„Mehr Bürokratie“

Wirtschaftskammer keine Freude mit Lohntransparenz

Tirol
24.03.2026 12:00

Von der im Juni kommenden Lohntransparenz für Firmen ab 100 Mitarbeitern verspricht man sich mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Die Tiroler Wirtschaftskammer-Präsidentin Barbara Thaler sieht das kritisch.

„Krone“: Frau Thaler, Sie sehen die Richtlinie zur Lohntransparenz kritisch. Warum?
Barbara Thaler: Das Ziel der Richtlinie, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, steht überhaupt nicht infrage. Ich frage mich nur, ob ein starrer Gesetzesweg da wirklich der richtige Weg ist. Es würde mehr Bürokratie bedeuten. Ich habe das Gefühl, man versucht ein komplexes Problem mit einem Werkzeug zu lösen, das dafür nicht gemacht ist.

Welches Werkzeug würde aus Ihrer Sicht denn passen?
Wir haben in Österreich das Werkzeug der Kollektivverträge, wo Lohngruppen ganz klar definiert sind.

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Das hat auch etwas mit dem Leistungsgedanken zu tun.

Barbara Thaler, Präsidentin WK Tirol

Dennoch ist Österreich eines der EU-Länder, in denen die Lohnschere zwischen Frauen und Männern am höchsten ist. Wie ist das zu erklären?
Wenn zum Beispiel ein Mitarbeiter neu in eine Firma kommt, der ein riesiges Netzwerk mitbringt, das wichtig ist für die Firma – da soll es dann keine Unterschiede mehr im Gehalt geben dürfen? Das hat auch etwas mit dem Leistungsgedanken zu tun.

Also lässt sich die derzeitige Lohnschere damit erklären, dass Männer mehr Leistung bringen?
Nein, das habe ich so nicht gesagt.

Aber die Frage war ja nach der Lohnschere.
Frauen und Männer dürfen jetzt auch schon nicht unterschiedlich verdienen. Ein zusätzliches bürokratisches Regelwerk löst das Problem nicht.

Wenn Frauen und Männer nicht unterschiedlich viel verdienen dürfen, wie erklären Sie dann diese nach wie vor bestehende Lohnschere?
Es kommt darauf an, welche Statistik man anschaut. Dass für gleiche Leistung gleich viel bezahlt wird, steht außer Frage. Aber wenn ich in großen Betrieben alle gleich bezahlen muss, haben wir die Sorge, dass das Gehalt nach unten nivelliert wird.

Es gibt Beispiele aus Ländern mit Lohntransparenz, wo das Gehalt durchschnittlich um fünf Prozent angehoben wurde.
Es gibt auch Beispiele, in denen das Gehalt nach unten gegangen ist, etwa in Dänemark. [Anmerkung: In Dänemark ist die Lohntransparenz noch nicht umgesetzt. Die Studie von CEPR bezieht sich auf ein nationales Gesetz und untersucht eine Anpassung der Löhne mittels Korrektur der Lohnstruktur, bei der exzessive Zuwächse am oberen Ende (meist Männer) zugunsten einer gleichmäßigeren Verteilung gebremst werden.] Wir kritisieren also den Mehraufwand von Bürokratie, wir befürchten eine schlechte Stimmung in den Betrieben und wir finden die Richtlinie schwammig formuliert – in welche Gruppe gebe ich denn die Mitarbeiter? Ist das wirklich vergleichbar? Wir verlangen, dass die Richtlinie nicht umgesetzt wird.

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