Kabarett-Diva Eckhart:

„Österreich muss für mich Sehnsuchtsort bleiben“

Steiermark
05.04.2026 14:00

Lisa Eckhart balanciert polarisierend zwischen Verehrung und Anfeindung. An ihrem Sehnsuchtsort spricht die Kabarett-Diva über Ostern, Oma und Obszönität.

„Krone“: Wie gehen Sie mit den heftigen Angriffen und Morddrohungen um?
Lisa Eckhart: Ich kann das nur jedem empfehlen, einmal durch die Presse und den Schmutz geschliffen zu werden. Solange man sich nicht in den Pool des Internets begibt, lebt man recht frohgemut. Auf offener Straße nimmt sich niemand die Zeit, einen zu beschimpfen und zu bedrohen. Das passiert nur digital – und wenn man sich davon fernhält, lebt man sehr entspannt.

Gibt es Tabus oder darf Humor jede Grenze überschreiten?
Nein, ich glaube, es ist immer nur eine Frage der Form. Man kann jedes Thema behandeln – man muss nur eine angemessene, nicht zu grobe Form finden. Ich kenne keine Tabus, außer dem, das Publikum zu langweilen. Meine Korrektive sind tatsächlich nur das ästhetische Gesetz in mir und das Publikum vor mir. Und das darf ich nicht als Individuum sehen, weil ich sonst Skrupel bekommen würde.

Wollen Sie das Publikum zum Nachdenken provozieren?
Nein, ich habe kein missionarisches Bedürfnis. Ich glaube, man ist falsch beraten, wenn man denkt, man könne gezielt Botschaften vermitteln. Ich möchte Menschen zum Lachen bringen. Das klingt bescheiden, ist aber vielleicht das Schwierigste. Lachen ist für mich wertvoller, als wenn sich jemand den Kopf zerbricht. Wenn Menschen lachen, tröstet mich das über Tage hinweg, an denen ich selbst nicht gelacht habe.

Worüber können Sie persönlich lachen?
Mein Humor ist viel absurder als das, was ich auf der Bühne zeige. Humor hängt oft mit persönlichen Traumata zusammen. Mein schwierigster Punkt ist der Tod. Das Absurde hilft mir, damit umzugehen – zu zeigen, dass das Leben angesichts mancher Dinge sinnlos erscheint. Am schönsten ist es für mich, wenn sich jeglicher Sinn auflöst.

Der Tod kommt oft im Programm vor, beschäftigt er Sie schon mit 33?
Das ist keine Frage des Alters. Jeder ist damit konfrontiert. Bei all dem, was man tut und macht, stellt sich die Frage: Zählt das noch, wenn ich sterbe? Niemand kann sich davon ausnehmen. Ich glaube, diese Form des Nachlebens wird es nicht mehr so geben. Das Internet suggeriert zwar, nichts werde vergessen – aber gerade deshalb erinnern sich die Menschen weniger. Deshalb habe ich es auch mit einem Kind versucht, um auf diesem Weg Unsterblichkeit zu erreichen.

Ihr Kind wird wie der eigene Ehemann als debil und schwach vorgeführt – wie reagiert die Familie darauf?
Mein Sohn kann trotz seines jungen Alters gut zwischen Bühnenfigur und Privatperson unterscheiden. Für einen Vierjährigen ist das absolut zumutbar. Er sagt: „Meine Mama macht auf der Bühne Quatsch.“ Und ich finde, das ist die schönste Berufsbezeichnung überhaupt.

Auch die Oma aus Leoben wird zur Lachnummer. Welche Rolle spielt die Großmutter in ihrem Leben?
Eine große. Sie kommentiert regelmäßig nach TV-Auftritten mein Outfit. Sie findet es meistens zu aufreizend und mitunter unanständig. (lacht) Was ich sage, interessiert sie nicht sonderlich.

Lisa Eckharts Oma findet ihre Outfits oft zu obszön, ihren Fans gefällt’s.
Lisa Eckharts Oma findet ihre Outfits oft zu obszön, ihren Fans gefällt’s.(Bild: Enrico Meyer)

Kennen Sie Ihren IQ?
Nein. Ich interessiere mich weder für meinen IQ noch für mein Gewicht. Ich bin ein Mensch der Worte, nicht der Zahlen.

Tifft das auch aufs Finanzielle zu?
Geld ist ein netter Nebeneffekt, aber nicht ausschlaggebend. Für mich ist die Bühne die einzige Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu treten. Im direkten Dialog bin ich zu schüchtern. Auf der Bühne kann ich zwei Stunden sprechen, ohne unterbrochen zu werden, ohne Augenkontakt – das ist für mich überlebensnotwendig. Eine Art „Mikrobeziehung“ zu vielen Menschen gleichzeitig.

Spielen Sie nun bewusst öfter in der Steiermark?
Ich bin zwei Jahre der Steiermark und ganz Österreich ferngeblieben. Und nachdem ich von meinen Verwandten gehört habe, dass man mich für Deutsch hält und mir dadurch die Staatsbürgerschaft entzogen werden könnte, komme ich lieber zurück. Und ich bereue es nicht – es hat mir etwas gefehlt. Ich habe die österreichische Staatsbürgerschaft, mein Kind ist ein deutsch-österreichischer Mischling! Was soll ich machen. (lacht)

Vermissen Sie die Heimat?
Mein Manager sagt immer: „Sobald wir über die Grenze fahren, wird‘s gemütlich – da kennt dich keiner mehr.“ Der Ruhm ist hier kleiner, und das finde ich angenehm. Nachdem ich in Leipzig wohne, ist Österreich mein säkulares Jenseits. Genau deshalb darf ich hier gar nicht wohnen. Sonst würde ich am Ende selbst zur Einheimischen verkommen. Österreich muss für mich ein Sehnsuchtsort bleiben.

Lisa Eckhart in der Steiermark

  • 14.5. Gleisdorf
  • 16.5. Knittelfeld
  • 2.7. Graz

Auch ein Grund, Ostern mit der Familie in der Steiermark zu feiern?
Natürlich! In Deutschland gibt es keine Fleischweihe – das klingt für viele dort eher obszön. Das gehört in die Steiermark, zur Familie.

Sie haben einmal gesagt, Sie wollen vielleicht alles hinschmeißen und nach Paris gehen. Ist das noch aktuell?
Der Plan, etwas anderes zu machen, wurde nicht wegen des Erfolgs verworfen, sondern weil ich festgestellt habe, dass ich kein anderes Talent habe. Und da ich mit dem, was ich mache, Menschen Freude bereite, wäre es fast ein Frevel, damit aufzuhören.

Gehen Sie auch in Programme anderer Kabarettisten?
Wenn ich die Gelegenheit habe, ja. Manchmal ist es inspirierend, manchmal frustrierend. Ein Vorbild für mich ist Alfred Dorfer. Seine Präzision und Körpersprache bewundere ich sehr.

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