Lisa Eckhart ist die eleganteste Zumutung, die die Bühnen des deutschsprachigen Raums derzeit ertragen müssen – die österreichische Kabarettistin liebt ihre Skandale und begeisterte im knallvollen Linzer Brucknerhaus mit ihrem Programm „Ich war mal wer“.
„Lisa-Lisa“, Gebrüll und ohrenbetäubendes Klatschen – dieser Beginn erinnert an Bierzelt oder Fußballstadion. In weißer, üppig mit Silber verzierter Husarenjacke und knallenger Leggings erschien dann die Beherrscherin der Bühne als Kaiserin Stasi, einer Mischung aus Sissi und Stalin, frisch gestorben durch ein Attentat.
Zum Teil bediente die 33-jährige Sprachkünstlerin Lisa Eckhart tatsächlich das Bierzelt-Genre, wenn sie etwa über Vollzeitarbeitslose im Teilzeit-Vollrausch parlierte oder aufblasbare Sexgespielinnen als vegane Ersatzprodukte propagierte.
Alles steht am Kopf
Eckhart schürfte aber auf anderen Ebenen auch tiefer. In nasaler Noblesse stellte sie stupid auswendig gelernten Humanismus, verkommene Allgemeinbildung, wie insgesamt jegliche Correctness auf den Kopf, bewahrte dabei Ihren eleganten Sprachschatz bis in die unterste Schublade.
Gebannte Stille herrschte für einen Moment als Eckhart nach der Pause wieder auf der Bühne erschien, es folgte gewaltiger Jubel über eine Figur im atemberaubenden Ganzkörperstrumpf.
Noch rasanter als im ersten Teil feuerte sie zwei Pointen pro Satz ab, gezielt gegen alles Korrekte, alles Übliche, Vermeintliche, sie schrammte hart an Grenzen, wenn sie etwa das Schlagen von Kindern propagierte, die im „Teufelskreis der Gewaltlosigkeit“ verkommen. Anhand bizarrer Beispiele kehrte sie Täter-Opfer-Moral zugunsten der Täter um. Einzig die Realität kann das überbieten.
Begräbnis als Tourauftakt
Das Einschussloch auf der Stirn sorgfältig überschminkt, beobachtete sie am Schluss ihr eigenes Begräbnis: „Ich war mal Wer“.
Nach zwei Stunden hinterließ sie ein restlos begeistertes Publikum. Nach einer weiteren Vorstellung in Graz tourt sie anschließend in Deutschland. Auch hier füllt Eckhart die Häuser, wie sich im Terminkalender feststellen lässt.
Erst am 1. Juli gastiert die großartige Satirikerin mit dem neuen, starken Programm „Ich war mal wer“ in Wien in der Staatsoper, es folgen weitere Österreich-Termine.
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