Knaller bei Stichwahl

35-jähriger Grüner wird Bürgermeister von München

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Von krone.at

Die Sozialdemokraten, die seit den 1980er-Jahren das Amt des Oberbürgermeisters in München stellen, haben bei der Stichwahl eine herbe Niederlage eingefahren. Der grüne Herausforderer Dominik Krause (35) konnte sich durchsetzen: Der bisherige Stadtchef Dieter Reiter wurde wegen der Affäre eines nicht genehmigten bezahlten Postens beim FC Bayern abgestraft.

Laut vorläufigem Ergebnis erhielt Krause 56,4 Prozent der Stimmen. Er wäre der erste grüne Bürgermeister der bayrischen Hauptstadt. Es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere, sagte Reiter noch während der Auszählung der Stichwahl. Reiter stand zuletzt wegen seines Umgangs mit Vereinsmandaten beim FC Bayern München samt Vergütungen in der Kritik.

Der scheidende Oberbürgermeister Dieter Reiter
Der scheidende Oberbürgermeister Dieter Reiter(Bild: APA/AFP/Tobias SCHWARZ)

Reiter: „Das war‘s von mir“
Bei der Wahlparty der Grünen brandete Jubel auf, als die erste Tendenz bekanntwurde. Reiter sagte dagegen: „Ich hab‘s verbockt.“ Das Wahlergebnis sei seine Schuld, betonte er. „Es war mir eine Ehre, hier in dieser Stadt Oberbürgermeister sein zu dürfen.“ Er kündigte das Ende seiner politischen Laufbahn an: „Das war‘s von mir.“

Dominik Krause (rechts) küsst bei der Wahlfeier der Grünen seinen Lebensgefährten auf der Bühne.
Dominik Krause (rechts) küsst bei der Wahlfeier der Grünen seinen Lebensgefährten auf der Bühne.(Bild: APA-Images / dpa / Sven Hoppe)

Die Wahl war so spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr in München. Lange galt Amtsinhaber Reiter als unangefochtener Favorit. Doch dann wurde bekannt, dass er schon seit Jahren Geld vom FC Bayern München für einen Posten in dessen Verwaltungsbeirat bekommen hatte und sich dies nicht – wie er es hätte tun müssen – vom Stadtrat genehmigen ließ. Vor allem wegen seines Umgangs damit geriet Reiter massiv in der Kritik.

Nach großem öffentlichem Druck räumte er Fehler ein und trat vom Posten des Verwaltungsbeirates und auch von dem des Aufsichtsrates, den er gerade erst übernommen hatte, zurück.

Krause zeigte sich auf Instagram von seinem Erfolg bewegt:

Im ersten Wahlgang am 8. März hatte Reiter zwar mit 35,6 Prozent noch deutlich vor Krause mit 29,5 Prozent gelegen. Allerdings lag das damals vor allem an den Briefwählern, von denen ein Großteil noch vor Bekanntwerden der Affäre abgestimmt hatte. Nach den nur am Wahltag selbst abgegebenen Stimmen lag Krause bereits vor zwei Wochen vor Reiter.

Nach 14 Jahren im Amt muss der 67 Jahre alte Reiter, der einen komplett auf ihn zugeschnittenen Wahlkampf mit dem Slogan „München. Reiter. Passt“ geführt hatte, sich nun wohl dem 35 Jahre alten Krause geschlagen geben. Der Grünen-Kandidat hatte deutlich mehr auf Inhalte wie den Kampf gegen Wohnungsnot und hohe Mieten gesetzt und für frischen Wind im Münchner Rathaus geworben.

Das Wahlergebnis wird absehbar ein historischer Einschnitt für die SPD. Seit 1948 war fast immer ein Sozialdemokrat Münchner Oberbürgermeister – mit Ausnahme der Jahre 1978 bis 1984, als CSU-Mann Erich Kiesl den Posten innehatte.

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