31.01.2006 16:57 |

Harte Jungs

50 Cent ¿ Bulletproof

Mit dem Erfolg in der Musik kommt bei US-Rappern bald auch der Wunsch nach weiteren Ausdrucksmöglichkeiten. Sei es ein Modelabel, ein eigener Duft, Auftritte in Filmen, Spielzeug-Puppen oder ein eigenes Videogame. So geschehen bei "50 Cent - Bulletproof".

50 Cent, laut Eigendefinition einer der härtesten Jungs der Straße, ist mächtig sauer, denn einer seiner Freunde, K-Dog, wurde entführt. Sofort eilt er mit seiner G-Unit, bei denen unter anderem Young Buck sowie Lloyd Banks mit von der Partie sind, zur Hilfe. Doch ihr Einsatz endet in einem wahren Desaster. K-Dog wird ermordet und 50 Cent landet mit ein paar Kugeln im Rücken bei einem schmierigen, zwielichtigen Arzt, welcher ihn wieder notdürftig zusammenflickt. Ab diesem Zeitpunkt hat 50 Cent nur mehr ein Ziel vor Augen: Rache!

Das bombastische Intro, welches stark einem Musikvideo ähnelt, sowie die Story aus der Feder von Terry Winter, einem Emmy Gewinner, lassen auf ein gutes Spiel hoffen.

Nach der gelungenen Einführung startet man bei diesem waschechten 3D-Shooter als 50 Cent in Begleitung seiner G-Unit. Es besteht dabei die Möglichkeit Gegenstände oder aber auch die Gegner als Schutzschild zu benutzen, mit einer Waffe in jeder Hand in bester John Woo Manier sich den Weg freizuschießen, oder die Wertsachen der niedergemeuchelten Gegnerhorden zu stehlen. Mit diesem Geld können Waffen gekauft, die Gesundheit verbessert, oder aber Musikclips und Songs freigeschalten werden.

So schön das Intro auch gestaltet ist, so eintönig, farbarm und trist wirken die eigentlichen Spielgrafiken. Es scheint fast so als hätten sich die Designer einzig und allein auf die Gestaltung der Spielfiguren konzentriert, denn der virtuelle 50 Cent kommt seinem realen Ebenbild doch sehr nahe. Die Levelgestaltung hinkt im Vergleich zu den Genregrößen ebenfalls gewaltig hinterher. Die Level sind teilweise so verwinkelt gestaltet, dass man einfach zu leicht die Orientierung verliert. Zudem nerven die eher langwierigen und langweiligen Schalterrätsel mit Fortdauer des Spiels.

Die Gegner sind zwar zahlreich, aber strohdumm und wenn sie nicht unfairerweise wie aus dem Nichts vor einem plötzlich auftauchen würden, wären sie nicht mehr als williges Kanonenfutter. Mit den Counterkills, welche in Zeitlupe gezeigt werden, befördert 50 Cent seine Widersacher besonders brutal und blutig ins Jenseits, so dass die Jagd nach den Mördern von K-Dog teilweise in einem regelrechten Blutbad ausartet.

Die übertriebene Gewaltdarstellung soll wohl die technischen Schwächen etwas kaschieren, denn die Steuerung treibt einen schier zur Verzweiflung, da sie viel zu ungenau ist und so Treffer reine Glückssache werden. 

Der Soundtrack von 50 Cent und seinen Kollegen sorgt hingegen für eine gelungene Untermalung des Spielgeschehens. Die Rapper haben den Charakteren ihre Stimmen geliehen, wodurch das Ganze authentischer wirkt, wobei es einem nicht stören sollte, dass mit Schimpfworten nur so um sich geworfen wird.

Fazit: "50 Cent - Bulletproof" besticht lediglich durch ein gut gemachtes Intro und einem ausgezeichneten Soundtrack. Der Rest ist eine Mischung aus exzessiver Gewaltdarstellung und einer technischen gerade mal mittelmäßigen Umsetzung. Eingefleischte 50 Cent Fans finden vielleicht Gefallen an Bulletproof, der Rest der Shooter-Gemeinde wird mit diesem Spiel eher weniger Freude haben. 

Plattform: XBox (getestet), PS2
Publisher: Vivendi Universal
Krone.at-Wertung: 52%

von Harald Kaplan

Freitag, 14. Mai 2021
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