Irak-Krise

Entfacht Sunniten-Hass auf Schiiten Glaubenskrieg?

Ausland
17.06.2014 07:23
Angesichts der jüngsten Eskalation der Gewalt im Irak hat die USA jetzt eine 275 Mann starke Spezialeinheit des Militärs entsendet, um die US-Botschaft und die dort arbeitenden Amerikaner zu schützen. Der irakische Ex-Vizepräsident Tarek al-Hashemi warnte unterdessen, dem Land drohe ein "regelrechter Glaubenskrieg". Die Zuspitzung der Lage sei demnach auf eine allgemeine Revolte der Sunniten zurückzuführen und nicht bloß auf die Extremisten-Gruppe ISIL.

Die jüngste Krise im Irak gründet auf dem seit Jahren schwelenden Machtkampf zwischen der Mehrheit der Schiiten, die die Regierung anführen, und den unter dem per US-geführter Invasion 2003 gestürzten Machthaber Saddam Hussein privilegierten Sunniten. Laut einem Bericht der "New York Times" wird Husseins ehemalige rechte Hand, Ex-General Izzat Ibrahim al-Douri, als einer der wichtigsten Drahtzieher hinter den derzeitigen Kämpfen vermutet.

Ex-Vizepräsident warnt vor Revolte der Sunniten
Die sunnitische Minderheit leide seit Langem unter Diskriminierung, Unrecht und Korruption, gab auch der irakische Ex-Vizepräsident Hashemi, der als Kritiker von Premier Nuri al-Maliki bekannt und aus dem Irak geflohen ist, am Montag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters zu bedenken. Hashemi war 2012 wegen Anstiftung zum Mord zum Tod verurteilt worden, er selbst weist diese Anschuldigungen vehement zurück.

ISIL (Islamischer Staat im Irak und in der Levante) sei dem Ex-Vizepräsidenten zufolge zwar mächtig und einflussreich, sie repräsentiere aber nicht das gesamte Spektrum. "Die Sunniten verfügen über elf oder zwölf bewaffnete Gruppen, die nun wieder aktiviert werden." Auch politische Parteien, Armee-Offiziere und Stammesführer spielten eine Rolle, sagte Hashemi, der selbst ein Sunnit ist.

Hashemi warnte in dem Gespräch in Istanbul zugleich, die Gewalt könne in einem regelrechten "Glaubenskrieg" enden. "Deshalb müssen wir unser Bestes geben, um dieses Blutvergießen zu stoppen. Das liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, aber zuallererst bei den Vereinten Nationen." Diese müssten im Irak eingreifen.

Keine militärische Zusammenarbeit mit Teheran
US-Präsident Barack Obama traf unterdessen am Montagabend in Washington erneut mit seinen Sicherheitsberatern zusammen, um über den Vormarsch der sunnitischen Dschihadisten der ISIL zu beraten. Zudem tauschten sich US-Vertreter am Rande der Verhandlungen in Wien über das iranische Atomprogramm am Montagabend mit iranischen Abgesandten über die Krise im Irak aus (siehe Story in der Infobox). Tenor aus Washington: Eine Abstimmung mit Teheran könne man sich vorstellen, eine Koordinierung militärischer Maßnahmen werde es aber nicht geben.

US-Truppe auch für Kämpfe gerüstet
Laut Angaben des Pentagons erreichten 170 der zusätzlichen US-Soldaten Bagdad bereits am Wochenende. Rund 100 weitere sollen falls erforderlich Flughäfen verwalten, logistische Maßnahmen unterstützen und zur Sicherheit beitragen. Die Truppe sei wenn nötig auch für den Kampf gerüstet, teilte Präsident Barack Obama in einem Brief an den Kongress mit. "Diese Einheit wird im Irak bleiben, bis die Sicherheitslage es nicht länger erfordert", hieß es in dem Schreiben vom Montag.

Die Größe der nun entsendeten Truppe macht den Ernst der Lage im Irak deutlich, hatte doch jüngst ein US-amerikanischer Regierungsvertreter noch erklärt, die geplante Aufstockung des Militärpersonals werde weniger als 100 Soldaten betreffen. Bisher waren im Irak zwischen 200 und 300 Soldaten stationiert, um US-Einrichtungen zu schützen und irakische Sicherheitsleute zu unterstützen.

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