Großumbau, knappe Mittel, neue Ideen: Direktor Andreas Rudigier gibt Einblicke, wie die Tiroler Landesmuseen ihr Publikum von morgen gewinnen wollen und im heute relevant bleiben.
Stillstand gibt es keinen: Trotz Großumbau, Spardruck und wachsender Erwartungen sollen die Tiroler Landesmuseen relevant bleiben. Direktor Andreas Rudigier erklärt der „Krone“, wie er das Haus durch die schwierigste Phase seiner bisherigen langen Geschichte steuern will.
„Krone“: Der große Umbau prägt die kommenden Jahre der Tiroler Landesmuseen maßgeblich. Herr Rudigier, wie realistisch ist der Zeitplan bis 2028 – und wo sehen Sie aktuell die größten Unsicherheiten?
Andreas Rudigier: Der Zeitplan ist realistisch: Wir prüfen alles wöchentlich und liegen aktuell im Plan. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für Ende 2028 vorgesehen; wie lange das Einräumen dauert, ist noch offen. Möglicherweise kann bereits vor Jahresende begonnen werden, doch wir müssen damit rechnen, dass sich das Einräumen bis ins Jahr 2029 zieht. Ich gehe weiterhin von einer Fertigstellung Ende 2028 aus. Die Eröffnung kann aber auch in der ersten Jahreshälfte 2029 stattfinden.
Diese regionalen Museen, Heimatmuseen – wie immer man sie nennen möchte – liegen mir bis heute besonders am Herzen. Das sage ich ganz bewusst.
Andreas Rudigier
Mit „Ferdinandeum unterwegs“ gehen Sie bewusst raus zum Publikum. Ist das nur eine Übergangslösung – oder steckt dahinter bereits ein etwaiges Museumskonzept der Zukunft?
Wer meine Jahre in Bregenz verfolgt hat, weiß, dass ich immer eng mit vielen Partnern in Vorarlberg zusammengearbeitet habe. Daran knüpfe ich jetzt ganz selbstverständlich an. Zudem habe ich meine Museumslaufbahn in einem regionalen Museumsverband begonnen. Diese regionalen Museen, Heimatmuseen – wie immer man sie nennen möchte – liegen mir bis heute besonders am Herzen. Das sage ich ganz bewusst. Viele Aspekte der Museumsarbeit lassen sich nur vor Ort wirklich authentisch vermitteln. Unsere Grundlage ist die Kulturlandschaft, und die kann man im regionalen Raum weit besser bespielen als zentral aus einem Landesmuseum heraus. Dort stoßen wir naturgemäß schneller an Grenzen, wenn es um lokale Gegebenheiten geht. Deshalb ist „Ferdinandeum unterwegs“ für mich keine temporäre Aktion, sondern klar als langfristiges Projekt angelegt.
Das Zeughaus soll stärker zum Treffpunkt für Familien werden. Wie konkret wollen Sie Kinder und ein jüngeres Publikum ins Museum holen – und langfristig binden?
Wir haben im Zeughaus eine einjährige Potenzialanalyse durchgeführt und verfügen nun über einen klaren Befund. 2026 klären wir die Machbarkeit, da das denkmalgeschützte Umfeld mehrere Partner einbindet. Danach präsentieren wir ein zukunftsorientiertes Konzept. Parallel schreiben wir die Leitung neu aus, um ab Herbst einen inhaltlichen und organisatorischen Neustart zu ermöglichen. Inhaltlich setzen wir auf starke Sammlungen – historische Bestände, Archäologie und Naturwissenschaften – und geben der Zeitgeschichte erstmals einen festen Platz. Zugleich rücken wir das Zeughaus selbst und Maximilian stärker ins Zentrum. Wesentlich ist ein niederschwelliger Zugang, besonders über Kinder und Jugendliche: verständliche Sprache, Beteiligung, zeitgemäße Vermittlung. Wir sind überzeugt, in den kommenden Jahren ein starkes, zeitgemäßes neues Zeughaus zu entwickeln – wegweisend wie das neue Ferdinandeum.
Unser größtes Problem ist das veraltete Bild vom Museum: Für viele steht es für etwas Verstaubtes und Überholtes.
Andreas Rudigier
Die regionale Vernetzung – etwa mit Osttirol, dem dortigen Schloss Bruck und der Römerstadt Aguntum – gewinnt an Bedeutung. Wie schaffen Sie es, die Museen im ganzen Land sichtbarer zu machen, ohne die Zentrale in Innsbruck zu schwächen?
Die Museumslandschaft in Tirol kann nur gewinnen, wenn wir gemeinsam auftreten. Unser größtes Problem ist das veraltete Bild vom Museum: Für viele steht es für etwas Verstaubtes und Überholtes – und deshalb betreten 95 Prozent der Menschen nie ein Museum. Dieses Bild müssen wir gemeinsam verändern. Moderne Architektur zeigt, wie stark äußere Impulse wirken können: Menschen kommen wegen des Gebäudes – und entdecken dann ein zeitgemäßes Museum, das ihre Erwartungen übertrifft. Darum brauchen die Tiroler Landesmuseen und die Regionalmuseen eine gemeinsame Marke und mehr Sichtbarkeit, besonders im tourismusgeprägten Land Tirol. Unsere Häuser sind hochprofessionelle, agile Organisationen. Dieses Selbstbewusstsein sollten wir offensiv kommunizieren.
Der Blick richtet sich jetzt auf die Zeit nach der Wiedereröffnung. Woran wollen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit in fünf Jahren messen lassen?
Für mich zählt vor allem das Publikum: Wie sprechen die Menschen darüber, kommen sie wieder, empfehlen sie den Besuch weiter? Entscheidend ist, ob sie das Projekt als Teil „ihres“ Hauses annehmen oder als Fremdkörper empfinden. Ebenso wichtig ist die Resonanz in der Museumswelt: Wird das Haus als Vorreiter wahrgenommen, als Ort, den man gesehen haben muss? An diesen Reaktionen würde ich den Erfolg messen.
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