hunderte Mitarbeiter betroffen.
Es hat Tradition: Während der KSV1870 schon vor Ende einer Periode seine Insolvenzstatistiken veröffentlicht und so die Entwicklung der noch verbleibenden Tage hochrechnet, informiert der AKV als zweiter großer Kreditschutzverband erst über die abgeschlossene Bilanz. Die Tendenz ist freilich stets dieselbe, in den Nuancen zeigt sich aber, wie sich die Situation zuletzt nochmals zugespitzt hatte.
Ging der KSV nämlich Mitte März von 198 steirischen Firmeninsolvenzen im ersten Quartal aus, waren es letztlich sogar 214 – ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Von einer „dramatischen Entwicklung“ spricht der AKV. 149 Verfahren wurden eröffnet, der Rest abgewiesen, weil kein verwertbares Vermögen mehr vorhanden war. Bitter für die Steiermark: Österreichweit ging die Zahl der Insolvenzen um 7,7 Prozent zurück, die grüne Mark entwickelt sich also gegen den Bundestrend.
Hunderte Jobs im Bezirk Weiz sind verloren
Zudem traf es – im Gegensatz zu 2025 – einige große Unternehmen, allen voran Wollsdorf Leder und die Möbelfirma ADA aus dem Bezirk Weiz. Beide zählen zur Produktionsbranche, wo in Summe 571 Dienstnehmer betroffen waren – und die meisten dieser Jobs dürften verloren sein. Für Aufsehen sorgen auch Konkurse im Umfeld des umtriebigen Tourismus-Investors Hans Kilger.
Freilich, an der Spitze der am stärksten betroffenen Branchen befinden sich weiterhin der Bau (30 Firmen), gefolgt vom Handel (27) und der Gastronomie (24). In Summe hat sich im ersten Quartal die Zahl der betroffenen Dienstnehmer auf 1061 beinahe verdoppelt, die Gesamtpassiva haben sich auf 404 Millionen Euro sogar verdreifacht! An der Spitze der Passiva steht dort übrigens das Rohstoff- und Handelsunternehmen LL Ressources aus Graz mit 130 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2026 geht das Grazer AKV-Team um Franz Blantz vor etwa 600 eröffneten Firmeninsolvenzen in der Steiermark aus.
Ansturm bei Privatinsolvenzen möglich
Erfreulicher ist der Trend bei Privatinsolvenzen, hier gab es einen leichten Rückgang der eröffneten Verfahren um zwei Prozent auf 215. Die Durchschnittsverschuldung stieg allerdings auf 145.600 Euro. Und im zweiten Quartal könnte es sogar einen Ansturm auf Privatinsolvenzen geben, da ab Ende Juni die Tilgungszeit wieder von für Betroffene attraktiven drei auf mühsamere fünf Jahre steigen dürfte – freilich könnte die Politik noch eine Verlängerung der derzeitigen Regelung beschließen.
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